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Vergewaltigung, Entführung, Angst: ZDF-Doku zeigt Erdogans brutale Rache - auch an Deutschen

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Von: Clara Marie Tietze

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Erdogan
Nach dem Putschversuch vom 15. Juli 2016 schwört der türkische Präsident Rache: Recep Tayyip Erdogan. © -/Kremlin/dpa

Nach dem Putschversuch vom 15. Juli 2016 schwört der türkische Präsident Rache. Wie die aussieht, zeigt nun eine ZDF-Doku mit drei eindrucksvollen Geschichten.

Ankara/Berlin - Recep Tayyip Erdogan ist ein umstrittener Präsident, der harsche Mittel ergreift, um seine Kritiker zum Schweigen zu bringen - soweit nichts Neues. Doch wie sehr seine Regierung auch deutsche Journalisten mit Verbindungen in die Türkei verfolgen, entführen und verhaften lässt, gleicht einem Hollywood-Film. In Deutschland prominent gewordene Fälle wie der vom deutschen Welt-Journalisten Deniz Yücel oder Menschenrechtsaktivist Peter Steudtner sind vielen bekannt.

Erdogans politische Gefangene: So werden Deutsche in der Türkei gebrochen

Doch es gibt zahlreiche Fälle, die mit keiner so deutlichen öffentlichen Unterstützung rechnen können. Menschen, die nachweislich nichts Unrechtes getan haben und trotzdem festgehalten werden - oft auch ohne Anklageschrift, wie im Fall von Mesale Tolu, einer deutschen Journalistin. Sie wurde knapp 8 Monate lang mit und ohne ihrem zweijährigen Sohn im Gefängnis festgehalten. Als sie freigesprochen wurde, wurde sie aus dem Gefängnis in eine kleine Polizeiwache in Istanbul gebracht - „entführt“, wie sie heute in der ZDF-Doku für das auslandsjournal sagt.

Mesale Tolu reihte sich zwischenzeitlich sowohl in der Türkei, als auch in Deutschland bei ihrer Bekanntheit direkt hinter Deniz Yücel und Peter Steudtner ein. Den meisten wird über windige Zusammenhänge die Mitgliedschaft oder Unterstützung einer Terrororganisation vorgeworfen. Oft verlaufen sich die Verfahren im Sand, oder werden per widersprüchlichem Gerichtsurteil fallen gelassen.

Deutsche Journalisten und Bürger in der Türkei inhaftiert: „Problem, das man selber geschaffen hat“

Hozan Canê, eine deutsch-kurdische Sängerin, und ihre Tochter Gönül Dilan Örs, eine Sozialwissenschaftlerin aus Köln, gehören zu den weniger bekannten Gesichtern von Erdogans Putsch-Rache. Trotzdem wurden auch sie monatelang in Gefängnissen festgehalten, die Mutter erzählt von einer Vergewaltigung und der ständigen Angst zu verhungern oder zu verdursten. Die Tochter wollte sich im monatelangen Hausarrest umbringen, wurde nur durch ihre Cousine davon abgehalten, die sie auf der Toilette einsperrte. Die Türkei „wollte ein Problem, das man selber geschaffen hatte, wieder abräumen“, erklärt der damalige deutsche Botschafter in Ankara, Martin Erdmann.  

All dies seien politische Gefangenschaften gewesen, so die drei Frauen in der Dokumentation. Die drei Frauen sind inzwischen wieder zurück in Deutschland - durch Flucht oder offizielle Ausreiseerlaubnis - und versuchen das Erlebte zu verarbeiten. „Wie kann man einem Menschen so etwas antun? Dass man zwei Jahre aus dem Leben dieses Menschen einfach wegradiert?“, fragt sich die 38-jährige Gönül Dilan Örs immer noch. Für die drei Frauen ist die Odysee erstmal zu Ende. Doch es gibt zahlreiche Menschen, die heute noch aus politischen Gründen in der Türkei im Gefängnis sitzen.

Auch in Deutschland können sich die drei Frauen nicht wirklich sicher fühlen, denn „hier gibt es viele türkische Faschisten, es kann jederzeit wieder etwas passieren“, sorgte sich Hozan Canê. Recht hat sie: Erst im vergangenen Sommer wurde ein türkischer Journalist in Berlin angegriffen.

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