13.07.2018, Großbritannien, Buckinghamshire: Die britische Premierministerin Theresa May empfängt US-Präsident Donald Trump auf dem Landsitz Chequers. Foto: Pablo Martinez Monsivais/AP
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13.07.2018, Großbritannien, Buckinghamshire: Die britische Premierministerin Theresa May empfängt US-Präsident Donald Trump auf dem Landsitz Chequers. Foto: Pablo Martinez Monsivais/AP
Ein Boris Johnson-Double steht neben einem Käfig, in dem ein Mann im Affenkostüm und Trump-Maske steht. Foto: Matt Dunham/AP
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Ein Boris Johnson-Double steht neben einem Käfig, in dem ein Mann im Affenkostüm und Trump-Maske steht. Foto: Matt Dunham/AP
Teilnehmer der Demonstration "Stop Trump" protestieren massenhaft in London. Foto: Jeff Schaeffer/AP
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Teilnehmer der Demonstration "Stop Trump" protestieren massenhaft in London. Foto: Jeff Schaeffer/AP
Die Aktivistin Bianca Jagger nimmt in London an den Protesten teil. Foto: Yui Mok/PA Wire
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Die Aktivistin Bianca Jagger nimmt in London an den Protesten teil. Foto: Yui Mok/PA Wire
Polizisten sperren eine Zufahrt zum Landsitz Chequers, wo Premierministerin May den US-Präsidenten Trump zu einem Gespräch empfängt. Foto: Andrew Matthews/PA Wire
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Polizisten sperren eine Zufahrt zum Landsitz Chequers, wo Premierministerin May den US-Präsidenten Trump zu einem Gespräch empfängt. Foto: Andrew Matthews/PA Wire
Demonstranten lassen in London einen 6 Meter hohen Ballon fliegen, um gegen den Besuch von Trump in Großbritannien zu protestieren. Foto: Matt Dunham/AP
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Demonstranten lassen in London einen 6 Meter hohen Ballon fliegen, um gegen den Besuch von Trump in Großbritannien zu protestieren. Foto: Matt Dunham/AP
US-Präsident Donald Trump spricht mit Boris Johnson. Foto: Evan Vucci/AP/Archiv
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US-Präsident Donald Trump spricht mit Boris Johnson. Foto: Evan Vucci/AP/Archiv
Theresa May spricht mit Donald Trump auf dem Landsitz Chequers. Foto: Pablo Martinez Monsivais/AP
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Theresa May spricht mit Donald Trump auf dem Landsitz Chequers. Foto: Pablo Martinez Monsivais/AP

Diplomatischer Eklat

Trump düpiert May: Kritik an Brexit-Kurs, Lob für Johnson

Bei seinem Besuch in Großbritannien tritt Donald Trump diplomatische Gepflogenheiten mit Füßen. In einem Interview teilt er gegen Premierministerin May aus. Lässt sich der Schaden begrenzen?

London (dpa) - Mit einer beispiellosen Breitseite gegen die britische Premierministerin Theresa May hat US-Präsident Donald Trump bei seinem Besuch in Großbritannien einen Eklat ausgelöst.

Trump kritisierte die angeschlagene Premierministerin in einem Interview der Boulevard-Zeitung "The Sun" für ihre Brexit-Strategie und drohte ihr mit dem Scheitern eines möglichen Handelsabkommens zwischen Großbritannien und den USA. Außerdem lobte er ihren Rivalen Boris Johnson.

Beim öffentlichen Auftakt eines Treffens am Freitagmittag waren Trump und May bemüht, den Anschein von Normalität zu wahren. Weder der US-Präsident noch die Premierministerin gingen auf den Eklat ein. Trump sagte, die Beziehungen zwischen den USA und Großbritannien seien "sehr, sehr stark". Die britische Premierministerin erklärte, es gebe sehr viel zu besprechen. "Wir werden über die besondere Beziehung zwischen dem Vereinigten Königreich und den USA sprechen, die großartig ist." Beide trafen sich auf dem Landsitz Chequers. Später wollten sie eine Pressekonferenz geben.

Die "Sun" hatte das kontroverse Interview am Donnerstagabend veröffentlicht. Nach Angaben der Boulevardzeitung fand das Gespräch bereits am Mittwoch vor dem Nato-Gipfel in der US-Botschaft in Brüssel statt. Die Zeitung aus dem Medienimperium von Robert Murdoch, dem großer Einfluss auf Trumps Politik nachgesagt wird, veröffentlichte Ausschnitte des Gesprächs aber erst, nachdem May Trump im Blenheim Palace nahe Oxford zu einem festlichen Gala-Dinner empfangen hatte.

Der Zeitpunkt war wohl kaum zufällig gewählt: Bei dem Dinner sollte es darum gehen, Trump von einem baldigen Start der Verhandlungen über ein Handelsabkommen mit London für die Zeit nach dem EU-Austritt zu überzeugen. Mit der Aussicht auf Deals wie diesen hatte die britische Regierung Brexit-Gegner zu besänftigen versucht. In ihrer Begrüßungsrede äußerte sich May noch enthusiastisch über die "beispiellosen Möglichkeiten" eines solchen Abkommens.

