„Peinlichkeit für das Land“

TV-Duell vor US-Wahl: USA toben nach „widerlicher“ Wahlkampfdebatte - viele Deutsche glauben an Trump 

  • Fabian Müller
    vonFabian Müller
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  • Robert Märländer
    Robert Märländer
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Das TV-Duell zwischen Donald Trump und Joe Biden ging womöglich für beide Teilnehmer nach hinten los. Unterdessen zensiert Facebook den US-Präsidenten neuerlich - wegen Rassismus.

  • Eine Blitzumfrage lieferte nach dem TV-Duell in den USA ein erstes Stimmungsbild.
  • Der Auftritt der Kandidaten für die US-Wahl 2020 löste bei den Wählern negative Gefühle aus.
  • Donald Trump oder Joe Biden - Wer hat die Nase vorn? Für den US-Präsident gibt es bereits den nächsten Ärger.
  • Viele Deutsche rechnen Donald Trump nach der TV-Debatte einen Vorteil zu (Update vom 2. Oktober, 23.09 Uhr).

Update vom 2. Oktober, 23.09 Uhr: Nach dem aufsehenerregenden TV-Duell zwischen dem amtierenden US-Präsidenten Donald Trump und seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden, glauben viele Deutsche, dass Trump die Wahl gewinnen wird. Das zeigt eine Umfrage Instituts Civey, die Focus.de veröffentlicht.

Demnach können sich nach dem Duell nur noch 45 Prozent vorstellen, dass Joe Biden der neue Präsident wird. Ende August waren es noch 54 Prozent. Trumps Werte haben sich hingegen durch die TV-Debatte verbessert. Ende August seien nur 30 Prozent davon ausgegangen, er könne das Rennen für sich entscheiden. Nun sind es knapp 39 Prozent.

Donald Trump und First Lady Melania: Positiv auf Corona getestet

Update vom 2. Oktober, 8.10 Uhr: Donald Trump und seine Frau Melania wurden positiv auf das Coronavirus gestestet.

Nach TV-Duell-Debakel zwischen Trump und Biden: Die Regeln sollen geändert werden

Update vom 1. Oktober, 21.59 Uhr: Das TV-Duell zwischen US-Präsident Donald Trump und Herausforderer Joe Biden sorgt in aller Welt für Aufregung. Vor den weiteren anstehenden Debatten sollen die Regeln geändert werden, um ein neuerliches Chaos bei den kommenden Veranstaltung ein ähnliches Chaos zu unterbinden. Das Trump-Team reagiert mit Kritik* und sieht sich womöglich um seine Taktik gebracht.

Facebook greift ein und löscht rassistischen Post von Donald Tump

Update vom 1. Oktober, 19.23 Uhr: Kurz nach der wenig schmeichelhaften Wahlkampfdebatte gibt es für Donald Trump einen Rückschlag: Facebook hat Wahlwerbung des US-Präsidenten mit kritischen Äußerungen gegenüber Flüchtlingen entfernt. Der Konzern erklärte zur Begründung, die Plattform erlaube nicht, dass Menschen aufgrund ihrer Herkunft oder ihres Einwanderungsstatus als Bedrohung für „Sicherheit, Gesundheit und Leben“ anderer dargestellt würden.

In den Wahlwerbespots hieß es, Trumps Herausforderer Joe Biden von den oppositionellen Demokraten sei „gefährlich für Amerika“, weil er als Präsident viel mehr Flüchtlinge aus Syrien und Somalia ins Land lassen würde. Die Länder werden als „Terror-Krisenherde“ bezeichnet, außerdem wird auf die derzeitige Corona-Pandemie verwiesen. Damit wird angedeutet, Flüchtlinge könnten ein Gesundheits- und Sicherheitsrisiko für die USA darstellen.

Facebook hatte bereits im Juni Anzeigen des Trump-Wahlkampfteams gesperrt, die ein in NS-Konzentrationslagern für politische Häftlinge verwendetes Symbol enthielten. Vor den US-Präsidentschaftswahlen* (3. November) stehen Online-Plattformen unter großem Druck, gegen Hassbotschaften und Desinformation im Netz vorzugehen. Facebook kündigte nun schärfere Regeln für bezahlte Inhalte über Ablauf und Ausgang der Wahl an. Nicht nur würden Anzeigen verboten, die vorzeitig einen Sieger der Präsidentschaftswahl ausrufen, sondern auch Anzeigen, mit denen der Ausgang der Wahl in Zweifel gezogen werden solle.

