+
Sein Kabinett spickt Donald Trump mit Milliardären und Millionären.

Die zehn wichtigsten Posten

Trumps Minister: Reich, konservativ, russlandfreundlich

  • schließen
  • Stefan Sessler
    Stefan Sessler
    schließen
  • Friedemann Diederichs
    Friedemann Diederichs
    schließen

Washington - Er zog lauthals für Arbeiter und Abgehängte zu Felde und wollte „Washingtons Sumpf trockenlegen“: Sein Kabinett spickt Donald Trump mit Milliardären und Millionären. Zehn wichtige Personalien, die bereits feststehen:

Der Außenminister – ein Kreml-Freund

Rex Tillerson: ein guter Bekannter Putins (l.).

Die brisanteste Personalie in Washington ist seit gestern offiziell: Rex Tillerson, Vorstandschef des Öl-Giganten Exxon Mobil und ein Freund von Russlands Präsident Putin, soll Außenminister werden – die wichtigste Position im Kabinett. Trump lobt die Vorzüge des 64-jährigen Texaners: Er werde ein „kraftvoller Anwalt“ für die nationalen Interessen der USA sein. Trotz aller schönen Worte schweben über dem notwendigen Bestätigungsverfahren des Öl-Managers dunkle Wolken: Sogar Republikaner äußerten Bedenken wegen Tillersons Nähe zu Moskau. „Putin ist ein Krimineller und ein Diktator“, warnte Ex-Präsidentschaftskandidat John McCain. Andere betonten, Putin sei wegen des Verhaltens im Ukraine-Konflikt und in Syrien nicht unbedingt ein Freund der USA.

Putin hatte dem Konzernchef 2013 den „Orden der Freundschaft“ verliehen, die höchste Auszeichnung des Landes für Ausländer. Berichten zufolge haben die Verträge von Exxon Mobil mit russischen Unternehmen einen Wert von rund 100 Milliarden US-Dollar. Kritiker warnen vor drohenden Interessenskonflikten.

Brisant ist Tillersons Berufung auch, weil US-Demokraten eine aktive Beeinflussung der Wahlen durch Russland sehen. Sie berufen sich auf Erkenntnisse der CIA über Hacker-Attacken auf die Server von Demokraten. Wikileaks hatte später eine Vielzahl kompromittierender Mails veröffentlicht, die Clinton in ein schlechtes Licht rückten. Präsident Barack Obama hat eine offizielle Untersuchung eingeleitet, Clintons Lager besteht darauf, dass die Wahlmänner vor einer offiziellen Bestätigung Trumps am 21. Dezember über die vermutete Einmischung Moskaus im Detail informiert werden.

Bisher galt Mitt Romney (Obamas Gegenkandidat 2012) als Favorit für das Amt des Außenministers, Trump hatte ihn auch für Bewerbungsgespräche eingeladen. Das war nur, um Romney „zu foltern“, sagte ein Trump-Stratege gestern. Romney, der anders als Tillerson politisch sehr erfahren ist, erfuhr am Montag per Telefon, dass er nicht zum Zuge kommt.

Heimatschutz: „Falke der Grenzsicherung“

Ex-General John Kelly, 66, gilt als „Falke der Grenzsicherung“. Kelly war 40 Jahre bei den Marines, kämpfte im Irak, verlor einen Sohn beim Einsatz in Afghanistan. Bis Anfang 2016 leitete er das US-Kommando in Lateinamerika und in der Karibik. Kelly ist Hardliner, er tritt für eine rigorose Absicherung der US-Außengrenzen ein und hat auch die Schließung des Gefangenenlagers in Guantanamo auf Kuba abgelehnt, für das er zuletzt zuständig war.

An der Spitze des nach dem 11. September 2001 gegründeten Heimatschutzministeriums (240 000 Mitarbeiter, 22 Unterbehörden!) wird Kelly für zentrale Vorhaben Trumps verantwortlich sein. Für die Abschiebung von Millionen illegal Eingereister zum Beispiel. Oder für den Mauerbau an der Grenze zu Mexiko.

Kelly hat aber auch andere Seiten: Im scharfen Gegensatz zu Trumps anti-islamischen Tönen im Wahlkampf hat er für die Rechte religiöser Minderheiten plädiert.

Persönlicher Berater: der Schwiegersohn

Jared Kushner mit Ivanka Trump. Beide sind 35.  

Jared Kushner ist mit Trumps Tochter Ivanka verheiratet, das Paar hat drei Kinder und lebt in New York – angeblich ist ein Umzug nach Washington geplant. Kushner gilt als eine der einflussreichsten Figuren hinter den Kulissen – denn Trump traut außerhalb seiner Familie niemandem. Ein Amt für einen engen Verwandten wäre wohl gesetzeswidrig. Trump brachte seinen Schwiegersohn, einen orthodoxer Jude, aber als Friedens-Vermittler zwischen Israel und Palästina ins Gespräch.

