In der Todeszelle

Trump will noch fünf Menschen hinrichten lassen - Nun auch tödliches Gas und Erschießungen möglich

  • Anna-Katharina Ahnefeld
    vonAnna-Katharina Ahnefeld
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Bevor er aus dem Amt scheidet, will der US-Präsident fünf Menschen hinrichten lassen. Eine neue Richtlinie ermöglicht nun weitere Hinrichtungsmethoden.

  • Donald Trump will zwar noch immer nicht die Wahl-Niederlage gegen Joe Biden eingestehen, doch den Weg für die Übergabe macht er nun frei.
  • In seinen letzten verblieben Wochen im Amt will Trump fünf Menschen auf Bundesebene hinrichten lassen.
  • Neben der Giftspritze sind auf bundesstaatlicher Ebene nun auch weitere Hinrichtungsmethoden möglich.

Washington - Meist ist es die Giftspritze. Die US-Regierung will nun zusätzliche Methoden für die Todesstrafe auf Bundesebene in den USA erlauben. Neben der Giftspritze soll künftig der Elektrische Stuhl, Erschießungen und tödliches Gas zum Einsatz kommen. Die US-Bundesregierung veröffentlichte am Freitag in ihrem Amtsblatt eine entsprechende Änderung der Vorschrift.

Ab dem 24. Dezember sollen Straftäter, die auf Bundesebene verurteilt wurden, nach allen Hinrichtungsmethoden exekutiert werden dürfen, die in den US-Bundesstaaten, aus denen das Urteil stammt, erlaubt sind. In den Vereinigten Staaten werden Todesurteile meist mit einer Giftspritze ausgeführt. Doch Bundesstaaten wie Mississippi und Oklahoma erlauben grundsätzlich auch den Tod durch tödliches Gas, den Elektrischen Stuhl und ein Erschießungskommando.

Trumps letzte Grausamkeit: Hinrichtung von Gefangenen

The New Yorker

Trump will Methoden der Todesstrafe erweitern: Joe Biden lehnt diese ab - Acht Hinrichtungen 2020

Bis zur Amtsübergabe an den gewählten US-Präsidenten Joe Biden plant das Justizministerium noch mehrere Hinrichtungen auf Bundesebene. Der Demokrat Biden ist ein Gegner der Todesstrafe. Der scheidende US-Präsident Donald Trump hatte während seiner vierjährigen Amtszeit die Wiedereinführung der Hinrichtungen auf Bundesebene durchgesetzt. Zuvor hatte es seit 2003 keine Hinrichtungen mehr gegeben. Zwar wurden Todesurteile verhängt, jedoch nicht ausgeführt.

„Mit weniger als 60 Tagen bis zum Amtsantritt des gewählten Präsidenten Joe Biden hat die Trump-Administration einen beispiellosen Rekord aufgestellt, in dem die meisten Bundesinsassen für die Hinrichtung während der letzten Etappe einer Amtszeit des Präsidenten vorgesehen sind“, schreibt CNN in einem aktuellen Beitrag. In 2020 seien bislang acht Häftlinge nach bundesstaatlichem Gesetz hingerichtet worden. Justizminister William Barr sprach davon „den Opfern schlimmster Straftaten Gerechtigkeit“ widerfahren zu lassen.

Vor Joe Bidens Amtsübergabe: Trump will fünf Häftlinge hinrichten lassen

Fünf Hinrichtungen auf Bundesebene sind geplant, bevor Donald Trump am 20. Januar 2020 aus dem Amt des US-Präsidenten scheidet. Teilweise nur Tage vor der Amtseinführung der Biden-Regierung. Sollten diese ausgeführt werden, hätte die Regierung innerhalb eines halben Jahres 13 Hinrichtungen durchgeführt, heißt es auf CNN weiter. Der Leiter der NGO „Death Penalty Information Center“, Robert Dunham, sagte am Montag dem US-amerikanischen Nachrichtensender: „Es ist klar, dass diese Regierung die Häftlinge tot sehen will, bevor Joe Biden das Amt übernimmt.“ Laut ihm wurde zuletzt im 19. Jahrhundert mehr als eine Exekution während einer Übergangsphase an den neuen Präsidenten durchgeführt.

