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Trumps Gesundheitsreform würde einschneidende Konsequenzen bedeuten.

„Einige von uns werden vorzeitig sterben“

„Trumpcare“ statt „Obamacare“: So sehr sorgen sich US-Bürger

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Sieg für US-Präsident Donald Trump: „Obamacare“ ist abgeschafft. Jetzt machen sich viele US-Bürger Sorgen um ihre Krankenversicherung.

Washington – Nancy Smith, eine Krebspatientin aus Nashville (US-Bundesstaat Tennessee), betet viel in diesen Tagen. Seit Donnerstagabend betet sie auch für ein politisches Ereignis: „Dafür, dass der Senat die Reform von Obamacare stoppt.“ Seit das US-Repräsentantenhaus mit nur knapper Mehrheit Donald Trumps neues Gesetzespaket zum Gesundheitswesen durchgewunken hat, fürchtet die Frau: „Ein Teil von uns wird den Versicherungsschutz verlieren. Und einige von uns werden deshalb vorzeitig sterben.“

Der Zorn sitzt tief bei jenen in den USA, die während der Amtszeit von Barack Obama erstmals in der Lage waren, eine Policenabdeckung auch für bereits existierende Erkrankungen zu erhalten. Das war einer der Kernpunkte von „Obamacare“, der ersten Pflichtversicherung in der Geschichte des Landes. Millionen Menschen waren dank dieses wegweisenden Sozialgesetzes erstmals in der Lage, sich einen Arztbesuch zu leisten – auch wenn in den letzten Jahren die Beiträge teilweise stark anstiegen. Staatliche Zuschüsse für Geringverdiener federten dies aber ab.

Trump braucht unbedingt einen Erfolg

Doch nun droht „Trumpcare“, das vom Weißen Haus in Einzelgesprächen mit Parlamentariern und im zweiten Anlauf durchgepeitschte Korrektur-Projekt des US-Präsidenten. In den ersten Monaten sollte unbedingt ein Erfolg auf dem Kapitol her, und nun versucht Trump das Abstimmungsergebnis – er benötigte 216 Stimmen seiner Partei und bekam 217– als solchen zu verkaufen. „Das ist die Abschaffung und der Ersatz von Obamacare, täuschen sie sich nicht“, rief er nach dem Votum im Rosengarten des Weißen Hauses. 

Die Konsequenzen für Patienten wären gravierend

Doch bis zu einem Vollzug scheint es noch ein weiter Weg, denn der 100-köpfige Senat – knapp von den Republikanern dominiert – muss ebenfalls zustimmen. Völlig unklar, ob sich alle Parteifreunde Trumps angesichts der Kongress-Zwischenwahlen im kommenden Jahr ebenfalls hinter die einschneidenden Konsequenzen des neuen Gesetzes stellen: Die unter Obama eingeführte Versicherungspflicht soll entfallen. Versicherungen könnten Sonderregelungen für Bürger mit Vorerkrankungen erlassen und von diesen wie auch von älteren Menschen wesentlich höhere Beiträge einfordern.

Die Försterin Nichole Lea aus dem Bundesstaat Oregon sieht vor allem Senioren als Opfer der Korrekturen – jene Bevölkerungsschicht, die nach Ansicht der Reform-Befürworter zu den Kostentreibern gehört und deshalb stärker zur Kasse gebeten werden sollte. „Sie werden die alten Leute über den Tisch ziehen“, sagt sie, räumt aber gleichzeitig auch ein: „Alles, was wir bisher von dem Gesetz wissen, ist noch ziemlich unklar.“

Entwurf nicht gelesen, aber zugestimmt

Das gilt auch für einige Volksvertreter, die vom Tempo der Gesetzesverabschiedung kalt erwischt wurden. Der Abgeordnete Chris Collins aus New York räumte – wie andere Parlamentarier – ein, den Gesetzentwurf nicht gelesen, aber dennoch zugestimmt und sich auf den Präsidenten verlassen zu haben. Nun schlägt ihm auf seiner Facebook-Seite in mehr als 1000 Kommentaren seit dem Votum die Empörung der Bürger entgegen: „Sie haben die Partei über das Volk gestellt“, ist einer der Vorwürfe. Andere drohen: „Bald werden wir abstimmen, um Sie zu ersetzen.“

Lesen Sie hier einen Kommentar zum Thema: Ende von „Obamacare“ - Trumps Schein-Erfolg

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