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Steinmeier- und „Leberwurst“-Eklat - Klitschko macht Druck auf Selenskyj: „Deutschland war blamiert“

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Von: Magdalena von Zumbusch

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Ein ausgeladener Bundespräsident: Der Eklat beschäftigt Olaf Scholz und Wolodymyr Selenskyj weiterhin. Wladimir Klitschko fordert nun eine Geste von Kiew.

Kiew – Im April hatte die Ukraine Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier von einem Besuch ausgeladen. Die Nachwehen des Eklats sind bis heute zu spüren. Nun fordert Wladimir Klitschko eine Lösung von Wolodymyr Selenskyj: Eine nachgeholte Einladung.

Klitschko hatte die Ausladung schon Mitte April kritisiert: Es sei „enorm wichtig, dass die Ukraine mit Deutschland und der gesamten Europäischen Union eine gemeinsame Front gegen die russische Invasion zeige. Ich hoffe, dass der Besuch des Bundespräsidenten nur aufgeschoben ist und dieser in den kommenden Wochen nachgeholt werden kann“, twitterte er damals.

Ukraine-Eklat: Klitschko hofft auf Steinmeiers Besuch „in den kommenden Wochen“

Am Dienstag (3. Mai) wiederholte er auf Twitter seine Hoffnung, dass der ukrainische Präsident eine Einladung Steinmeiers nachholen werde. Ein „politisch ausgewogener Schritt“ sei nötig, Deutschland debattiere immer noch über die Vorfälle. Mitten im Ukraine-Krieg sei nicht die Zeit für Emotionen und unnötige Eloquenz.

Mit den „eloquenten“ Aussagen der ukrainischen Regierung meinte Wladimir Klitschko womöglich eine Äußerung Wolodymyr Selenskyjs, der sich über die freundschaftliche Russland-Politik Steinmeiers in der Vergangenheit geärgert hatte. „Die Ukraine ist ein freies Land. Wir können es uns leisten, uns mit jenen zu umgeben, die uns wirklich unterstützen, uns mit echten Freunden zu umgeben“, hatte dieser Mitte April erklärt.

Wladimir Klitschko reagierte mit seinem neuerlichen Tweet auch auf eine weitere Spitze der Ukraine: Botschafter Andrij Melnyk hatte das Nein Scholz‘ zu einer Kiew-Reise nach dem Eklat um Steinmeier scharf kritisiert. „Eine beleidigte Leberwurst zu spielen klingt nicht sehr staatsmännisch“, sagte Melnyk der dpa. „Es geht um den brutalsten Vernichtungskrieg seit dem Nazi-Überfall auf die Ukraine, es ist kein Kindergarten.“ „Undiplomatische Äußerungen“ Melnyks hätten Öl ins Feuer gegossen, urteilte Klitschko nun.

Deutschland im Ukraine-Konflikt: Steinmeier von Kiew ausgeladen, Melnyk stichelt

Selenskyj hatte Mitte April in Kiew die Staatspräsidenten Polens, Lettlands, Litauens und Estlands in Kiew empfangen. Der Besuch wurde nach Angaben Polens auf gemeinsame Initiative organisiert. Eigentlich wollte auch Steinmeier anreisen. Kurz vor dem Termin hieß es aber aus der Ukraine, die Teilnahme Steinmeiers sei aus logistischen Gründen nicht möglich - was Steinmeier als klare Ausladung einstufte.

Zuvor hatte der ukrainische Botschafter in Berlin, Andrij Melnyk, den Bundespräsidenten mit scharfen Worten kritisiert und ihm vorgeworfen, „seit Jahrzehnten ein Spinnennetz der Kontakte mit Russland geknüpft“ zu haben. Er bezog sich dabei vor allem auf Steinmeiers frühere Tätigkeiten als Bundesaußenminister und Kanzleramtsminister. Die ukrainische Regierung teilt diese Auffassung wohl.

Kanzler Olaf Scholz hatte eine einige Tage später angesetzte Reise in die Ukraine abgesagt. „Es kann nicht funktionieren, dass man von einem Land, das so viel militärische Hilfe, so viel finanzielle Hilfe leistet, das gebraucht wird, wenn es um die Sicherheitsgarantien geht, die für die Zeit der Ukraine in der Zukunft wichtig sind, dass man dann sagt, der Präsident kann aber nicht kommen“, so Steinmeier.

Melnyk hatte zuletzt auch erklärt, Selenskyj würde sich weiterhin freuen, Scholz in Kiew empfangen zu dürfen - aber hinzugefügt, dass man sich vor allem über mehr Waffenlieferungen freuen würde: „Worauf sich die Ukraine viel mehr als auf alle symbolischen Besuche freuen würde, ist, dass die Ampel-Regierung den Antrag des Bundestages über die Lieferung von schweren Waffen zügig umsetzen wird und die bisherigen Zusagen erfüllt.“ Er kritisierte, dass für die versprochenen Gepard-Flugabwehrpanzer noch immer keine Munition gefunden worden sei. (dpa)

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