Im Programm des gewählten US-Präsidenten Joe Biden und der Vize-Präsidentin Kamala Harris steht: „Beseitigung der Todesstrafe“. Joe Biden werde daran arbeiten, dass die Todesstrafe auf Bundesebene abgeschafft wird. Geplant ist auch den Bundesstaaten Anreize zu schaffen, ebenfalls darauf zu verzichten.

In der Todeszelle: Fünf Menschen sollen bis zur Amtseinführung von Biden hingerichtet werden

Das Magazin The New Yorker titelte diese Woche: „Trumps letzte Grausamkeit: Hinrichtung von Gefangenen“. Folgende Personen sollen nach dem Willen der Trump-Regierung bis zur Amtseinführung Joe Bidens am 20. Januar 2020 hingerichtet werden, listet CNN auf. Es handelt sich um vier schwarze Männer und eine weiße Frau. Der Menschenrechtsorganisation Amnesty zufolge, machen Afroamerikaner mehr als 30 Prozent der Häftlinge in Todeszellen aus. Für Schwarze, heißt es in dem Beitrag weiter, sei die Wahrscheinlichkeit eine Todesstrafe zu erhalten, weit höher als für weiße Menschen.

  • Brandon Bernard: Seine Hinrichtung ist für den 10. Dezember vorgesehen. Wird sie durchgeführt, wäre Bernard der jüngste Häftling in 70 Jahren, der für eine Straftat in seiner Jugend hingerichtet wird. 1999 war er an der Ermordung eines Paares beteiligt. Seine Verteidigung gab an, der damals 18-Jährige war untergeordnetes Mitglied der Gang und kam erst später nach der Entführung des Paares dazu. Das schreibt die Tageszeitung Washington Times. Die Webseite „helpsavebrandon“ versucht, seine Hinrichtung zu verhindern.
  • Alfred Bourgeois: Verurteilt für Missbrauch und Misshandlung seiner Tochter, die er 2002 zu Tode schlug. Seine Exekution ist für den 11. Dezember vorgesehen.
  • Lisa Montgomery: Die erste Frau seit 70 Jahren, die auf Bundesebene hingerichtet werden soll. Ihre Exekution soll am 12. Januar durchgeführt werden. Sie wurde verurteilt, weil sie einer Schwangeren ihr Baby aus dem Bauch schnitt, sie dafür tötete und das Kind als ihres ausgab.
  • Corey Johnson: Am 14. Januar soll Johnson hingerichtet werden, verurteilt für die Ermordung von sieben Menschen als Teil eines Drogenhandels. Seinen Anwälten zufolge liegt sein IQ unter 69 und damit geringer als der Leitfaden, den das Supreme Court Bundesstaaten vorgibt, die eine Hinrichtung erwägen.
  •  Dustin Higgs: Higgs soll am 15. Januar hingerichtet werden. Er soll 1996 die Ermordung dreier Frauen angeordnet haben.

Wie die Washington Post angibt, sollen vier Personen mit der Giftspritze hingerichtet werden. Dustin Higgs Fall ist noch offen, die Verantwortlichen beriefen sich nach Angaben der Zeitung auf Rechtsstreitigkeiten. In vergangenen Jahren hatten Bundesbeamte zunehmend Probleme, die nötigen Medikamente für die Todesspritze zu erhalten.

Todeszelle des Huntsville-Gefängnisses in Texas. Das Datum der Aufnahme ist unbekannt.

Nach Angaben der New York Times sollen jedoch alle fünf Häftlinge mit der Giftspritze getötet werden. Der praktische Nutzen der neuen Richtlinie für Trump sei unbekannt. Anders als beispielsweise Trumps Entlassungen im Pentagon. Bereits zuvor machte Donald Trump durch seine Handlungen deutlich, dass seine verbliebenen Wochen im Amt gefährlich werden könnten. Die renommierte US-Zeitung schreibt, sollten die fünf Menschen noch getötet werden, wäre die Trump-Ära „eine der tödlichsten Perioden in der Geschichte der Todesstrafe seit mindestens 1927.“ (aka mit dpa) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Patrick Semansky/dpa

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