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Kampf um die Seele Amerikas: Joe Biden in München.

Demokrat Joe Biden bei Sicherheitskonferenz

Trump-Gegenspieler wird in München deutlich: „Ich verspreche Ihnen, auch das geht vorbei“

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    Marcus Mäckler
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Bei der Sicherheitskonferenz in München offenbart sich, wie gespalten Amerika ist. Der Republikaner Mike Pence schlägt harte Trump-Töne an. Demokrat Joe Biden beschwört die Allianz mit den europäischen Freunden.

München – Stille kann so entlarvend sein. Mike Pence hat gerade Markus „Soda“ für die Einladung gedankt und ein paar nette Worte über die US-Delegation verloren, die nach München gereist ist. Dann überbringt der Vizepräsident Grüße vom Chef, den er ohne zu zucken einen „großen Vorkämpfer der Freiheit“ nennt: Donald Trump. Pence senkt den Kopf, lässt eine Pause für Applaus. Im Senatssaal des Landtags bleibt es totenstill.

Für den Republikaner ist es ein recht peinlicher Moment an diesem Freitagabend, zumal im Publikum viele US-Amerikaner sitzen. Offenbar hat niemand große Lust, gute Miene zum Trumpschen Spiel zu machen, deshalb kein Applaus für den US-Präsidenten. Damit ist gleich zu Beginn der Münchner Sicherheitskonferenz der Ton gesetzt.

Das Zeichen: Amerika ist noch da 

Wie sehr die Politik des US-Präsidenten auch die Amerikaner aufwühlt, lässt sich unter anderem an der diesjährigen Delegation ablesen – sie ist so groß wie nie zuvor. Während vor einem Jahr noch 50 Amerikaner mitreisten, sind es mit 91 diesmal fast doppelt so viele. Darunter sind 20 Regierungsmitglieder (2018: zwölf) und 53 (!) Kongressabgeordnete, 33 mehr als 2018. Schon die bloße Zahl lässt sich als Zeichen an Europa und die Welt lesen: Amerika ist noch da.

Die These vom gespaltenen Land ist in allen USA-Berichten längst Allgemeingut. Neu ist, dass diese Spaltung auch auf dem Podium der Sicherheitskonferenz voll ausgelebt wird. Und dies, obwohl Trumps wichtigste Gegenspielerin gar keinen großen Auftritt hat. Nancy Pelosi, demokratische Mehrheitsführerin im Repräsentantenhaus, ist zum ersten Mal nach München gereist. Vor kurzem düpierte sie den Präsidenten, als sie ihm während der Haushaltssperre untersagte, seine Rede zur Lage der Nation im Kongress zu halten.

Biden hat keine Lust auf diplomatische Floskeln

Auch Joe Biden ist dabei, Demokrat und Vizepräsident unter Obama. Biden ist inzwischen 76 Jahre alt, das erste Mal zur Sicherheitskonferenz kam er in den 70ern. Seine Rede ist ein Fanal. Er hat keine Lust auf diplomatische Floskeln, sondern kommt gleich zum Punkt. „Ich unterstütze die Nato aus vollem Herzen“, sagte er. „Ich glaube, sie ist die maßgeblichste militärische Allianz in der Geschichte der Welt und die Basis, auf der wir Frieden und Stabilität in 70 Jahren aufrecht erhalten haben.“

Biden wird als einer der Demokraten mit den größten Präsidentschaftschancen gehandelt. Er werde sich in naher Zukunft entscheiden, sagt er. Und er klingt trotz fortgeschrittenen Alters äußerst kampfeslustig.

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Er spricht am Samstag kurz nach Pence, der den „Partnern“ einiges um die Ohren gehauen hat. „Es ist an der Zeit, dass unsere europäischen Partner aufhören, die US-Sanktionen gegen dieses mörderische revolutionäre Regime zu untergraben“, sagt Trumps Vize zum Beispiel. Und mit Blick auf Nord Stream 2 droht er offen: „Wir können die Verteidigung des Westens nicht garantieren, wenn unsere Bündnispartner sich vom Osten abhängig machen.“ So ist die Tonlage der Trump-Regierung, die sich fast täglich verschärft. Nur einen Tag nach dem Pence-Auftritt droht Donald Trump in Washington, IS-Gefangene freizulassen, sollten sich andere Länder nicht zur Aufnahme bereit erklären.

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In der US-Delegation wenden sich viele offen von dieser Strategie ab. „Führungskraft existiert nur, wenn andere mit einem sind“, erklärt Joe Biden und es ist völlig klar, wen er meint. Er könne ja hier nicht als Regierungsvertreter sprechen, sagt der ehemalige Vizepräsident – aber als Bürger der USA. Er sei in den vergangenen zwei Jahren viel im Land herumgereist. Seine Lehre: „Die amerikanischen Bürger wollen der Welt mit Anstand und Respekt begegnen.“ Und: „Das Amerika, das ich sehe, will der Welt oder unseren Alliierten nicht den Rücken zukehren.“

Joe Biden will der nächste Präsident der Vereinigten Staaten werden - trotz seiner 76 Jahre kandidiert er zum dritten Mal bei den US-Vorwahlen der Demokraten.

Biden bekennt sich zu Freier Presse, Demokratie und Rechtsstaat. Es muss schon viel Verunsicherung herrschen, wenn sich ein US-Vertreter auf deutschem Boden zu so einem Bekenntnis genötigt sieht. Es bricht fast aus ihm heraus: Man kämpfe gerade um die „Seele Amerikas“. Dann bremst er sich- „Ich verspreche Ihnen – meine Mutter würde sagen: Auch das geht vorbei. Wir kommen zurück.“  

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