+
Ahmet Altan ist einer der bekanntesten Journalisten der Türkei.

Nach zwei Wochen Haft

Türkei lässt renommierten Journalisten Ahmet Altan frei

Ankara - Nach heftigen internationalen Protesten hat ein türkisches Gericht den renommierten Journalisten Ahmet Altan auf freien Fuß gesetzt.

Altan bleibe aber unter "Kontrolle der Justiz" und dürfe das Land nicht verlassen, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Donnerstag. Sein ebenfalls inhaftierter Bruder, der Akademiker Mehmet Altan, bleibt demnach bis zu seinem Prozess weiter in Haft.

Nach einer zwölfstündigen Marathonsitzung klagte das Gericht Mehmet Altan der "Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation" an, wie Anadolu berichtete. Zudem werde ihm "Umsturzversuch oder Störung der Regierungsarbeit" vorgeworfen.

Im Rahmen ihrer Ermittlungen zu dem gescheiterten Putsch am 15. Juli hatte die Polizei die beiden bekannten Brüder vor knapp zwei Wochen festgenommen. Sie wirft ihnen vor, in einer Talkshow des Fernsehsenders Can Erzincan einen Tag vor dem Putsch Anspielungen auf die unmittelbar bevorstehenden Ereignisse gemacht zu haben. Der inzwischen geschlossene Sender soll dem in den USA lebenden islamischen Prediger Fethullah Gülen nahestehen, den die Regierung für den Putschversuch verantwortlich macht.

Ahmet Altan ist einer der bekanntesten Journalisten der Türkei. Er arbeitete viele Jahre lang als Kolumnist für Zeitungen wie "Hürriyet" und "Milliyet". 2007 gründete er seine eigene Zeitung "Taraf". Bis 2012 war er Chefredakteur des regierungskritischen Blattes. Er hat zudem mehrere Romane geschrieben. Sein Bruder Mehmet ist Autor mehrerer politischer Bücher.

In einem offenen Brief hatten fast 300 Schriftsteller und andere Persönlichkeiten, darunter Salman Rushdie und die beiden Literaturnobelpreisträger J.M. Coetzee und Orhan Parmuk, die türkischen Behörden zur Freilassung der Altan-Brüder und der Respektierung der Meinungsfreiheit aufgerufen. Seit dem Putsch geht die Regierung massiv gegen Gülen-Anhänger und Einrichtungen des islamischen Predigers vor. Zehntausende Menschen, darunter dutzende Journalisten, wurden festgenommen, ihrer Posten enthoben oder versetzt.

AFP

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Steinmeier verurteilt Aggression im Wahlkampf
In wenigen Tagen wird gewählt. Der Bundespräsident verurteilt Übergriffe und Randale rechter Gruppen. Der Zustand der Gesellschaft macht ihm Sorgen. Die AfD erwähnt er …
Steinmeier verurteilt Aggression im Wahlkampf
Trump-Rede vor der UN: Für seine Verhältnisse sachlich
Donald Trump tritt vor die Vereinten Nationen: Das allein hat Sprengkraft. Seine Rede fällt für Trump-Verhältnisse sachlich aus, auch wenn es ihr nicht an Härte mangelt.
Trump-Rede vor der UN: Für seine Verhältnisse sachlich
Berliner Landgericht nennt Mietpreisbremse verfassungswidrig
Die Mietpreisbremse soll, was der Name sagt: den Anstieg von Mieten begrenzen. Das Berliner Landgericht hält das Instrument für verfassungswidrig. Ändern wird sich aber …
Berliner Landgericht nennt Mietpreisbremse verfassungswidrig
Wer im Rennen um Ministerposten schon jetzt die Nase vorn hat
Spitzenpolitiker stellen sich auf drei mögliche Regierungskoalitionen ein: Schwarz-rot, schwarz-gelb oder schwarz-grün. Wer könnte sich schon bald auf einem …
Wer im Rennen um Ministerposten schon jetzt die Nase vorn hat

Kommentare