Ermittler berichtet von „Napalm-Brandbombe“

Kapitol-Sturm: FBI-Festnahmen-Serie - Auch „Hörner-Mann“ darunter - Aussage könnte Trump zum Verhängnis werden

  • Marc Dimitriu
    vonMarc Dimitriu
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Nach den Randalen im US-Kapitol fahndet das FBI nach den Trump-Anhängern. Sogar der Präsident droht mit Konsequenzen. Ein Kopfgeld wurde ausgesetzt.

Update vom 10. Januar, 8.45 Uhr: Mehrere Dutzend Demonstranten sind bisher nach dem Sturm auf das Kapitol vom FBI und der Polizei identifiziert und festgenommen wurden. Darunter auch der Mann mit Hörnern und Fell, Jacob C. (siehe Update vom 9. Januar, 22 Uhr). Er hatte im US-Sender NBC News mit dem Angriff auf das Parlament geprahlt. Laut Unterlagen der Staatsanwaltschaft hatte er selbst bei der Bundespolizei angerufen und seine Identität bestätigt.

Dieser Anruf könnte für Präsident Donald Trump noch brisant werden. Denn C. habe erklärt, dass er mit einer Gruppe aus Arizona angereist sei, weil Trump alle „Patrioten“ für Mittwoch nach Washington gerufen hatte. Das könnte als direkter Beleg gewertet werden, dass sich die Randalierer von Trump inspiriert gefühlt haben. In einem möglichen Impeachment-Verfahren, das die Demokraten im Repräsentantenhaus bereits am Montag starten wollen, könnten solche Aussage eine wichtige Rolle spielen.

FBI nimmt prominente Gesichter nach Angriff aus das Kapitol fest

Update vom 9. Januar, 22.00 Uhr: Die Bilder des Mannes mit dem Hörnerschmuck, dem nackten, tätowierten Oberkörper und dem angemalten Gesicht blieben besonders im Gedächtnis haften. Er war einer der Trump-Anhänger, der das Kapitol am Mittwoch stürmte und verwüstete. Die Staatsanwaltschaft in Washington teilte nun mit, dass Jacob C. aus Arizona festgenommen wurde. Ebenso sei ein Mitglied des Abgeordnetenhauses von West Virginia, Derrick E. verhaftet worden. Dieser hatte laut Staatsanwaltschaft ein Video live auf seiner Facebook-Seite verbreitet, dass ihn beim Eindringen in das Kapitol zeigte. Ein Mann, der das Rednerpult von Nancy Pelosi gestohlen haben soll, Adam J. aus Florida, wurde bereits am Freitag aufgegriffen.

Den Männern werde illegales Eindringen in ein besonders gesichertes Gebäude sowie gewaltsames Eindringen und ungebührliches Verhalten auf dem Gelände des Kapitols vorgeworfen. Adam J. müsse sich zusätzlich wegen des Vorwurfs des Diebstahls von Regierungseigentum verantworten. „Die Tatsache, dass ein Haufen unserer Verräter im Amt sich verbarrikadierte, Gasmasken aufsetzte und sich im unterirdischen Bunker zurückzog, halte ich für einen Sieg“, sagte Jacob C. gegenüber dem Sender NBC News. Aus veröffentlichten Unterlagen der Staatsanwaltschaft habe er selbst am Donnerstag bei der Bundespolizei angerufen und bestätigt, dass er der Mann mit dem Kopfschmuck gewesen sei.

Nancy Pelosis Büro: Mann lässt sich fotografieren - Mutmaßlicher Täter wurde festgenommen

Update vom 8. Januar 2020: Nach dem Sturm auf das Kapitol ließ sich ein Mann stolz im Sessel der Vorsitzenden des Repräsentantenhauses, der Demokratin Nancy Pelosi, fotografieren: Jetzt wurde der mutmaßliche Täter festgenommen. Ihm werden Eindringen in ein besonders gesichertes Gebäude, Hausfriedensbruch, Vandalismus und Diebstahl vorgeworfen, wie ein leitender Vertreter des Justizministeriums, Ken Kohl, am Freitag mitteilte. Richard B. sei in Little Rock im Bundesstaat Arkansas festgenommen worden.

