Former US President Donald Trump speaks to reporters after participating in a Thanksgiving teleconference with members of the United States Military, at the White House in Washington, DC.
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Über einen Monat nach den Wahlen kam es im Oval Office zu einem Eklat zwischen Trump-Gästen.

„Hätte nicht passieren dürfen“

Trump-Treffen im Weißen Haus eskalierte - Bizarre Szenen wegen Wahlbetrugs-Vorwürfen

  • Jonas Napiletzki
    vonJonas Napiletzki
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Einen Monat nach dem Biden-Sieg sorgte ein Treffen im Weißen Haus für Kopfschütteln. Die Nachrichtenseite Axios rollt das Meeting im Oval Office neu auf.

  • Am Freitag, 18. Dezember, gab es ein Treffen im Weißen Haus.
  • Zuerst hatte die New York Times darüber berichtet, jetzt gab Axios interne Details preis.
  • Rund um Donald Trumps Anfechtung der Wahlergebnisse sei es zu bizarren Szenen im Oval Office gekommen.

Washington D.C. – Rund einen Monat nachdem Joe Biden die Präsidentschaftswahl der USA für sich entschieden hatte, empfing Donald Trump nach Angaben der New York Times zahlreiche Gäste im Weißen Haus. Sie sollten ihn beim Kampf gegen den angeblichen Wahlbetrug unterstützen. Tiefere Einblicke in das konspirative Treffen am Freitag, 18. Dezember, gibt jetzt die Nachrichtenseite Axios: In einer Art Protokoll berichten die Journalisten Jonathan Swan und Zachary Basu über das „verrückteste Treffen der Trump-Präsidentschaft“.

Die Protagonisten dieses Treffens waren besonders ungewöhnlich. Einerseits nahmen im Laufe der Zeit immer mehr Menschen an dem Meeting teil, andererseits befanden sich teils umstrittene oder eher unbekannte Personen im Oval Office. Ein Überblick.

Meeting im Oval Office: Unter anderem diese Personen nahmen teil

  • Donald Trump, Ex-Präsident der Vereinigten Staaten
  • Eric Herschmann, damaliger leitender Berater des Weißen Haus
  • Sidney Powell, Anwältin und QAnon-Unterstützerin
  • Michael Flynn, ehemaliger nationaler Sicherheitsberater, von Trump begnadigt
  • Patrick Byrne, Ex-CEO von Overstock.com
  • Emily Newmann, ehemalige Verwaltungsbeamtin im Weißen Haus
  • Pat Cipollone, oberster Rechtsberater des Weißen Haus
  • Matt Morgan, Anwalt der Trump-Kamagne gegen das Wahlergebnis, zugeschaltet per Freisprecher
  • Derek Lyons, Sekretär im Weißen Haus

Nach Angaben von Axios waren die „vier Verschwörungstheoretiker“ Powell, Flynn, Byrne und Newmann eigentlich nicht auf dem Terminkalender des damaligen Präsidenten Trump vorgesehen. Herschmann hatte bereits bei deren Eintreten einen murrenden Kommentar von sich gegeben: „Wie zum Teufel ist Sydney in das Gebäude gekommen.“ In den nachfolgenden Stunden soll sich die Stimmung extrem aufgeheizt haben, während Herschmann einen Stuhl im Hintergrund eingenommen haben soll.

Video: Trump ist jedes Mittel recht

Sidney Powell wirft Präsidentschaftswahl Betrug und Einmischung durch andere Länder vor

Nachdem Powell Betrugsvorwürfe an den Wahlmaschinen und Einmischung durch Venezuela, Iran, China und anderen Ländern in den Ring geworfen hatte, habe Herschmann den Rechtsberater Cipollone hinzugeholt und Powell zum Vorbringen von Beweisen aufgefordert. Herschmann habe darauf verwiesen, dass die Vorwürfe - wenn sie denn wahr wären - die größte nationale Sicherheitsverletzung der amerikanischen Geschichte darstellen würden.

