Türkei öffnet Grenzen

Eskalation des Syrienkonflikts: Türkei öffnet Grenze - EU fürchtet neue Flüchtlingskrise 

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Infolge des eskalierenden Konflikts in Syrien strömen immer mehr Flüchtlinge in Richtung EU. Die Türkei hat die Grenzen wegen der neuen Flüchtlingswelle geöffnet.

  • Der Konflikt in Syrien eskaliert.
  • Wegen der Kampfhandlungen zwischen der Türkei und Assad flüchten immer mehr Menschen in Richtung EU.
  • Der türkische Präsident Erdogan hat die Grenzen zur Europäischen Union geöffnet.

Brüssel - Der Konflikt in Syrien eskaliert immer mehr. Die türkische Militäroffensive dauert nun schon mehrere Tage lang an. Laut der Syrischen Beobachtungsstelle tötete die türkische Armee am Freitag (28. Februar 2020) und Samstag 74 syrische Soldaten sowie 14 Kämpfer von pro-iranischen Gruppen wie der Hisbollah, die mit der syrischen Armee verbündet sind. Auch zwei syrische Kampfjets sollen von den Türken abgeschossen worden sein.

Kämpfe in Syrien: Erdogan öffnet wegen Flüchtlingswelle Grenzen zur EU

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan öffnete wegen der Kämpfe um die Provinz Idlib im Nordwesten Syriens die Grenzen seines Landes zur EU. Die Europäische Union befürchtet nun eine erneute Flüchtlingskrise*. Tausende Flüchtlinge aus der Türkei versuchten seit der Grenzöffnung nach Griechenland zu gelangen. Die griechische Polizei setzte Tränengas ein, die EU-Grenzschutzbehörde Frontex schickte Unterstützung nach Griechenland.

„Wir haben die Tore geöffnet“, sagte Erdogan am Samstag in Istanbul. Sein Land könne „eine neue Flüchtlingswelle nicht bewältigen“. Die EU müsse jetzt ihre „Versprechen halten“ und ihren „Teil der Last“ übernehmen. Wenige Tage später finden zwei bedeutende Treffen zu der Eskalation statt, wo das türkische Staatsoberhaupt wiederholt appellierte. Die Union streitet indes in Fragen der Flüchtlingspolitik.

Türkei: Tausende Flüchtlinge strömen in Richtung Griechenland

Der türkische Innenminister Süleyman Soylu spricht von 78.358 Flüchtlinge, die bis Sonntagmorgen in Richtung Edirne aufbrachen. Die Provinz im Nordwesten der Türkei grenzt an die EU-Staaten Griechenland und Bulgarien. Die UNO hatte am Samstagabend von 13.000 Flüchtlingen an der 212 Kilometer langen türkisch-griechischen Grenze gesprochen.

Aus der griechischen Regierung hieß es, binnen 24 Stunden seien fast 10.000 Migranten an einem „illegalen“ Grenzübertritt gehindert worden.

Die Situation an der Grenze wird immer brenzliger. Die Griechische Polizei drängte die Flüchtlinge am Grenzübergang Pazarkule am Samstag mit Tränengas zurück. Die Migranten warfen mit Steinen zurück. Trotzdem harrten die Flüchtlinge in der Nacht an der Grenze aus. Am Sonntag trafen tausende weitere aus Istanbul ein, darunter Frauen und Kinder. Türkische Sicherheitskräfte forderten sie per Handzeichen auf, weiter Richtung Grenze zu gehen.

Türkei: EU besorgt wegen Flüchtlingswelle - Sondersitzung der EU-Außenminister

Die EU reagierte besorgt auf die Lage*. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sagte Griechenland und Bulgarien ihre Unterstützung zu. Am Sonntag teilte eine Frontex-Sprecherin mit, dass die EU-Grenzschutzbehörde auf Bitten Griechenlands die Entsendung von zusätzlichen Beamten und Ausrüstung veranlasst habe. Die Frontex-Alarmstufe für alle EU-Grenzen zur Türkei sei auf „hoch“ angehoben worden. Die EU-Außenminister kommen diese Woche auf Bitten Griechenlands zu einer Sondersitzung wegen der Eskalation des Konflikts in Syrien zusammen.

Die Bundesregierung erklärte am Samstag, sie gehe davon aus und erwarte, „dass das EU-Türkei-Abkommen eingehalten wird“. Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz twitterte: „Eine Situation wie 2015 darf sich keinesfalls wiederholen.“ Damals waren mehr als eine Million Flüchtlinge nach Europa gekommen.

Erdogan begründet die Grenzöffnung damit, dass die EU sich nicht an den im März 2016 geschlossenen Flüchtlingspakt halte. Die Türkei verpflichtete sich in dem Pakt, alle auf den griechischen Ägäis-Inseln ankommenden Flüchtlinge zurückzunehmen. Die EU versprach der Türkei im Gegenzug Milliardenhilfen, eine beschleunigte Visa-Erleichterung und die Modernisierung der Zollunion. Der Erfinder des Deals mit der Türkei, Gerald Knaus, ruft Regierungschefs wie Angela Merkel zum Handeln auf.

md mit AFP

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Rubriklistenbild: © dpa / Michael Varaklas

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