Massenabschiebungen nach Syrien

Türkei weist Amnesty-Vorwurf zurück

Ankara - Die Türkei hat den Vorwurf von Amnesty International, sie schiebe massenhaft schutzbedürftige syrische Flüchtlinge in das Bürgerkriegsland ab, entschieden zurückgewiesen.

"Die Vorwürfe spiegeln die Realität in keiner Weise wider", erklärte das türkische Außenministerium am Samstag in Ankara. Es sei "traurig, dass solche Nachrichten in solch intensiver Weise mit der Öffentlichkeit geteilt wurden".

Amnesty hatte am Freitag berichtet, die Türkei schiebe schon seit Wochen täglich bis zu hundert syrische Flüchtlinge nach Syrien ab. In einem Fall hätten die türkischen Behörden sogar drei kleine Kinder ohne ihre Eltern nach Syrien zurückgeschickt, erklärte die Türkei-Expertin der Menschenrechtsorganisation, Marie Lucas.

Diese massenhaften Abschiebungen seien ein "Verstoß gegen internationales Recht", kritisierte Amnesty. Die Türkei sei damit "kein sicherer Drittstaat", in den die EU "bedenkenlos Schutzbedürftige zurückschicken" dürfe.

Das Außenministerium in Ankara erklärte nun, es gebe "keine Änderung" an der türkischen Politik der offenen Tür gegenüber syrischen Flüchtlingen. "Die Türkei verpflichtet sich, nach ihren internationalen Verpflichtungen Syrern, die vor Gewalt und Instabilität fliehen, weiter Schutz zu gewähren", hieß es in der Stellungnahme.

Ein am 18. März mit Ankara geschlossenes Abkommen sieht vor, dass alle Flüchtlinge, die seit dem 20. März in Griechenland angekommen sind, in die Türkei zurückgeschickt werden. Im Gegenzug sollen die EU-Länder für jeden zurückgeschickten Syrer einen Syrer aus den Flüchtlingslagern in der Türkei auf legalem Wege aufnehmen. Die Umsetzung des EU-Flüchtlingspakts mit der Türkei soll am Montag starten.

afp

Rubriklistenbild: © AFP

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Mutter des Hauptverdächtigen ruft Sohn zur Aufgabe auf
Der mutmaßliche Haupttäter von Barcelona ist tot. Die Polizei fahndet nach Verdächtigen. Der 17-jährige Moussa Oukabir war möglicherweise nicht der Fahrer des …
Mutter des Hauptverdächtigen ruft Sohn zur Aufgabe auf
Seehofer fordert engere Zusammenarbeit der Geheimdienste
Nach dem Terroranschlag in Barcelona fordert CSU-Chef Horst Seehofer eine engere Zusammenarbeit der Geheimdienste.
Seehofer fordert engere Zusammenarbeit der Geheimdienste
Türkei lässt Kölner Schriftsteller Akhanli festnehmen
Dogan Akhanli floh vor mehr als 25 Jahren aus der Türkei, er ist längst deutscher Staatsbürger, lebt in Köln. Nun hat die spanische Polizei den kritischen Schriftsteller …
Türkei lässt Kölner Schriftsteller Akhanli festnehmen
Tausende marschieren in Boston gegen Rassismus und Hass
Angespannte Stunden in Boston: Eine Woche nach den Zusammenstößen in Charlottesville gehen in der US-Ostküstenstadt tausende Menschen auf die Straße - Demonstranten und …
Tausende marschieren in Boston gegen Rassismus und Hass

Kommentare