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Ein syrischer Flüchtling mit seinem Baby auf dem Schoß in Istanbul.

Nicht wegschauen

Türkei: Mehr als eine Millionen syrische Flüchtlinge

Ankara - Einen traurigen Höchststand konnte türkische Regierung am Donnerstag vermelden: Mehr als eine Millionen syrischer Flüchtlinge befinden sich derzeit im Land.

Die Zahl der syrischen Bürgerkriegsflüchtlinge in der Türkei hat nach Angaben der Regierung in Ankara die Millionenmarke überstiegen. In 22 Flüchtlingslagern und in türkischen Städten hätten inzwischen 1,05 Millionen Syrer Zuflucht gefunden, sagte Vize-Ministerpräsident Besir Atalay am Donnerstag in Ankara.

Die Türkei hält ihre Grenzen für Flüchtlinge aus dem Bürgerkriegsland geöffnet. Bundespräsident Joachim Gauck hatte bei einem Besuch Ende April die „enormen Anstrengungen“ der Türkei bei der Hilfe für syrische Flüchtlinge gelobt.

Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR hat 783 163 syrische Flüchtlinge in der Türkei registriert. „Die tatsächliche Zahl ist deutlich höher“, sagte ein UNHCR-Sprecher am Donnerstag. „Nicht alle Flüchtlinge lassen sich bei UNHCR registrieren.“

Amnesty erhebt Vorwürfe gegen UN

Anlässlich des Weltflüchtlingstags hat Amnesty International den Umgang des UN-Sicherheitsrats mit dem Bürgerkrieg in Syrien scharf kritisiert. "Das Versagen" des Gremiums habe "zu der weltweit größten Flüchtlingskrise geführt", erklärte die Generalsekretärin der Menschenrechtsorganisation in Deutschland, Selmin Caliskan, am Freitag in Berlin. Der Sicherheitsrat müsse "endlich den Internationalen Strafgerichtshof einschalten". Der Schutz von Zivilisten in Syrien müsse sein "Mindestanspruch" sein.

Untätig sei der Sicherheitsrat auch mit Blick auf die Krisen im Südsudan, in der Zentralafrikanischen Republik und im Irak, erklärte Caliskan weiter. "Politische Loyalitäten, Gleichgültigkeit und Eigennutz" verhinderten, dass Menschen geschützt würden. "Während Mitgliedstaaten aus Machtinteressen Lösungen blockieren, müssen Menschen sterben oder sich auf die Flucht begeben", erklärte Caliskan.

In Syrien tobt ein Bürgerkrieg, der sich aus einem im März 2011 begonnenen Volksaufstand gegen Staatschef Baschar al-Assad entwickelte. Seither wurden Schätzungen zufolge mehr als 160.000 Menschen getötet. Millionen Menschen befinden sich auf der Flucht. Zuletzt verhinderten Russland und China Ende Mai im Sicherheitsrat eine Resolution zur Untersuchung von Menschenrechtsverletzungen durch den Internationalen Strafgerichtshof im Den Haag. Der Weltflüchtlingstag wird am Samstag begangen.

Deutsche Kirchen warnen vor Vergessen

Die Kirchen in Deutschland warnen davor, das Leid der Menschen in Syrien mit der Zeit zu vergessen. „Es scheint, als gewöhnen wir uns an die Situation. Aber Wegschauen ist keine Option“, sagte Bischof Volker Jung, der Vorsitzende der Kammer für Migration und Integration der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), am Donnerstag. Hilfe für die Opfer des Krieges sei dringender denn je. Der katholische Bischof Norbert Trelle sprach von der „größten humanitären Katastrophe der vergangenen zehn Jahre“. Jung und Trelle riefen zum Weltflüchtlingstag am Freitag (20.6.) dazu auf, die kirchlichen Hilfswerke in der Region finanziell zu unterstützen.

dpa/AFP

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