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Mitglieder der aus der Türkei abgeschobenen Famile werden am Flughafen Tegel von der Polizei in Empfang genommen. Foto: Christoph Soeder/dpa

Von Polizei empfangen

Aus der Türkei abgeschobene Familie in Berlin gelandet

Die Türkei weist eine siebenköpfige Familie nach Deutschland aus. Sie wird dem salafistischen Milieu zugerechnet, die Türkei nennt sie "ausländische Terroristenkämpfer". Wie es mit ihnen nach der Landung in Berlin weitergeht, ist unklar.

Berlin/Istanbul/London (dpa) - Nach ihrer Abschiebung aus der Türkei ist eine siebenköpfige deutsch-irakische Familie in Berlin eingetroffen. Sie landete am späten Donnerstagnachmittag am Flughafen Tegel, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen erfuhr.

Reporter der dpa sahen, wie mehrere Passagiere, darunter eine Frau mit einem Baby im Arm, direkt in Polizeiwagen vom Rollfeld gefahren wurden.

Die Familie B. aus Hildesheim wird dem salafistischen Milieu zugerechnet. Das türkische Innenministerium bezeichnete sie als "ausländische Terroristenkämpfer". Haftbefehle wegen islamistischer Umtriebe liegen gegen die Familienmitglieder in Deutschland nicht vor. Allerdings könnte dem Vater dem Vernehmen nach wegen eines Delikts, das mit Islamismus nichts zu tun hat, womöglich Strafverfolgung drohen.

Nach der Landung sollte die Familie nach Angaben aus Sicherheitskreisen auf Vertreter mehrerer Behörden treffen und auch befragt werden. Wie es danach weitergeht, war zunächst offen. Die Bundespolizei wollte Einreisekontrollen vornehmen und etwa prüfen, ob die Familie gültige Papiere hat.

Die Familie stammt ursprünglich aus dem Irak. Nach Erkenntnissen deutscher Behörden besitzen alle Familienmitglieder bis auf den Vater die deutsche Staatsbürgerschaft. Es handelt sich um vier Frauen, zwei Männer und ein Baby. Ende Januar waren sie in die Türkei gereist und nach zwei Monaten in der Stadt Samsun festgenommen worden. In türkischer Abschiebehaft wurde eines der Kinder geboren. Den Grund für die Inhaftierung teilten die türkischen Behörden nicht mit.

Die Türkei hatte die Abschiebung mehrerer deutscher mutmaßlicher Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in dieser Woche angekündigt. Über einen möglichen Aufenthalt der Familie B. im ehemals vom IS kontrollierten Gebiet im Irak oder Syrien ist jedoch nichts bekannt.

Nach Angaben des türkischen Innenministeriums wurde zudem ein Brite nach London ausgewiesen. Scotland Yard teilte am Abend mit, ein 26 Jahre alter Mann sei wegen Terrorverdachts am Flughafen London Heathrow festgenommen worden. Eingereist sei der Mann aus der Türkei. Die Festnahme habe Syrien-Bezug, hieß es weiter.

Am Freitag werden in Deutschland zwei Ehefrauen von IS-Kämpfern erwartet. Dabei handelt es sich nach dpa-Informationen um eine 1998 geborene Frau, der es gelungen war, aus dem von Kurden bewachten Gefangenenlager Al-Hol in Syrien zu fliehen. Sie saß den Angaben zufolge zuletzt in der türkischen Stadt Gaziantep in Abschiebegewahrsam. Nach bisheriger Planung soll am Freitag auch eine gebürtige Hannoveranerin ins Flugzeug gesetzt werden, der es nach einer Massenflucht aus dem syrischen Lager Ain Issa gelungen war, sich in Richtung Türkei abzusetzen.

Ankara bereitet zudem die Abschiebung eines amerikanischen mutmaßlichen IS-Anhängers in die USA vor. Eigentlich sollte er auf eigenen Wunsch nach Griechenland als Drittland abgeschoben werden, sei aber dort nicht angenommen worden, teilte das türkische Innenministerium mit. Die USA hätten nun zugesichert, Reisepapiere auszustellen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte sich am Mittwoch mit US-Präsident Donald Trump in Washington getroffen.

Die Türkei war am 9. Oktober in Nordsyrien einmarschiert und geht dort gegen die Kurdenmiliz YPG vor, die sie als Terrororganisation betrachtet. Dabei wurden nach offiziellen Angaben 287 IS-Anhänger festgenommen, darunter Frauen und Kinder. Nach Angaben Erdogans sitzen mehr als 1000 Anhänger des IS in türkischen Gefängnissen, darunter 737 ausländische Staatsbürger.

Die türkische Seite hatte diese Woche auch ein Interesse an einer raschen Abschiebung von zwei deutschen Konvertitinnen bekundet, die sich dem IS angeschlossen haben sollen. Einen konkreten Termin für die Rückführung der beiden Frauen, eine Hamburgerin mit zwei Kindern und eine Frau mit drei Kindern aus Rheinland-Pfalz, gibt es allerdings nach dpa-Informationen bislang nicht.

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