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Donald Trump zum Thema Abtreibung: "Es muss eine Art von Bestrafung geben". Foto: Tannen Maury

Erneuter Eklat

Trump will Frauen für Abtreibungen bestrafen lassen

Green Bay - Nur bei wenigen Themen ist die Stimmung in den USA so aufgeladen wie bei Abtreibungen. Donald Trump denkt nun laut über Bestrafungen für Frauen nach. Sogar Abtreibungsgegner finden das schwierig.

Neuer Wirbel um Donald Trump im US-Wahlkampf: Mit der Forderung, Frauen für Abtreibungen zu bestrafen, hat der Präsidentschaftsbewerber der Republikaner einen Sturm der Entrüstung entfacht. Trump nahm die Äußerung sogleich zurück: Nicht die Frau, sondern der Arzt sollte bestraft werden, erklärte er am Mittwoch (Ortszeit).

Der rechtspopulistische Immobilienmilliardär hatte sich erst vor kurzer Zeit als dezidierter Gegner von Schwangerschaftsabbrüchen positioniert und deren Verbot gefordert. Im Sender MSNBC wurde er am Mittwoch gefragt, ob dieses Verbot mit einer Strafe verknüpft sein sollte. Trump antwortete, es müsse "eine Form von Strafe" für die Frau geben.

Auf die Nachfrage, ob auch der Mann, von dem die Frau schwanger wurde, sanktioniert werden sollte, antwortete er: "Ich würde sagen: nein."

Der prompte Protest gegen Trumps Äußerungen reichte über die Parteigrenzen hinweg. Die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton erklärte im Internetdienst Twitter: "Gerade, als man dachte, es könnte nicht schlimmer werden. Furchtbar und vielsagend."

Auch Trumps zwei Rivalen um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner distanzierten sich. Der ultrakonservative Senator Ted Cruz kritisierte, Trump sei bereit, "alles zu sagen, nur um Aufmerksamkeit zu gewinnen". Der Gouverneur des Bundesstaats Ohio, John Kasich, sagte im Sender MSNBC: "Natürlich sollten Frauen nicht bestraft werden."

Für viele US-Konservative ist die Ablehnung von Abtreibungen zwar ein Kernelement ihrer politischen Überzeugungen. Doch die Forderung nach Strafen für die Frauen geht deutlich über die in der Republikanischen Partei vorherrschenden Positionen zu dem Thema hinaus.

In einem knappen Statement suchte Trump, seine Äußerungen zurückzuholen. In der Erklärung plädierte er für ein gerichtliches Verbot von Abtreibungen und für eine Regelung, wonach der Arzt und nicht die Frau für den Schwangerschaftsabbruch zu bestrafen sei. "Die Frau ist in diesem Fall ebenso ein Opfer wie das Leben in ihrem Leib."

Schwangerschaftsabbrüche sind in den USA seit einer Entscheidung des Obersten Gerichts vom Jahr 1973 weitgehend legal.

Trump hatte im Laufe des Wahlkampfs unter anderem bereits mit Forderungen nach der Ausweisung von Millionen von irregulären Immigranten, einem Einreiseverbot für Muslime und der Folter von Häftlingen unter Terrorismusverdacht für Wirbel gesorgt.

Das Abtreibungsthema ist für ihn besonders heikel, da sein Rückhalt im weiblichen Teil der Wählerschaft bislang schwach ist. In einer Umfrage der Zeitung "New York Times" und des Senders CBS News hatten kürzlich 55 Prozent der Wählerinnen Hillary Clinton gegenüber Trump favorisiert, der nur auf 35 Prozent kam. Der Immobilienmilliardär hat Frauen unflätig beschimpft und vor Kurzem ein unvorteilhaftes Foto der Frau seines Rivalen Cruz ins Internet gestellt.

Gleichwohl liegt Trump im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner mit weitem Vorsprung in Führung. Die nächsten Vorwahlen finden am Dienstag im Bundesstaat Wisconsin statt. Der Präsidentschaftskandidat der Partei wird bei einem Parteitag im Juli nominiert.

Interviewauszüge (engl.)

Reaktion Hillary Clinton (engl.)

Reaktion March for Life (engl.)

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