Dass Trump ihr im Interview nun derart in die Parade fährt, schwächt die politisch ohnehin schwer angeschlagene Premierministerin zusätzlich. Erst am Montag waren Brexit-Minister David Davis und Außenminister Boris Johnson im Streit über die Strategie in den Verhandlungen mit Brüssel zurückgetreten. Mays Brexit-Pläne sehen unter anderem eine Freihandelszone und ein Zollabkommen mit der EU vor. Sie ist dringend darauf angewiesen, den Trump-Besuch als Erfolg zu verkaufen. Doch das dürfte nun schwierig werden.

Statt May den Rücken zu stärken, lobte Trump erneut ihren Widersacher Johnson, dessen Rücktritt er mit "großem Bedauern" zur Kenntnis genommen habe. Er wolle die beiden nicht gegeneinander ausspielen, betonte er zwar - doch dann folgte eine Aussage, die als volle Breitseite gegen May interpretiert werden kann. "Ich sage nur, ich denke, er wäre ein großartiger Premierminister."

Trump sagte, eine zu enge Bindung an die Europäische Union nach dem Brexit würde dazu führen, dass die USA bei einem Handelsabkommen mit Großbritannien doch wieder mit der EU verhandeln müssten. "Also wird es das Abkommen wahrscheinlich töten", fügte er mit Blick auf einen möglichen Deal Großbritanniens mit den USA hinzu. "Wir haben genug Schwierigkeiten mit der Europäischen Union, wir gehen gerade jetzt gegen die Europäische Union vor, weil sie beim Handel nicht fair mit den Vereinigten Staaten umgegangen sind."

Mays Brexit-Strategie kommentierte Trump mit den unverblümten Worten: "Ich hätte das sehr anders gemacht. Ich habe Theresa May tatsächlich gesagt, wie man das macht, aber sie hat nicht auf mich gehört." Stattdessen scheine May das Gegenteil getan zu haben. "Das ist in Ordnung, sie sollte verhandeln, wie sie es am besten kann." Bei der von May angestrebten Vereinbarung handele es sich aber nicht mehr um das, wofür die Briten im Referendum gestimmt hätten.

Trumps Sprecherin Sarah Sanders veröffentlichte noch am Donnerstagabend eine kurze Stellungnahme, in der sie die Äußerungen herunterspielte. "Der Präsident mag und respektiert Premierministerin May sehr", hieß es darin. Trump sei dankbar für den "wunderbaren" Empfang, den er in Großbritannien bekommen habe.

Auch ein Staatssekretär im britischen Außenministerium spielte den Affront am Freitag herunter. Trumps Bemerkungen seien nicht unhöflich gewesen, sagte Alan Duncan dem BBC-Radio. Der US-Präsident sei eben "sehr unkonventionell", die Atmosphäre bei dem Dinner am Donnerstag aber "ganz besonders" gewesen.

Trump griff in dem Interview auch Londons populären Bürgermeister Sadiq Khan erneut scharf an. Khan ist ein ausgesprochener Kritiker des US-Präsidenten und hatte sich gegen dessen Staatsbesuch ausgesprochen. "Ich denke, dass er einen sehr schlechten Job beim Terrorismus gemacht hat, einen sehr schlechten Job bei der Kriminalität", sagte Trump.

Khan verteidigte am Freitag die Genehmigung eines satirischen Protest gegen Trump. Aktivisten ließen am Morgen einen etwa sechs Meter hohen Ballon in Form eines Trump-Babys in Windeln über dem Parliament Square aufsteigen. Kritiker hatten den Ballon als beleidigend gegenüber Trump empfunden und gefordert, die Aktion zu unterbinden.

"Ehrlich gesagt ist die Idee, das wir das Recht auf Meinungsfreiheit einschränken, weil sich ein ausländischer Politiker auf den Schlips getreten fühlen könnte, ein Gang am Abgrund", sagte Khan dem BBC-Radio.

Bei Protesten gegen den mehrtägigen Besuch Trumps werden am Freitag in London bis zu 100.000 Menschen erwartet. Für Samstag haben auch Trump-Unterstützer eine Demo angekündigt. Erwartet werden dazu auch Unterstützer des inhaftierten Rechtsextremisten Tommy Robinson. Die Polizei erließ dafür strenge Auflagen. Bei einer ähnlichen Demo im Juni war es in London zu Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften gekommen.

Nicht einmal jeder zehnte Deutsche hält die USA unter Präsident Donald Trump einer Umfrage zufolge für einen verlässlichen Partner für die Sicherheit Europas. Im aktuellen ZDF-"Politbarometer" sind nur 9 Prozent der Befragten dieser Ansicht, 89 Prozent sehen das nicht so. Die restlichen 2 Prozent antworteten mit "weiß nicht". Mit Blick auf die von Trump beim Nato-Gipfel in Brüssel geforderte Erhöhung der Verteidigungsausgaben sind die Befragten geteilter Meinung. 45 Prozent sprechen sich in der am Freitag veröffentlichen Umfrage dafür aus, dass Deutschland die Verteidigungsausgaben bis 2024 auf zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes erhöht - 49 Prozent sind dagegen. Streit unter den Nato-Partnern gibt es um das sogenannte Zwei-Prozent-Ziel vor allem deswegen, weil es von den Bündnispartnern unterschiedlich interpretiert wird.

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