Kushner, 35, stammt aus einer reichen Demokraten-Familie, hat einen Harvard-Abschluss. Er soll Immobiliengeschäfte im Umfang von umgerechnet 13,18 Milliarden Euro getätigt haben, hat beste Kontakte ins Silicon Valley und ist Herausgeber des „Observer“. Er wird als höflich, zurückhaltend, fast scheu beschrieben.

Sicherheitsberater: „Islam keine Religion“

Michael Flynn ist der zweite Ex-General und eine der kontroversesten Figuren im Kabinett. Das gilt vor allem wegen seiner Aussage, der Islam sei keine Religion, sondern eine „politische Ideologie“. Der Islamismus sei wie ein Krebsgeschwür, das aus dem Körper von Muslimen entfernt werden muss. Flynn leitete von 2012 bis 2014 den Militär-Geheimdienst und ist offensichtlich ein Freund von Verschwörungstheorien, die gelegentlich zu „Fake news“ (gefälschte Nachrichten) führen: Vor der Wahl erregte ein Tweet des 57-Jährigen Aufsehen, mit dem er fälschlicherweise Hillary und Bill Clinton eine Verbindung zu Sex-Verbrechen gegenüber Kindern unterstellte. Der Sohn von Flynn, sein engster Berater, legte später nach: Solange nicht das Gegenteil der Behauptungen bewiesen sei, werde es eine Story bleiben.

Beim Nominierungsparteitag von Trump im vergangenen Sommer warf Flynn Hillary Clinton vor, durch ihren E-Mail-Skandal die Sicherheit der Nation gefährdet zu haben. Er erwähnte dabei nicht, dass er selbst zwei Mal Gegenstand interner Militär-Untersuchungen wegen der Weitergabe geheimer Informationen an US-Alliierte war.

Auch Flynn gilt als Russlandfreund: Er forderte wiederholt, die Eiszeit mit dem Kreml zu beenden. 2015 saß er bei einem Galadinner in Moskau neben Putin, als der staatliche Sender Russia Today Jubiläum feierte.

Team Trump: Das Kabinett des künftigen US-Präsidenten

Verteidigung: ein „verrückter Hund“

Neuer Chef im Pentagon wird James N. Mattis. 

Der Vier-Sterne-General im Ruhestand diente 44 Jahre lang bei den US-Marines – und hat den Spitznamen „Mad Dog“ („verrückter Hund“). James N. Mattis, 66, gestand in der Vergangenheit offen ein, dass – mit Blick auf die Taliban – das Töten von radikalen Islamisten gelegentlich Freude bereiten kann. Doch seine Ansichten sind weniger radikal, als es auf den ersten Blick scheint. Der neue Verteidigungsminister hält zwar den Iran für die größte Bedrohung für den Frieden im Nahost, will aber am umstrittenen Atomdeal mit den Mullahs festhalten. Er kritisierte auch Trumps Ansicht, man brauche die Nato nicht. Und sollten andere Kabinettsmitglieder oder Trump selbst brutale Verhörmethoden für Terrorverdächtige wieder einführen wollen, so hätten sie in Mattis einen Gegner: Der Militär, der bei den Truppen enormes Ansehen genießt und gerne den römischen Kaiser Mark Aurel zitiert, hält Folter für nicht effektiv. „Gebt mir eine Packung Zigaretten und ein paar Bierdosen, und ich mach es besser“, wird er zitiert.

Die Schlüsselfigur im letzten Irak-Krieg (er führte 2004 bei der legendären Schlacht um Falludschah an) und der frühere Chef des US-Zentralkommandos gilt als überlegt und vorsichtig handelnde Persönlichkeit, die keine Probleme damit haben dürfte, Trump auch zu sagen: Hier liegst du falsch. Er ist für eine Budget-Erhöhung des Außenministeriums: Diplomatie müsse immer erste Wahl sein.

Justiz: Trumps Spezl und gegen Ausländer

Lobt schon mal den Ku-Klux-Klan: Jeff Sessions  

Jeff Sessions, Trumps Mann für Recht und Ordnung, ist nicht nur ein enger persönlicher Freund Trumps. Der Senator aus dem Südstaat Alabama gilt selbst Konservativen als Hardliner – und unbeugsam in seinen Ansichten. Seine Nominierung als Bundesrichter unter Ronald Reagan 1986 scheiterte daran, dass seine wohlwollenden Aussagen über den rassistischen Ku-Klux-Klan bekannt wurden. Auch soll er einen farbigen Staatsanwalt als „Jungen“ bezeichnet und ihn gewarnt haben: „Sei vorsichtig, was du Weißen sagst.“ Die Bürgerrechtsbewegung NAACP, die sich für Schwarzen einsetzt, nannte er einst „unamerikanisch“ und „von Kommunisten inspiriert“.

Der 69-Jährige, der als erster Senator die Kandidatur von Trump befürwortet hatte, lehnt Abtreibungen und die Homo-Ehe ab. Auch sprach er sich deutlich gegen eine Legalisierung von Marihuana aus – er könnte versuchen, die Fortschritte in Bundesstaaten wie Colorado als Trumps Chef-Justitiar rückgängig zu machen. Sessions lehnt vehement eine Amnestie für die Millionen Menschen ab, die sich illegal in den USA aufhalten. Selbst Visa-Programme für Ausländer, die im Hightech-Bereich arbeiten wollen, sind Sessions ein Dorn im Auge.

