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Sorgt mal wieder für Aufsehen: US-Präsident Donald Trump hat Strafzölle auf US-Stahlimporte erlassen.

US-Präsident spaltet die Welt

Trump glaubt nicht, dass es zum Handelskrieg kommt - doch sein Erlass ist gefährlich

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Donald Trump hat seine Drohungen wahrgemacht und Strafzölle auf Stahlimporte erlassen. Doch trotz scharfer Kritik glaubt er nicht an einen Handelskrieg. 

München - „Ich denke nicht, dass wir einen Handelskrieg haben werden“, sagte er am Montag am Rande eines Besuches von Israels Premierminister Benjamin Netanjahu in Washington. Er bezichtigte die Europäische Union, ihrerseits Handelsschranken aufgebaut zu haben. „Sie haben Handelsbarrieren, die weit schlimmer sind als Zölle“, sagte Trump. „Unser Land ist von fast jedem anderen Land ausgenommen worden, egal ob Freund oder Feind“, betonte Trump weiter.

Doch ob Europa, China, Brasilien, Kanada - sie alle wollen sich die von Donald Trump angekündigten Stahl-Strafzölle nicht gefallen lassen. Entgegen Trumps Äußerungen könnten Gegenmaßnahmen sich zu einem weltweiten Handelskrieg hochschaukeln, bei dem es am Ende nur Verlierer gibt. Die tz erklärt die Gefahren.

Was genau hat Trump vor?

Der US-Präsident will die US-Stahlindustrie mit 25-prozentigen Strafzöllen auf alle Stahlimporte abschirmen. Auf Aluminium-Einfuhren sollen zehn Prozent Strafzoll erhoben werden. „Wir werden neue Jobs bekommen und pulsierende Unternehmen“, sagte Trump unter dem Beifall von US-Stahlunternehmern, die er ins Weiße Haus eingeladen hatte.

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Was bedeuten die Strafzölle für die deutsche Wirtschaft?

Bei Stahl und Alu ist die Bundesrepublik mit Exporten im Wert von 1,7 Milliarden Dollar der wichtigste europäische Anbieter auf dem US-Markt. Zudem könnten Stahlexporteure wie Kanada, Mexiko oder China wegen der US-Zölle den durch keine Handelshemmnisse beschränkten EU-Markt überschwemmen, so der Präsident des deutschen Stahlverbandes, Hans Jürgen Kerkhoff. Aber weit dramatischer als die Folgen für die Stahlindustrie sind die möglichen Auswirkungen auf die deutschen Exporte generell. Strafzölle „kosten die deutsche Wirtschaft Millionen“, erklärte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben. „Die Zölle erschweren den Marktzugang in die USA. Gerade die hoch-internationalisierte deutsche Wirtschaft ist auf offene Märkte und ein funktionierendes Welthandelssystem angewiesen“. Nach Berechnungen des Ifo-Instituts hängen mehr als 1,5 Millionen deutsche Arbeitsplätze am US-Geschäft - vor allem in der Automobilbranche, beim Maschinenbau und in der Pharma­industrie.

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Welche Gegenmaßnahmen plant die EU?

Wir werden nicht tatenlos zusehen, wie unsere Industrie durch unfaire Maßnahmen getroffen wird, die Tausende europäische Arbeitsplätze gefährden“, kündigte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker an. EU-Experten arbeiten bereits seit Monaten an einer Liste mit US-Produkten, die als Reaktion auf US-Abschottungsmaßnahmen mit zusätzlichen Zöllen belegt werden könnten. Zu ihnen könnten unter anderem Bourbon-Whiskey und Harley-Davidson-Motorräder, aber auch in den USA angebaute Kartoffeln oder Tomaten zählen. Neben Sanktionen dürfte die EU auch mit einer Klage bei der Welthandelsorganisation WTO reagieren.

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Was kann die WTO tun?

Es ist die Kernaufgabe der in Genf sitzenden Organisation, Handelskriege zu verhindern. Zunächst versucht die WTO zu schlichten. Wenn es keine Einigung gibt, kann die WTO Urteile fällen, die die Mitglieder umsetzen müssen. Die WTO-Verträge erlauben aber Schutzmaßnahmen aus Gründen der nationalen Sicherheit – und Trump argumentiert, die Stahlproduktion sei für die US-Rüstungsindustrie notwendig.

Von Donald Trumps Strafzöllen betroffen: Der Import von Stahl soll in den USA verteuert werden.

Was steckt hinter Trumps Stahl-Politik?

Die US-Stahlindustrie liegt am Boden: Seit dem Jahr 2000 mussten zehn US-Stahlwerke schließen, die Beschäftigung ging in den vergangenen 20 Jahren um 35 Prozent zurück. Die verbliebenen Stahlwerke sind derzeit nur zu 73 Prozent ausgelastet. Aber dass Trump sein Wahlkampf-Versprechen an die Stahlarbeiter gerade jetzt umsetzt, liegt laut US-Medien auch daran, dass er einen Befreiungsschlag braucht: Innenpolitisch ist Trump nach den Rücktritten seiner Kommunikationschefin Hope Hicks und den Gerüchten, sein Schwiegersohn Jared Kushner könnte abgelöst werden, unter Druck geraten.

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Wie reagiert die US-Wirtschaft?

Die US-Stahlwerte stiegen an der US-Börse deutlich, der Dow Jones schloss aber klar im Minus. Denn außer der Stahlindustrie will niemand in der US-Wirtschaft diesen Handelskrieg: Stahl wird durch den Protektionismus in den USA teurer werden, was Produkte wie US-Autos weiter verteuert. Zudem ist unkalkulierbar, wie stark die US-Wirtschaft insgesamt unter Gegenmaßnahmen der durch Trump brüskierten Handelspartner leiden wird.

dpa/ KR

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