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Präsident Recep Tayyip Erdogan.

Regierung in Damaskus bestreitet

Türkei zu Angriff in Syrien: Es war Nervengas „Sarin“

Istanbul - Nach dem Vorwurf eines Chemiewaffen-Angriffs in Nordsyrien hat die Türkei Hinweise auf das Nervengas „Sarin“ gefunden.

Die ersten Analysen ließen darauf schließen, dass die Todesopfer des Luftangriffs in Chan Scheichun am Dienstag dem chemischen Kampfstoff „Sarin“ ausgesetzt gewesen seien, erklärte das türkische Gesundheitsministerium am Donnerstag. Damaskus wies jede Verantwortung zurück, Russlands Präsident Wladimir Putin forderte eine "sorgfältige unparteiische internationale Untersuchung".

Der syrische Außenminister Walid al-Muallim sagte, seine Regierung habe niemals Chemiewaffen eingesetzt. Er schloss sich der Darstellung Russlands an, wonach bei dem Angriff am Dienstag ein Giftgaslager der Rebellen getroffen worden sei. Ein Luftangriff der syrischen Streitkräfte habe auf ein Waffenlager der Al-Nusra-Front gezielt, "in dem sich chemische Waffen befanden", sagte al-Muallim.

Die Dschihadistengruppe, die sich inzwischen in Fateh-al-Scham-Front umbenannt hat, kämpft wie die rivalisierende Miliz Islamischer Staat (IS) gegen die syrische Armee. Al-Muallim warf beiden Gruppen vor, Chemiewaffen in Wohngebieten deponiert zu haben. Die IS-Miliz hatte laut der UNO in der Vergangenheit bereits Chemiewaffen eingesetzt.

Die USA, Frankreich und Großbritannien machen die syrischen Regierungstruppen für den Angriff in Chan Scheichun verantwortlich. Eine UN-Resolution zu dem Angriff scheiterte jedoch am Mittwoch am Veto Russlands. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach am Donnerstag von einem "barbarischen Angriff", bei dem manches dafür spreche, dass er "vom Assad-Regime ausgegangen ist". Sie bezeichnete es als "Schande", dass keine Resolution zustande komme. Die USA, Frankreich und Großbritannien verlangten am Donnerstag eine erneute Abstimmung über einen leicht geänderten Resolutionstext, der eine Untersuchung des Angriffs fordert.

Israels Verteidigungsminister Avigdor Lieberman sagte, er sei "hundertprozentig sicher", dass der Angriff auf "ein direktes und vorsätzliches Kommando" Assads zurückgehe. Russlands Präsident Putin sprach in einem Telefonat mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu von "unbegründeten Anschuldigungen" und forderte eine "sorgfältige unparteiische internationale Untersuchung".

Das türkische Gesundheitsministerium teilte mit, 31 Verletzte des Angriffs würden in der Türkei behandelt, drei von ihnen seien gestorben. Diese Toten seien in Gegenwart von Vertretern der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) in Adana untersucht worden. Dabei seien Hinweise auf Sarin gefunden worden. Die OPCW erklärte, sie ermittele in dem Fall und sammle alle verfügbaren Informationen.

Zuvor hatte bereits die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) erklärt, ihre Mitarbeiter hätten bei Verletzten Hinweise auf ein Nervengas vom Typ Sarin gefunden. Ärzte, die direkt nach dem Angriff die Verletzten versorgten, waren aufgrund von Symptomen wie Krämpfen, geweiteten Pupillen und Schaum vor dem Mund von einem Chemiewaffen-Einsatz ausgegangen.

Nach Angaben der Aktivisten der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden bei dem Angriff mindestens 86 Zivilisten getötet. Laut UN-Kinderhilfswerk Unicef waren unter den Todesopfern mindestens 27 Kinder. Zudem seien 546 Menschen verletzt worden, darunter zahlreiche Kinder.

US-Präsident Donald Trump deutete eine Kehrtwende in seiner Syrien-Politik an. Mit der Attacke seien für ihn "eine Menge Linien" überschritten worden, sagte er. Seine Einschätzung Assads habe sich "sehr geändert". Die US-Botschafterin bei der UNO, Nikki Haley, drohte im UN-Sicherheitsrat einseitige Aktionen ihres Landes an, ohne nähere Angaben zu machen.

US-Außenminister Rex Tillerson sagte, die USA hätten "keinen Zweifel daran", dass die syrische Führung "für diesen schrecklichen Angriff verantwortlich ist". Tillerson reist kommende Woche nach Moskau. Im Wahlkampf hatte Trump bessere Beziehungen zu Russland angekündigt.

afp

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