Energie: „Trump ist ein Krebsgeschwür“

Trump will den früheren Gouverneur des ölreichen Bundesstaats Texas, Rick Perry, zum Energieminister machen. Im Wahlkampf hatte der Texaner den Rechtspopulisten als „Krebsgeschwür“ bezeichnet, das die wahren konservativen Werte zerstöre. Der 66-Jährige hatte sich voriges Jahr selbst als republikanischer Kandidat beworben. So auch 2011, wo er sich im Wahlkampf bei einer TV-Debatte blamierte. Er hatte getönt, drei Ministerien abzuschaffen, konnte sich dann an eines nicht erinnern. „Ups“, sagte er. Später fiel es ihm wieder ein: Es war das Energieministerium.

Wohnungsbau: Der einzige Schwarze

Ben Carson war früher Neurochirurg, wurde berühmt durch die Trennung siamesischer Zwillinge und ist laut Trump ein „brillanter Geist“. Der Afroamerikaner aus armen Verhältnissen soll sich vor allem um eine Erneuerung der Innenstädte kümmern. Der 65-Jährige hatte noch nie ein politisches Amt inne. Carson findet, die US-Innenstädte seien in einem „furchtbaren Zustand“ und bräuchten ernsthafte Aufmerksamkeit. Im Wahlkampf hatte er vor allem durch ultrakonservative Ansichten zum Thema Abtreibungen und Äußerungen zum Holocaust für Aufmerksamkeit gesorgt.

Carson, das einzige schwarze Kabinettsmitglied, war bei den Vorwahlen der Republikaner um die US-Präsidentschaftskandidatur gegen Trump angetreten. Ab dem Frühjahr unterstützte er den Immobilienmogul.

Chef-Stratege: „Satan, das ist Macht“

Chef-Stratege: der radikale Steph en Bannon.

Wenn es um die künftige US-Politik geht, hält sich der baldige Chefstratege des Weißen Hauses an die Strategie der Bösewichte in „Krieg der Sterne“: „Finsternis ist gut“, sagte Stephen Bannon, 63, der ultrarechte Wahlkampfmanager von Donald Trump, gerade erst. „Dick Cheney. Darth Vader. Satan. Das ist Macht.“ Der wegen seiner Nähe zum Ku-Klux-Klan, weißen Nationalisten und Antisemiten umstrittene frühere Chef der erzkonservativen Website „Breitbart News“ sagt, sein Ziel sei es, die Arbeiterklasse in den USA in einer sich rasch wandelnden Welt wieder stärker in den Mittelpunkt zu rücken.

Vor einem Vierteljahrhundert arbeitete Bannon für Goldman Sachs und kam danach zu einigem Reichtum. Bannon gilt als Überzeugungstäter, sehr intelligent und rücksichtslos.

Vize-Präsident: Härter als Trump

Vizepräsident Mike Pence, 57, ist der viel härtere Ideologe als Trump. „Ein Christ, ein Konservativer, ein Republikaner, in dieser Reihenfolge“ – so beschreibt er sich selbst. Pence ist für Trump ein wichtiges Bindeglied zum erzkonservativen Flügel der Republikaner. Als Gouverneur von Indiana setzte er eines der striktesten Anti-Abtreibungsgesetze des Landes in Kraft. Er unterzeichnete auch ein Gesetz zur „Religionsfreiheit“, das es – so stellten es die Kritiker dar – Geschäften erlaubt, Homosexuelle nicht zu bedienen. Angesichts der Welle von Empörung revidierte er das Gesetz später. Pence war früher Radiomoderator, das ist seinen wohlüberlegten, volksnahen Auftritten bis heute anzumerken.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Trump: "Wir machen keine Staatenbildung mehr, wir töten Terroristen"
Seit 16 Jahren kämpfen US-Soldaten in Afghanistan. Der Erfolg ist umstritten. Donald Trump war einer der größten Kritiker. Er ließ sich aber überzeugen, dass ein Rückzug …
Trump: "Wir machen keine Staatenbildung mehr, wir töten Terroristen"
Rostock gedenkt der Ausschreitungen von Lichtenhagen
Rostock (dpa) - Mit einer zentralen Gedenkfeier begeht die Stadt Rostock heue den 25. Jahrestag der rassistischen Ausschreitungen von Rostock-Lichtenhagen.
Rostock gedenkt der Ausschreitungen von Lichtenhagen
Entscheidung über Abschiebung islamistischer Gefährder
Leipzig (dpa) - Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet heute erstmals über die Abschiebung islamistischer Gefährder. Die beiden Männer waren vom Landeskriminalamt …
Entscheidung über Abschiebung islamistischer Gefährder
Chile: Lockerung des Abtreibungsverbots genehmigt
Santiago de Chile (dpa) - Chiles Verfassungsgericht hat für die Legalisierung von Abtreibungen in bestimmten Fällen grünes Licht gegeben.
Chile: Lockerung des Abtreibungsverbots genehmigt

Kommentare