Daraufhin sei der Anwalt Morgan zugeschaltet worden, während die Gäste bereits „schrien und fluchten“. Rund um die Diskussion, ob Powells Vorwürfe der Wahrheit entsprächen, seien sich der nun hinzugekommene Sekretär Lyons, Cipollone und andere Beamten einig gewesen, dass die vorgebrachten Theorien der Anwältin und Verschwörungstheoretikerin Powell „unsinnig“ seien. Das wiederum - so berichtet Axion - habe Flynn dazu gebracht, Herschmann verbal anzugreifen. „Du kämpfst nicht“, soll der ehemalige nationale Sicherheitsberater gesagt haben - und „du gibst zu schnell auf.“ Flynn habe Trump dem Bericht zufolge angefleht: „Wir brauchen Kämpfer.“

Herschmann habe sich davon nicht beeindrucken lassen und weiter Fragen an Powell gerichtet, bis er nach weiteren Zwischenrufen Flynns ausgerastet sei. „Warum zum Teufel stehst du immer auf und schreist mich an?“ Er forderte Flynn auf, herzukommen, wenn er das wolle. „Wenn nicht, dann setz deinen Arsch wieder hin.“

Donald Trump: „Das war peinlich“ - Gäste stehen auf und beschimpfen sich

Während Byrne in seiner Rolle als Geschäftsmann versuchte, Trump auf seine Seite zu ziehen („wir sind beide Unternehmer und müssen kreativ sein“), ging der Ex-CEO ebenfalls Herschmann an. Der hingegen fragte: „Weißt du überhaupt, wer zum Teufel ich bin, du Idiot?“ Byrne hatte dies offenbar nicht gewusst und Herschmann mit Cipollone verwechselt. Der leitende Berater kommentierte das mit: „Falsch! Falsch, du Idiot!“

Laut Axios seien die Anwesenden zu diesem Zeitpunkt bereits von ihren Stühlen aufgestanden, Trump habe sich derweil in sein privates Esszimmer zurückgezogen. Lyons sei zu dieser Zeit zum Angriff auf Powells Anklageschrift übergegangen: „Sie haben es geschafft, das Wort ,District‘ auf drei verschiedene Arten falsch zu schreiben.“ Wie Axios weiter berichtet, habe das Powell-Team tatsächlich von Districct, Distrcoict und Distrct geschrieben. Trump betonte: „Das war sehr peinlich, das hätte nicht passieren dürfen.“

Als Herschmann die Begnadigung von Flynn erwähnte, habe dieser den Berater angebrüllt: „Erwähne meinen Fall nicht.“ Zuvor hatte Flynn behauptet, das Justizministerium wäre korrupt. Byrne warf derweil in den Raum, er habe Hillary Clinton im Auftrag des FBI mit 18 Millionen Dollar bestochen - eine krude Behauptung, die Herschmann endgültig aus der Fassung brachte: „Was zum Teufel redest du?“ Laut Axios brachte Byrne seine „bizarre Bestechungs-Klage“ zum Erstaunen der Anwälte des Weißen Hauses mehrmals zur Sprache.

Trump-Treffen endet erst gegen Mitternacht - Powell forderte Beraterposten

Trump hielt nach Angaben der Nachrichtenseite zwar wenig von Byrnes Behauptungen, sei aber umso interessierter an Powells Thesen gewesen. „Ihr bietet mir nichts an“, sagte er zu seinen Beamten. Die Gruppe um Powell biete ihm hingegen eine Chance und hätte angeblich Beweise. „Lasst es uns versuchen.“

In der nachfolgenden Diskussion ging es dem Bericht zufolge um die Idee, alle Wahlmaschinen zu beschlagnahmen. Während Newman die Exekutivverordnung von 2018 verlas, meinte Byrne: „Es gibt Leute mit großen Waffen und Abzeichen, die diese Dinge bekommen können.“ Diesen Kommentar soll Herschmann gekontert haben: „Was bist du, drei Jahre alt?“ Lyons und Morgan sprachen sich Trump gegenüber gegen die Idee der Beschlagnahmung aus. Doch der Ex-Präsident griff zum Hörer und kontaktierte seinen nationalen Sicherheitsberater Robert C. O’Brien, seinen persönlichen Anwalt Rudy Giuliani und den Stabschef des Weißen Hauses, Mark Meadows.

Das Gespräch verlagerte sich nach Angaben von Axios vom Oval Office in die Residenz von Trump. Dort nutzte Herschmann die Gelegenheit, Powell eins auszuwischen. „Sidney war gerade im Oval und sagte dem Präsidenten, dass Sie nicht wissen, was zum Teufel Sie tun“, so der Chefberater laut der Nachrichtenseite. Im Anschluss soll er sich Powell zugewandt und ergänzt haben: „Stimmt’s, Sidney? Warum sagst du es Rudy nicht ins Gesicht?“ Tage später distanzierte sich Trumps persönlicher Anwalt von der Verschwörungstheoretikerin.

Nach Axios-Recherchen war das bizarre Treffen nach Mitternacht schließlich zu Ende. Die Berater verließen das Weiße Haus mit dem Gedanken, Sidney Powell könnte tatsächlich Sonderberaterin der Regierung von Donald Trump werden. (nap)

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