„Es ist ein sehr trauriger Ort“

„Armseliger Verlierer“: Trump nach Ankunft in Mar-a-Lago mit mehreren Flugzeug-Bannern gedemütigt

  • Christiane Kühl
    vonChristiane Kühl
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Flugzeuge ziehen Banner mit Schmähungen gegen Donald Trump am Resort Mar-a-Lago vorüber - der Ex-Präsident ist bei den Anwohnern nicht besonders beliebt.

  • Flugzeugbanner schmähen Donald Trump als „schlechtesten Präsidenten aller Zeiten“.
  • Anwohner von Palm Beach leiden seit Jahren über Verkehrsstörungen durch den Präsidenten-Tross.
  • Einige legten Beschwerde ein gegen die Nutzung von Mar-a-Lago als festem Wohnsitz der Trump-Familie.

Palm Beach - Nicht nur Trump-Fans können trollen - sondern auch die Gegner:innen des abgewählten Präsidenten. Am Sonntag drehten kleine Sportflugzeuge Runden über Trumps Strand-Anwesen Mar-a-Lago in Florida. Sie zogen Banner mit wenig schmeichelhaften Texten durch die Luft hinter sich her. „Der schlechteste Präsident aller Zeiten“ stand auf einem. „Trump, du armseliger Verlierer, geh‘ zurück nach Moskau!“, hieß es auf dem zweiten. Wer die Flugzeuge steuerte, ist bisher nicht bekannt.

Mehrere Anwohner fotografierten oder filmten mit ihren Smartphones die Banner, die sich seither in sozialen Medien verbreiten - so fotografierte unter anderem der Anwalt und Aktivist Daniel Uhlfelder beide Transparente und teilte sie auf Twitter. Uhlfelder hatte lokale Bekanntheit erlangt, als er eine Zeit lang als Sensenmann verkleidet über die Strände Floridas zog, um gegen die seiner Ansicht nach verfrühte Öffnung dieser Strände in der Corona-Pandemie durch Governeur Ronald DeSantis zu protestieren.

Ob auch Donald Trump die Transparente gesehen hat, ist nicht bekannt. Doch dürften sie ihm kaum gefallen. Bei seiner Ankunft im Ort Palm Beach nach seiner Abreise aus Washington begrüßten ihn entlang der Straße noch treue Anhänger:innen mit Fahnen. Doch ist schon länger bekannt, dass die Anwohner des Ortes am Atlantik wenig begeistert davon sind, dass Trump sich im Resort Mar-a-Lago nun dauerhaft niederlässt. Seit Jahren beklagen Nachbarn nach Angaben der Washington Post Verkehrsstörungen wie gesperrte und verstopfte Straßen durch Trumps häufige Reisen nach Mar-a-Lago, das er auch „Weißes Haus für den Winter“ genannt haben soll. Es gibt Spekulationen, dass Trump in Mar-a-Lago seine Rückkehr in die Politik planen will.

Donald Trump: Viele Anwohner sind gegen den dauerhaften Umzug nach Mar-a-Lago

2019 hatte Donald Trump seinen ersten Wohnsitz von Manhattan in New York nach Mar-a-Lago verlegt. Als bekannt wurde, dass Trump nach dem Ende seiner Amtszeit tatsächlich dort wohnen wollte, traten Anwohner auf den Plan. Im Dezember legten sie formal Beschwerde bei der Stadt ein - mit der Begründung, Mar-a-Lago dürfe nicht als fester Wohnsitz genutzt werden.

Die Kontroverse basiert auf einem Deal, den Donald Trump 1993 mit der Stadtregierung machte, wie die Washington Post schreibt. Damals war der Immobilienunternehmer von Finanznöten geplagt und wandelte Mar-a-Lago in einen privaten Club um, da dies finanziell für ihn günstiger war. Daran waren Regeln geknüpft: Niemand darf demnach in einem Club mehr als 21 Tage im Jahr verbringen oder mehr als sieben Tage am Stück, und mindestens die Hälfte der maximal 500 Mitglieder müsse in Palm Beach gemeldet sein. Trump versuchte offenbar immer wieder, die Bedingungen zu ändern. So wollte er 2018 einen Anleger am Strand vor dem Anwesen bauen lassen. Die Stadt lehnte ab.

Donald Trump: Seinem Club in Mar-a-Lago laufen die Mitglieder weg

Ob Mar-a-Lago als Club eine Zukunft hat, ist ohnehin ungewiss. Offenbar laufen viele Mitglieder einfach davon. „Es ist ein sehr trauriger Ort“, sagte Laurence Leamer, Historiker und Autor eines Buches über Mar-a-Lago, dem TV-Sender MSNBC. Als Trump Präsident war, zahlten manche laut Leamer bis zu 200.000 US-Dollar für eine Mitgliedschaft. Leamer bezweifelt, dass sie dies ohne den mit dem Club verbundenen Glamour des Präsidentenamtes weiterhin tun werden. Zugleich gab es immer schon Spott über den mit Trump-Memorabilia gefüllten Club. „Man kann gar nicht übertreiben, wie komisch es hier ist“, sagte der bekannte TV-Showmaster Jimmy Kimmel bei einem Besuch direkt vor dem Amtsantritt Trumps im Januar 2017. „Jeder hier ist 100 Jahre alt.“

Generell ist Palm Beach kein besonders Trump-freundliches Territorium. 55,9 Prozent stimmten bei der Präsidentenwahl im November in dem Wahlkreis für seinen Konkurrenten Joe Biden. Nur 43,2 Prozent stimmten für Trump.

Rubriklistenbild: © Noam Galai/Getty Images/AFP

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