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Rauchwolken steigen unweit der türkischen Grenzstadt Kilis auf der syrischen Seite der Grenze auf. Foto: Lefteris Pitarakis

"Operation Olivenzweig"

Türkische Syrienoffensive löst international Besorgnis aus

Die Türkei will die starke kurdische Präsenz in Nordsyrien brechen. Mit Luftangriffen gehen türkische Truppen vor, auch Panzer sind aufgefahren. Ziel der Angriffe sind US-Verbündete, die im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) eine wichtige Rolle hatten.

Istanbul/Berlin - Die türkische Militäroffensive gegen kurdische Milizen im Nordwesten Syriens hat in Berlin und Moskau Besorgnis ausgelöst. "Wir beobachten die Entwicklung dieser Situation sehr genau", teilte das russische Außenministerium in Moskau mit.

Man fordere alle Seiten zur Zurückhaltung auf. Auch aus dem Auswärtigen Amt in Berlin hieß es: "Wir rufen alle Beteiligten auf, jetzt besonnen zu handeln und keine neue Gewalt aufkommen zu lassen."

Die Türkei begann am Samstag eine groß angelegte Offensive gegen kurdische Truppen im Nordwesten Syriens. Die vom Generalstab am Samstag verkündete "Operation Olivenzweig" zielt auf die mit den USA verbündeten kurdischen Volksschutzeinheiten YPG in der Enklave Afrin. Türkische Kampfflugzeuge bombardierten übereinstimmenden Berichten zufolge Stellungen der YPG. Der türkische Regierungschef Binali Yildirim kündigte für Sonntag den Einsatz von Bodentruppen an, wie die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu berichtete.

Mittlerweile sind nach einem Bericht auch von der Türkei unterstützte Rebellen vorgerückt. Kämpfer der Freien Syrischen Armee seien in die von den YPG kontrollierte Enklave Afrin eingedrungen, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Sonntag. Details waren zunächst nicht bekannt. Auch eine Bestätigung von syrischer Seite lag zunächst nicht vor.

Die kurdische Nachrichtenagentur Firat berichtete, bei den Angriffen seien am Samstag sechs Zivilisten und drei kurdische Kämpfer getötet worden. Anadolu meldete, es gebe Tote und Verletzte, die alle der YPG angehörten. Beide Seiten berichteten übereinstimmend, es seien mehr als 100 Ziele aus der Luft angegriffen worden.

Die YPG, die das Militärbündnis der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) anführen, sind der syrische Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK in der Türkei. Die USA haben die YPG im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) mit Waffen ausgerüstet, was Ankara empört. Ankara fühlt sich von einer starken kurdischen Präsenz an seiner Grenze bedroht. Die PKK ist in der Türkei, der EU und in den USA als Terrororganisation eingestuft.

Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan sagte, nach der Afrin-Offensive solle ein Angriff auf die Region um die Stadt Manbidsch folgen. Diese wird ebenfalls von einem Bündnis unter Führung der kurdischen Volksschutzeinheiten YPG kontrolliert.

Es war zunächst unklar, ob türkische Truppen die Grenze nach Syrien überschritten hatten. Russland zog seine Truppen aus der Region um die Stadt Afrin ab. Man habe sich zu dem Schritt entschlossen, um die Sicherheit der russischen Soldaten zu gewährleisten, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau der Agentur Tass zufolge mit.

Der scheidende Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir hinterfragte die deutsche Haltung zur türkischen Regierung, nachdem Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) in seiner Heimatstadt Goslar seinen türkischen Amtskollegen Mevlüt Cavusoglu empfangen hatte. "Während das Regime in Ankara den #ISIS Barbaren Unterschlupf gewährte, haben #Kurden für den Westen gekämpft. Jetzt lässt sie #Erdogan bombardieren. Gibts in #Goslar bald wieder eine #Teezeremonie für #Cavusoglu?", schrieb Özdemir auf Twitter.

Bereits 2016 marschierte die Türkei an der Seite von pro-türkischen Rebellen in den Norden Syriens ein. Damals war das Ziel offiziell die Vertreibung von Dschihadisten der Terrormiliz Islamischer Staat von der eigenen Grenze. Die Aktion traf jedoch auch kurdische Einheiten.

dpa

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