Das Ministerium stellt zudem 14 weitere Anklagen nach Bundesrecht vor, sagte Kohl. Einem der Verdächtigen wird demnach vorgeworfen, in seinem in der Nähe geparkten Auto elf Brandsätze und Waffen gehabt zu haben. Die Molotow-Cocktails seien besonders gefährlich gewesen, weil sie mit einer Art Schaumstoff gemischt gewesen seien, was eine Napalm-ähnliche Brandbombe ergebe, erklärte Kohl.

Der stellvertretende Chef des FBI-Büros in Washington, Steven D'Antuono, erklärte, die Ermittlungen würden mit Hunderten Mitarbeitern „rund um die Uhr“ fortgesetzt. „Die Ausschreitungen und die Zerstörung, die wir am Mittwoch gesehen haben, werden vom FBI nicht toleriert“, sagte er.

FBI fandet mit Fotos nach Trump-Randalierern - der vollzieht überraschend Wende

Erstmeldung vom 8. Januar 2020: Washington D.C - Die Randalierer aus dem US-Kapitol sorgten weltweit für Entsetzten, als sie in das Epizentrum der amerikanischen Demokratie eindrangen und Chaos verbreiteten. Doch jetzt drohen den glühenden Trump-Anhänger schwere Konsequenzen.

Sturm auf US-Kapitol: Trump droht Randalieren mit Kosequenzen

Der ermittelnde Staatsanwalt Jeffrey Rosen hatte den Randalierern schon am Donnerstag die volle Härte des Gesetzes in Aussicht gestellt. Und sogar Donald Trump, der indirekt Schuld an den Ausschreitungen ist, drohte mittlerweile in einer Rede mit Konsequenzen: „Die USA ist, und muss immer ein Staat des Rechts und der Ordnung sein. Alle, die sich an der Gewalt und Zerstörung beteiligen, repräsentieren nicht unser Land. Und alle, die die Gesetzte gebrochen haben, werden dafür bezahlen.“ 

FBI fahndet nach Trump-Chaoten.

Sturm auf US-Kapitol: FBI fahndet nach Trump-Chaoten - und setzt hohes Kopfgeld aus

Das FBI hat bereits eine eigene Webseite für Hinweise auf Teilnehmer des Sturms auf das Kapitol in Washington eingerichtet. Die US-Bundespolizei bietet dort seit der Nacht zum Donnerstag die Möglichkeit, Videos und Fotos von Straftaten hochzuladen. Die Ermittler können auch auf eine Fülle von belastendem Material aus erster Hand zurückgreifen: Anhänger des scheidenden US-Präsidenten Donald Trump hatten in sozialen Medien zahlreiche Impressionen und Bewegtbilder auch selbst veröffentlicht.

Um die Angreifer zu Anklage zu bringen fahndet das FBI nun sogar öffentlich nach den Chaoten. Auf seiner Website schreibt die Bundesbehörde: „Das FBI benötigt Informationen, die bei der Identifizierung von Personen helfen, die in Washington D.C aktiv Gewalt ausgeübt haben.“ Die Bundespolizei hat nun auch eine „Most-Wanted“-Fahndungsliste mit den Gesichtern der Trump-Anhänger veröffentlicht. Sie bieten bis zu 50.000 Dollar (mehr als 40.000 Euro) Kopfgeld. Insgesamt suchen sie bislang nach mindestens 41 Demonstranten. Dazu gehört auch der Mann, der eine Rohrbombe in der Nähe des Kapitols abgelegt haben soll.

Fahndungsliste des FBI. Bundesbehörde sucht nach Trump-Chaoten.
Fahndungsliste des FBI. Bundesbehörde sucht nach Trump-Chaoten.

Sturm auf US-Kapitol: 55 Strafanzeigen - Ermittlungen erst am Anfang

Auch Staatsanwalt Mike Sherwin bestätigte am Freitag in einer Telefonschalte mit Journalisten, das Ermittler Videomaterial sichteten würden. Hunderte Mitarbeiter durchsuchten soziale Medien, um potenzielle Straftäter zu identifizieren. Bislang gebe es im Zusammenhang mit den Vorfällen am Kapitol insgesamt 55 Strafanzeigen. Sherwin betonte aber auch, dass man erst am Anfang stehe bei der Strafverfolgung. (md)

Rubriklistenbild: © Manuel Balce Ceneta/AP/dpa

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