Migrationsschub nach Europa

Expertin: Das sind die Folgen von Erdogans Politik

Berlin - In der Türkei ist nach dem Putsch und der darauffolgenden Antwort von Ministerpräsident Tayyip Recep Erdogan die Lage unsicher. Eine Expertin vermutet, dass das weitreichende Folgen hat.

Die politischen Entwicklungen in der Türkei könnten nach Ansicht der Politologin Bilgin Ayata einen neuen Migrationsschub auslösen - auch in Richtung Deutschland. „Die Verhaftung von 6000 Menschen, Massenentlassungen und eine Debatte über die Einführung der Todesstrafe - wenn das so weitergeht, werden viele türkische Staatsbürger das Land verlassen, so wie 1980 nach dem Militärputsch“, sagte die Forscherin von der Universität Basel der Deutschen Presse-Agentur. Vor allem Kurden, Aleviten und liberale Kräfte fühlten sich zunehmend an den Rand gedrängt. Deutschland sei schon aufgrund der großen türkischen Gemeinde ein naheliegendes Ziel, ebenso wie Schweden.

Nach dem Einzug der pro-kurdischen HDP ins Parlament im Sommer 2015 habe unter den AKP-Gegnern noch eine gewisse Aufbruchstimmung geherrscht. Dieser sei nach den Neuwahlen im vergangenen November, bei denen die Partei von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan die Mehrheit im Parlament gewann, einer großen Ernüchterung gewichen. „Bei progressiven, liberalen Kräften erlebt man seither Apathie und politische Depression“, sagte die Politologin. Sollten der Flüchtlingsdeal zwischen der EU und der Türkei platzen, könnten sich bald auch wieder mehr syrische Flüchtlinge auf den Weg nach Europa machen.

Dass die Spannungen in der Türkei zu vermehrter Gewalt zwischen Anhängern und Gegnern des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan in Deutschland führen werden, glaubt Ayata nicht: „Sporadisch werden sicher Konflikte aufbrechen, mehr aber auch nicht.“

dpa

Rubriklistenbild: © AFP (Symbolbild)

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