Fragen zu Gewalt in Charlottesville

Trumps denkwürdiger Auftritt hinterlässt ein aufgebrachtes Land

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Geplant war nur ein Statement zur Infrastruktur im Trump-Tower. Dann aber kamen Fragen zur Gewalt von Charlottesville. Der denkwürdige Auftritt von Donald Trump hinterlässt ein aufgebrachtes Land.

Washington/New York – Der prominente Historiker David Gergen stellte am Dienstagabend die Frage aller Fragen: „Ist Donald Trump zu einer Gefahr für unser Land geworden?“ Die Antwort lieferte Gergen, der einst für Richard Nixon arbeitete und seitdem die US-Präsidenten analysierend begleitet, gleich mit: „Ich denke schon.“

Es ist nur eine von zahllosen Reaktionen auf die Pressekonferenz des US-Präsidenten, die er in seinem Tower in New York abhielt – und die einen CNN-Moderator wenig später zu der bisher beispiellosen Bewertung veranlasste, Trump sei ein Rassist. Vorausgegangen war ein skurril anmutender Auftritt, bei dem der Präsident frühere Aussagen zu den Gewaltaktionen von Charlottesville erneut relativiert und in einigen Momenten Sympathien für einen Teil der rechtsextremen Demonstrantenszene geäußert hatte, die in Virginia mit ebenso gewaltbereiten linken Aktivisten zusammengeprallt war. Trump hatte unter anderem von „sehr anständigen Leuten“ unter den Rassisten gesprochen, die in Sprechchören auch gegen Juden und Schwarze Stimmung gemacht hatten. Ein ultrarechter Täter war mit seinem Auto in Gegendemonstranten gefahren, eine Frau starb.

Für Trump, der seit Monaten Negativschlagzeilen zu entkommen sucht und dessen neu berufener Stabschef John Kelly für Zucht und Ordnung im Weißen Haus sorgen soll, sei die Pressekonferenz „ein neues Tief“ gewesen, kommentierte am Mittwoch die „Washington Post“. Der Präsident habe der Nation gesagt,was er wirklich über Charlottesville gedacht habe, und es sei „hässlich“ gewesen.

Auch in der eigenen Partei wächst der Unmut über eine Führungsfigur im Weißen Haus,. Den Kopf gesenkt und die Arme verschränkt, hatte Kelly mit starrer Miene den Auftritt Trumps in New York verfolgt. Führende Republikaner – von Repräsentantenhaus-Sprecher Paul Ryan bis zu Marco Rubio oder John McCain – distanzierten sich in Stellungnahmen und verwiesen darauf, es dürfe nicht angehen, Neonazis und jene auf eine Ebene zu stellen, die gegen rechtsextreme Tendenzen auf die Straße gingen. Trump hatte den Linken eine Mitschuld an der Eskalation zugewiesen.

Die tiefe Kluft zwischen Links und Rechts im Land, die sich bereits in den acht Jahren unter Barack Obama offenbart hatte, war auch bei der Amtseinführung von Donald Trump am 20. Januar deutlich geworden. Auch damals waren auf den Straßen Washingtons weiße Nationalisten und Aktivisten des linken Lagers aufeinander geprallt. Für US-Kommentatoren steht nach den Vorgängen von Virginia und den Bewertungen Trumps gegenüber der ultrarechten Szene fest, dass es dem Wahlsieger nicht mehr gelingen wird, als moralische Instanz die tiefen Gräben innerhalb der Nation zu überbrücken. „Die Verrückten schauen zu unserem Präsidenten jetzt als Held auf,“ konstatierte am Mittwoch der US-Schriftsteller Garrison Keillor. Lob hatte es für den Auftritt des Präsidenten im Trump-Tower nur aus einer Ecke gegeben. Der prominente Rechts-Nationalist David Duke – ein Holocaust-Leugner und ehemaliger Ku-Klux-Klan-Führer – bedankte sich ausdrücklich bei Trump über Twitter dafür, „die Wahrheit“ gesagt zu haben.

In den USA verstärkt sich nun die Debatte, wie es politisch mit dem Präsidenten weiter gehen soll. Viele in Washington glauben, dass sich die vergiftete Stimmung zwischen der rechtsnationalen Bewegung und den linken Kritikern auch auf das ohnehin schwierige Miteinander der beiden großen Parteien auf dem Kapitol ausweiten wird. Und von Trump seien keine Initiativen zu erwarten, dieses Hass-Klima zu verbessern. „Er tendiert natürlich dazu, mit jenen zu tanzen, die ihn an die Macht brachten,“ glaubt die „Washington Post“.

Seit dem Wochenende scheint festzustehen, dass dazu auch ultrarechte Nationalisten zählen. Rabbi Mavin Hier, der im Januar mit Trump bei dessen Vereidigung auf der Bühne stand, appellierte am Mittwoch an den Präsidenten, sich angesichts der „schrecklichen Vorgänge von Charlottesville“ klar von Neonazis und Ku Klux Klan-Anhängern zu distanzieren. „Er muss diesen gefährlichen Kurs jetzt korrigieren,“ so der Gründer des „Simon Wiesenthal Center“ in den USA.

Lesen Sie hier: Twitter-Rekord! Darum geht Barack Obamas Charlottesville-Post viral.

Alle News zu Trump sammeln wir auf unserer Themenseite

Von unserem USA-Korrespondenten Friedemann Diederichs.


Video: Glomex

Rubriklistenbild: © dpa

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