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Interview-Fragen zu kritisch? Trump reagiert auf skurrile Weise

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Von: Felix Durach

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Der frühere US-Präsident Donald Trump hält eine Rede in Washington D.C..
Der frühere US-Präsident Donald Trump legte in einem Telefon-Interview beim Thema Wahlbetrug einfach auf. © SAUL LOEB / AFP

Donald Trumps gespaltenes Verhältnis zu den Medien zeigte sich auch am Dienstag. Auf eine heikle Frage reagierte der Ex-Präsident in unnachahmlich patziger Weise.

Washington D.C. - Der ehemalige US-Präsident Donald Trump scheint sich aktuell in Position zu bringen, um bei der kommenden US-Präsidentschaftswahl 2024 als Kandidat der Republikaner für eine zweite Amtszeit im Weißen Haus anzutreten. Dem 75-Jährigen macht dabei auch über ein Jahr nach der Wahl 2020 weiterhin seine Niederlage gegen den Demokraten Joe Biden zu schaffen, den Trump im Wahlkampf nicht selten als schlechten Kandidaten und Versager diffamiert hatte.

Donald Trump: Ex-Präsident hält weiterhin an Wahlbetrugs-Narrativ fest

Auch deswegen will sich Trump bei der kommenden US-Präsidentschaftswahl noch ein weiteres Mal beweisen und Biden bereits nach einer Amtszeit aus dem Oval Office herausholen. Die Strategie des Republikaners begann dabei bereits am 3. November 2020, dem Tag der Wahl, als Trump die offiziellen Wahlergebnisse angezweifelt und einen Stopp der Auszählungen in diversen Bundesstaaten gefordert hatte. Auch in 2022 hält der ehemalige US-Präsident an dem Narrativ fest, ihm sei der Wahlsieg gestohlen worden. Eine Behauptung, die nach wie vor auch von verschiedenen konservativen und Trump nahe stehenden Medien propagiert wird, bei denen der 75-Jährige auch deshalb ein gern gesehener Interview-Gast ist.

Umso bemerkenswerter ist es dann jedoch, wenn Trump eine Interviewanfrage von einem Medium annimmt, welches dem Ex-Präsidenten deutlich kritischer gegenübersteht. Das geschah zuletzt am Dienstag, als der der ehemalige US-Präsident dem unabhängigen Radiosender npr ein Telefoninterview gegeben hatte. Dabei wurde der 75-Jährige von Moderator Steve Innskeep auch zu dem Narrativ befragt, ihm sei die Wahl 2020 gestohlen worden. Die Aussagen des Journalisten stießen Donald Trump dabei offenbar so sauer auf, dass der das Interview kurzerhand abbrach.

Trump spricht in Radio-Interview über „korrupte Wahl“ - Moderator wirft ihm Falschaussage vor

Auf der Website des Radiosenders wurde jedoch ein Transkript des Interviews veröffentlicht, welches im Vorlauf der Sendung aufgezeichnet wurde. Nachdem Innskeep Trump zunächst zu der aktuellen Corona-Lage befragt hatte, lenkte er das Gespräch schließlich auf die zurückliegende Wahl. Der Moderator konfrontierte Trump mit den Aussagen des republikanischen Senators Mike Rounds, der sich zuletzt gegen Trump ausgesprochen und diesen aufgefordert hatte, die Wahlergebnisse zu akzeptieren. Inskeep wollte von Trump wissen, ob er es als Nachteil ansehe, dass die Republikaner immer noch über die Wahl von 2020 reden würden anstatt den Blick nach vorne zu richten.

„Ich denke es ist ein Vorteil, denn sonst werden sie es erneut in 2022 und 2024 tun“, so die Antwort des Ex-Präsidenten, der die verlorene Wahl erneut als „korrupt“ bezeichnete. Im weiteren Verlauf des Interviews stellte Trump daraufhin die Behauptung auf, im Bundesstaat Pennsylvania habe es mehr Stimmen als Wähler gegeben. Eine Aussage, die Inskeep umgehend als falsch entlarvte. Der Moderator warf dem 75-Jährigen darauf hin sogar vor, diese Falschaussage bewusst unter seinen Wählern zu verbreiten, obwohl offizielle Berichte das Gegenteil beweisen würden.

Wegen kritischer Fragen: Trump legt bei Telefon-Interview einfach auf - „Er ist weg. Ok“

Doch Trump verbreitete daraufhin stur weiter sein Narrativ und ließ den Moderator kaum noch zu Wort kommen. Ein besonderer Dorn im Auge des Ex-Präsidenten war dabei vor allem sein Nachfolger. „Wie konnte Biden nicht einmal 20 Leute für eine Veranstaltung gewinnen? Wie konnte es sein, dass wenn er irgendwo gesprochen hat, niemand gekommen ist und auf einmal bekommt er 80 Millionen Stimmen? Niemand glaubt das, Steve“, erklärte Trump. Innskeep erwiderte, dass viele Wähler vielleicht eher gegen Donald Trump als für Joe Biden gestimmt haben könnten. Eine Aussage die das Fass wohl zum Überlaufen brachte.

Donald Trump und Joe Biden bei ihrem TV-Duell im Vorlauf der US-Präsidentschaftswahlen 2020.
Wahlkampf unter der Gürtellinie: Donald Trump und Joe Biden bei ihrem TV-Duell im Vorlauf der US-Präsidentschaftswahlen 2020. © Jim WATSON / AFP

Trump ignorierte daraufhin mehrere Versuche des Moderators, das Interview noch auf einen anderen Themenkomplex zu lenken und legte schließlich mit den Worten „Danke Steve, ich weiß das zu schätzen“, einfach auf. Im letzten Eintrag des Interview-Transkripts stellt Innskeep lediglich überrascht fest: „Ich habe noch eine weitere Frage (...)... Er ist weg. Ok.“

Es ist nicht das erste Mal, dass der 75-Jährige ein Interview frühzeitig beendete, da ihm die kritischen Fragen nicht gefallen haben. In seiner Zeit als US-Präsident nahm Trump regelmäßig keine Fragen von bestimmten Zeitungen oder Nachrichten-Portalen an, die er als „Fake News“ bezeichnete. (fd)

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