Rechtsanwalt Lin Wood polarisiert

Georgia: Boykott-Aufruf - die Senatswahl wird für Republikaner zur Zerreißprobe

  • Andreas Schmid
    vonAndreas Schmid
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Wenige Tage vor der entscheidenden Senatswahl in Georgia spitzt sich die Lage zu. Der Republikaner Lin Wood fordert nach wie vor den Boykott - und stößt damit selbst bei seinem Idol auf Widerstand.

  • Am 5. Januar 2021 fällt die letzte Entscheidung der US-Wahl 2020.
  • Im Bundesstaat Georgia wird der Senat per Stichwahl ermittelt.
  • Der Republikaner Lin Wood ruft zum Boykott auf und will die eigenen Kandidaten verhaften.

Atlanta - Joe Biden hat die US-Wahl 2020 für sich entschieden und wird am 20. Januar 2021 offiziell vereidigt. Unklar ist allerdings noch, mit welchen Mehrheiten der Demokrat das Präsidentschaftsamt antreten wird. Die Entscheidung fällt mit der Senats-Stichwahl in Georgia - die für die Republikaner immer mehr zur politischen Zerreißprobe avanciert.

US-Senatswahl in Georgia: Republikanischer Trump-Fan fordert Boykott - was steckt dahinter?

In Georgia, dem achtbevölkerungsreichsten Bundesstaat der USA, steht der Ausgang der Senatswahl noch nicht fest: Keiner der Kandidaten konnte die erforderliche absolute Mehrheit für sich gewinnen. Folglich befinden sich Demokraten und Republikaner in der Stichwahl. Der Ausgang eben jener Stichwahl, die am 5. Januar über die Bühne geht, ist von entscheidender Bedeutung, da die Sitzverteilung im Senat den Handlungsspielraum des neuen Präsidenten regelt.

Denn vor der Wahl in Georgia haben die Demokraten mit 48:50 Sitzen das Nachsehen und müssen sich den Republikanern beugen. Die Senatswahl ist aber nicht nur aufgrund der zusätzlichen zwei zu vergebenen Sitzen höchst interessant. Die Republikaner, für die es um nichts anderes als den Machterhalt in der Kongresskammer geht, wirken schon jetzt zutiefst gespalten. Die „Grand Old Party“ ist geteilt in ein Lager, das den Wahlsieg Bidens anerkennt und eine Pro-Trump-Fraktion, die weiterhin von Betrug spricht. In deren Reihen findet sich auch der Anwalt Lin Wood wieder.

„Make America Great Again“ - aus seinen Sympathien für Donald Trump machte Lin Wood nie einen Hehl.

US-Senats-Wahl in Georgia: Wood fordert Inhaftierung der republikanischen Kandidaten

Wood gilt als großer Unterstützer Donald Trumps. Er will den Ausgang der US-Wahl nach wie vor nicht akzeptieren und hält am Noch-Präsidenten fest. In der Vergangenheit sprach er sich mehrfach dafür aus, die Stichwahl zu boykottieren. Nur wenn Trump zuvor zum Präsidenten erklärt werden würde, sollen die Bewohner Georgias zur Wahl erscheinen. Nun legt der 68-Jährige nach.

Wood ist sich sicher, dass die beiden republikanischen Kandidaten, Kelly Loeffler und David Perdue, direkt am „Wahlbetrug“ beteiligt sind. Sie müssten daher wie der republikanische Gouverneur Brian Kemp aus dem Verkehr gezogen, sprich verhaftet werden. Erst dann könnten „echte konservative Senatoren“ gewählt werden, wie auf einer von Wood auf Twitter veröffentlichten Grafik, über die auch fr.de berichtet*, zu lesen ist.

US-Senatswahl in Georgia: Trump widerspricht seinem Unterstützer - „zwei großartige Senatoren“

Mit diesen drastischen Worten und dem anhaltenden Vorwurf des Wahlbetrugs könnte Wood die Spaltung der Republikanischen Partei wohl weiter vorantreiben. Und Trump? Der scheint von der Boykott-Idee wenig zu halten. Der 74-Jährige nannte Loeffler und Perdue „zwei großartige Senatoren“ und kündigte an, persönlich nach Georgia zu kommen, um sie zu unterstützen. Es sei „so wichtig für unser Land, dass sie gewinnen.“

Dabei könnte die gezielte Attacke auf die beiden Senatoren durchaus im Sinne Trumps sein: Der US-Präsident plant Berichten zufolge an einer „Königsmacher“-Strategie für die Zeit nach seinem Auszug aus dem Weißen Haus - Teil derer könnte es laut Insidern auch sein, republikanische Mandatsanwärter gezielt durch Trump-Getreue zu ersetzen.

US-Senatwahl in Georgia: Wood „kein Fan von einem der vier Kandidaten“

Wood hingegen erklärte „kein Fan von einem der vier Kandidaten“ zu sein, also weder von den zwei demokratischen Herausforderern Raphael Warnock und Jon Ossoff noch von seinem parteiinternen Duo. Vieles deutet darauf hin, dass der Rechtsanwalt auch nach dem Ausgang der Senatswahl an seinen Überzeugungen von Wahlbetrug festhalten wird.

Nicht nur die Demokraten, sondern eben auch immer mehr Republikaner hoffen hingegen, dass spätestens am 20. Januar, dem Tag von Bidens Vereidigung, die Vorwürfe leiser werden. Damit die Vereinigten Staaten von Amerika wieder anständig politisch geführt werden können - von beiden Parteien. (as) *Merkur.de ist wie fr.de Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © Ben Gray/picture alliance/dpa/Atlanta Journal-Constitution

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