US-Wahl 2020: „Schlimmste Debatte seit Gedenken“ - Medien schießen sich auf Trump ein

Update vom 1. Oktober, 10.44 Uhr: Die Schlagzeilen nach der TV-Debatte zwischen US-Präsident Donald Trump und dessen Herausforderer Joe Biden behandeln fast alle das streitlustige Klima zwischen den beiden. „Trump bulldozert sich durch die Debatte“, „Die schlimmste Debatte seit Gedenken“, „Eine Schande“ - das ist der Tenor in den amerikanischen Zeitungen.

Die New York Times bezeichnete das TV-Duell als „Debatte, die nicht ignoriert werden kann“ und sieht Trump als Verursacher der fragwürdigen Show. Die Zeitung bezichtigte den Präsidenten der Lüge und veröffentlichte diverse Faktenchecks, mehrere andere Medien kamen zu einem ähnlichen Schluss.

Doch nicht nur die liberale Medienwelt schoss sich auf den US-Präsidenten ein. Selbst die eher dem konservativen Lager zugerechnete Boulevardzeitung New York Post titelte „Nasty! - Widerlich!“ Auch bei Fox News, sonst oft als Lieblingssender Trumps bezeichnet, gingen die Meinungen auseinander.

Der Moderator der Debatte, Fox-News-Journalist Chris Wallace, wurde im Anschluss der TV-Ausstrahlung heftig kritisiert, vor allem dafür, dass er die Gesprächsführung nicht unter Kontrolle hatte. Gegenüber der New York Times zeigte sich Wallace enttäuscht, vor allem „für das Land, weil es ein viel nützlicherer Abend hätte werden können“. So etwas wie an diesem Abend habe er noch nie durchmachen müssen. Wallace hat in den USA einen guten Ruf und gilt als unabhängiger Journalist.

TV-Duell: Trump erklärt sich selbst zum Sieger - Biden fassungslos: „Peinlichkeit für das Land“

Update vom 1. Oktober, 9.47 Uhr Uhr: Das TV-Duell zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem Herausforderer Joe Biden lässt auch im Nachgang weiter aufhorchen. Biden bezeichnete am Mittwoch in Ohio vor Journalisten den Auftritt des Präsidenten als „Peinlichkeit für das Land“. Dieser habe 90 Minuten lang alles versucht, um abzulenken. Trump sei ihm ständig ins Wort gefallen, habe nur persönliche Angriffe vorgebracht. Dabei habe er keinen Plan und keine Ideen, so der Kandidat der Demokraten.

Präsident Trump hingegen hat weiterhin seine ganz eigene Sicht auf das TV-Duell. Er sieht sich als Triumphator des Abends. Im Garten des Weißen Hauses sagte Trump am Mittwoch: „Wir haben die Debatte gestern Abend nach jedem Maßstab mühelos gewonnen.“ Joe Bidens Auftritt bezeichnete Trump als „sehr schwach“.

Update vom 30. September, 22.29 Uhr: Ungeachtet des Bildes, das erste Blitzumfragen ergaben (siehe Ursprungsmeldung vom 30. September) hat sich US-Präsident Donald Trump* nach dem TV-Duell mit seinem Herausforderer Joe Biden zum Sieger der ersten Debatte vor der US-Wahl 2020* erklärt. „Wir haben die Debatte gestern Abend nach jedem Maßstab mühelos gewonnen“, sagte der Republikaner am Mittwoch im Garten des Weißen Hauses.

Mit Blick auf Biden - der am 3. November für die Demokraten in die Wahl zieht - sagte Trump: „Ich denke, dass er sehr schwach war. Er sah schwach aus, er jammerte.“ Trump sagte, er wolle auch die nächsten zwei TV-Debatten gegen Biden bestreiten. Sollte sein Herausforderer nicht teilnehmen wollen, sei das dessen Entscheidung.

Trump sagte, er habe „ungefähr sechs“ Umfragen gesehen, die ihn als Sieger bei der Debatte gesehen hätten. Es war unklar, auf welche Erhebungen er sich bezog. In manchen Twitter-Umfragen - die ohne wissenschaftliche Grundlage als unzuverlässig gelten - lag Trump zwar vorne. In Blitzumfragen der Sender CBS und CNN hielt dagegen eine Mehrheit Biden für erfolgreicher bei der Debatte als Trump.

