Bisher sieben Videos aufgetaucht

Videos erschüttern Türkei: Mafiaboss zielt mit schweren Anschuldigungen auch auf Erdogan

  • Tanja Kipke
    VonTanja Kipke
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Ein Mafiaboss veröffentlicht Aufnahmen mit schweren Anschuldigungen gegen türkische Politiker. Die mutmaßlichen Enthüllungsvideos halten die Türkei in Atem.

Istanbul - Der Mafiaboss Sedat Peker sorgt seit einigen Wochen mit seinen Videos für Aufsehen. Seit Anfang Mai hat er sieben Videos veröffentlicht, in denen er schwere Vorwürfe gegen das Umfeld des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan erhebt. Er unterstellt türkischen Spitzenpolitikern und ihren Verwandten Verbindungen zum organisierten Verbrechen. Es geht dabei um angeblichen Drogenhandel und ungeklärte Morde. Die Videos kommen für Erdogan zu einem ungünstigen Zeitpunkt und könnten den Präsidenten in Bedrängnis bringen.

Vorwürfe von Mafiaboss: Erdogan stellt sich nach Anschuldigungen hinter seinen Innenminister

Seine Hauptangriffe richtet Peker gegen Innenminister Süleyman Soylu. Der Mafiaboss suggeriert mit seinen Aussagen, dass die Verquickung von Unterwelt und Politik nach wie vor existiere. Dies berichtet die Deutsche Presse-Agentur. Innenminister Soylu habe ihn lange geschützt und vor Ermittlungen gewarnt, erzählt Peker etwa. Nicht zuletzt habe er sich auf Soylus Tipp hin ins Ausland abgesetzt. Peker wird momentan in Dubai vermutet.

Der Innenminister reagierte mit drastischen Worten. Er wies Pekers Vorwürfe zurück - und nannte ihn einen „Mafia-Dreckskerl“. Er verteidigt sich derweil auch in Fernsehinterviews. Er denke nicht an Rücktritt, sagte er am Sonntag (23. Mai). Mit einem wenig geglückten Vergleich sorgte er für massive Irritationen bei seinen Zuschauern. Auf den Hinweis eines Interviewers, dass Pekers Videos immerhin von Millionen Türken verfolgt würden, entgegnete Soylu: „Millionen Menschen schauen sich auch Kinderpornografie an.“

Am Mittwoch (26. Mai) hat sich Erdogan zu den Anschuldigungen gegen seinen Innenminister geäußert. „In seinem Kampf gegen Terrororganisationen und kriminelle Organisationen waren wir auf der Seite unseres Innenministers, wir sind auch jetzt auf seiner Seite und werden auch in Zukunft an seiner Seite sein“, so der Staatspräsident in einer Rede.

Mafiaboss beschuldigt weitere Politiker in der Türkei - Erdogans Umfragewerte ohnehin auf Sinkflug

Besonders explosive Anschuldigungen erhob Peker in seinem siebten Video vom Sonntag. Darin warf er dem Sohn des ehemaligen Ministerpräsidenten und Erdogan-Vertrauten Binali Yildirim Verwicklungen in den internationalen Drogenschmuggel vor - der Ex-Premier wies das entschieden zurück. Dem früheren Innenminister Agar unterstellte Peker, in die bis heute ungeklärten Morde an dem türkischen Journalisten Ugur Mumcu und dem türkisch-zypriotischen Autor Kutlu Adali in den 90er Jahren verwickelt zu sein.

Die Videos kommen für den türkischen Präsidenten zu keinem guten Zeitpunkt. Seine Umfragewerte sind angesichts hoher Arbeitslosigkeit und einer Rekordinflation ohnehin im Sinkflug. Schon jetzt hat Erdogans islamisch-konservative Regierungspartei AKP ohne die Unterstützung der ultranationalistischen MHP keine Mehrheit im Parlament. Auffällig ist allerdings, dass die Regierung die mutmaßlichen Enthüllungsvideos bislang nicht gesperrt hat, obwohl sie in der Regel gegen regierungskritische Äußerungen vorgeht.

Einige Beobachter sind daher der Ansicht, dass es dem Staatschef bislang gar nicht so Unrecht war, dass Soylu demontiert wurde. Immerhin wurde der Minister schon als Erdogans Nachfolger gehandelt. Da die Polizei gegen Peker ermittelt, ist er als Zeuge nur bedingt glaubwürdig. Ob die Anschuldigungen Erdogan also wirklich in Bedrängnis bringen könnten, bleibt weiterhin abzuwarten. Es sind allerdings nicht die einzigen drängenden Probleme für den türkischen Präsidenten: Auch mit einem TV-Interview versetzte er der strauchelnden Lira einen weiteren Stoß. (dpa/tkip)

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