Jacob Anthony Chansley, auch bekannt als Jake Angeli, beim Sturm auf das Kapitol.
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Jacob Anthony Chansley, auch bekannt als Jake Angeli, beim Sturm auf das Kapitol.

Anwalt benennt den schlichten Grund

Donald Trump hat einen neuen Feind - ausgerechnet der „Kapitol-Schamane“ will gegen ihn aussagen

  • Robert Märländer
    vonRobert Märländer
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Sie griffen zur Gewalt, um Donald Trump im Amt zu halten. Jetzt hat sich das prominenteste Gesicht der Kapitol-Randalierer gegen Trump gewendet.

  • Am 6. Januar 2021 soll Donald Trump die Demonstranten in Washington D.C. zur Gewalt angestachelt haben.
  • Ein Verschwörungstheoretiker, der das Kapitol stürmte, wechselt nun überraschend die Seiten.
  • Er hatte sich von Trump etwas anderes erwartet.

Washington D.C. - Als 6. Januar 2021 eine Horde von Trump-Anhängern das US-Kapitol stürmte, ging das Gesicht von Jacob Anthony Chansley um die Welt. Der Mann, der auch den Namen Jake Angeli verwendet, war in erster Reihe mit dabei, als sich Anhänger des abgewählten Präsidenten mit Gewalt Zugang zum Parlament verschafften. Es war ein verrücktes Bild von einem Mann, der mit freiem Oberkörper, Bison-Hörnern und bemaltem Gesicht durch das Allerheiligste der amerikanischen Politik marschierte. Für manche ist er der „Schamane“, für andere der „Bison-Mann“ aus dem Kapitol. Fest steht, er wurde zu einem Symbol für das Chaos, das über die Hauptstadt Washington D.C. hereingebrochen war.

An diesem Tag wollte Chansley nichts anderes als die meisten anderen Randalierer. Donald Trump sollte im Amt bleiben, denn es gab und gibt durchaus US-Amerikaner, die Trumps Erzählung vom großen Wahlbetrug glauben. Der Mann aus Arizona gilt als ein Anhänger der Verschwörungstheoretiker von QAnon und als rechtsextremer Aktivist. Doch der Präsident, für den er damals gekämpft hat, ist nun offenbar zu seinem Feind geworden.

Amtsenthebung von Donald Trump: „Schamane“ aus dem Kapitol will gegen ihn aussagen

Die Verhältnisse stehen plötzlich auf dem Kopf. Im laufenden Verfahren um eine Amtsenthebung von Donald Trump will Jacob Chansley nun gegen den Ex-Präsidenten aussagen. Er kooperiert also mit dem Kongress, den er angegriffen hatte, um Trumps Verbleib im Amt zu erzwingen.

Chansley kommentierte die Taten bereits gegenüber US-Medien und zeigte dabei keine Reue. Sein plötzliches Problem mit Trump beruht darauf, was der scheidende Präsident in seinen letzten Amtstagen unterlassen hat. Chansleys Anwalt teilte mit, dass sich sein Mandant betrogen fühlt, weil Donald Trump keine Begnadigung für die Randalierer erwirkt hat. Tatsächlich war es eine viel beachtete Frage, ob der US-Präsident von diesem Vorrecht gebracht machen würde, um seine Anhänger vor einer weiteren Strafverfolgung zu schützen. Am Ende verzichtete Trump darauf und hat nun einen neuen prominenten Gegner.

Worum geht es noch beim Impeachment gegen Donald Trump?

Beim Amtsenthebungsverfahren (Impeachment) geht es nicht mehr darum, Trumps Präsidentschaft zu beenden. Es geht aber sehr wohl darum, ihm eine Wiederwahl zu verwehren, falls er erneut US-Präsident werden will. Ihm wird vorgeworfen, er habe die Demonstranten zu ihren Taten aufgewiegelt.

Im US-Senat muss die abschließende Entscheidung über die Amtsenthebung fallen. Dort haben sich aber fast alle republikanischen Senatoren gegen das Verfahren gestellt. Der Prozess sei nicht verfassungskonform, da Trump schon nicht mehr im Amt sei. Die Demokraten haben zwar eine knappe Mehrheit, doch für eine Amtsenthebung braucht es die Stimmen von zwei Dritteln der Senatoren. Die Aussage eines Trump-Anhängers, der Vorwürfe gegen den Ex-Präsidenten bestätigt, könnte vor diesem Hintergrund auch die Position der Republikaner beeinflussen. (rm)

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