Auch in der Talkshow „Maischberger“ wurde das US-Duell diskutiert. Ein Talk-Gast verglich Donald Trump mit dem FC Bayern München.

Liegt er in ersten Umfrage vorne oder nicht? US-Präsident Donald Trump ist sich sicher: ja.

US-Wahl 2020: Umfragen zeigen drastische Reaktion auf TV-Duell - vernichtende Bewertung

Ursprungsmeldung vom 30. September: Cleveland - Das erste TV-Duell in den USA ist womöglich für beide Kandidaten nach hinten losgegangen. Darauf deutet eine erste Blitzumfrage unter TV-Zuschauern in den USA hin.

Viele US-Amerikaner, die den wichtigen Wahlkampfauftritt vor dem Fernseher verfolgten, teilten zum großen Teil ein ganz bestimmtes Gefühl: Anstrengend ist es wohl gewesen, wie die Umfrage des Senders CBS ergab. Aber nicht nur das, die Reaktionen waren noch viel drastischer.

TV-Duell in den USA löst bei Wählern Ablehnung aus

Die CBS-Blitzumfrage wollte wissen, welches überwiegende Gefühl die Befragten beim Ansehen des TV-Duells hatten. Mehr als zwei Drittel (69 Prozent) gaben an, sie seien davon „verärgert“ gewesen. Diese Zahl deutet darauf hin, dass sich Anhänger von Trump und Biden zumindest in diesem Punkt einig sein könnten - auch wenn es vor der US-Wahl 2020 nur wenig Annäherungspunkte zwischen den politischen Lagern gibt. Nur 31 Prozent fühlten sich von der Debatte unterhalten. Die Blitzumfrage hatte noch weitere Antwortmöglichkeiten: 19 Prozent der Befragten seien danach “pessimistisch“ gewesen und 17 Prozent gaben an, die Debatte sei für sie informativ gewesen.

US-Wahl 2020: Niveau der Debatte bleibt Zuschauern nicht verborgen

Kein Wunder, war das TV-Duell doch von zahlreichen persönlichen Angriffen und einem sehr rauen Umgangston geprägt. US-Präsident Donald Trump brachte Drogen-Vorwürfe gegen Joe Bidens Sohn ins Spiel. Biden wiederum bezeichnete Trump als „Rassisten“. Biden sei von der „radikale Linken“ manipuliert, Trump sei ein „Clown“. Der Moderator musste wiederholt eingreifen. Das Niveau sank mehrfach auf einen Tiefpunkt und die Wähler hatten dazu eine klare Meinung. Den Ton der Diskussion, bei der vor allem der republikanische Amtsinhaber Trump seinem Herausforderer wiederholt ins Wort fiel, empfanden 83 Prozent der Befragten als negativ, nur 17 Prozent als positiv.

Schon vor dem TV-Duell in den USA vermeldete CBS, dass kaum jemand die Debatte einschalten werde, um vor der US-Wahl 2020 seinen Favoriten zu suchen. Sechs Prozent sei der Anteil der potenziellen Zuschauer, die noch unentschlossen sind. Für Trump und Biden ist diese scheinbar kleine Zahl trotzdem sehr relevant. Kleinste Verschiebungen in der Wählergunst können in einzelnen Bundesstaaten der USA bereits zu einem anderen Wahlsieger führen.

Wer hat das erste TV-Duell zur US-Wahl 2020 gewonnen?

Wer ist nun also der Gewinner des Abends? Die nüchterne Antwort lautet wohl: keiner der beiden Präsidentschaftskandidaten. Für den demokratischen Herausforderer Joe Bilden gibt es zwar eine Mehrheit, doch konnte er in der ersten Umfrage nicht einmal die Hälfte der Zuschauer für sich gewinnen. Auf die Frage, wer die Debatte gewonnen hat, nannten 48 Prozent Biden und 41 Prozent Trump. Für rund und zehn Prozent gab es keinen Sieger, sondern ein Unentschieden. (rm/dpa)

Rubriklistenbild: © SAUL LOEB and JIM WATSON / AFP

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