Viele Minister wäre komplett unbekannt

So könnte Udes Kabinett aussehen

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München - Wer regiert, wenn Ude entgegen allen Umfragen doch gewinnt? Bayern würde im Falle eines Dreier-Bündnisses aus SPD, Grünen und Freien Wählern völlig neue Minister kennenlernen. Ein Überblick.

Nein, das Wort „Schattenkabinett“ kommt Christian Ude nicht über die Lippen. Denn genau genommen hat der Spitzenkandidat der SPD noch nicht einmal ein Bündnis für eine Machtübernahme nach der Wahl am 15. September. Eins nach dem anderen, sagt sich Ude. Er selbst hat ein Kompetenzteam aufgestellt, das ihn inhaltlich berät – eine Garantie für ein späteres Amt ist das aber nicht. Posten würden erst parallel zum Koalitionsvertrag ausgeschachert. Trotzdem: Einige Parteifreunde hat Ude bereits konkret benannt. Und auch in anderen Parteien gibt es klare Präferenzen. Nicht alle können zum Zuge kommen – die Verfassung sieht eine Obergrenze von 18 Kabinettsposten vor.

Ministerpräsident

Den stellt die stärkste Regierungsfraktion – in einer Dreierkonstellation fast sicher Ude. Würde die SPD am Wahltag hinter die Grünen zurückfallen, dürfte es kaum zur Mehrheit für das Bündnis reichen. Spitzenkandidatin der Grünen ist Margarete Bause.

Inneres

Franz Schindler (SPD) hat sich einen Namen im Landtag gemacht. Mit dem Rechts- sowie dem NSU-Untersuchungsausschuss leitete der 57-Jährige gleich zwei wichtige Gremien. Dabei ging der Oberpfälzer so umsichtig vor wie im Fall Mollath – er genießt parteiübergreifend Respekt, auch in der CSU. Alternativ könnte je nach Konstellation Florian Streibl (FW) ins Amt kommen.

Justiz

Im Fall Mollath engagierte sich Florian Streibl mit Feuereifer und großer Nähe zum Patienten, er klagte vehement über Bayerns Justiz. Bekannt wurde der Oberammergauer, Sohn eines CSU-Ministerpräsidenten, damit zweifellos. Der 50-Jährige ist Volljurist. Mancher im Ministerium würde vor ihm zittern. Alternative: Franz Schindler.

Finanzen

Horst Seehofer suchte tagelang einen Finanzminister, ehe er Markus Söder fand. Warum soll’s der Opposition anders gehen? Auch hier drängt sich kein Kandidat auf. Ude benennt aber klar Fraktions-Finanzpolitiker Volkmar Halbleib. Der Jurist (49) aus Würzburg ist überregional kaum bekannt, gilt aber als seriös.

Schule 

Das auf Landesebene wichtige Kultusressort streben vor allem die Grünen an – allen voran Fraktionschefin Margarete Bause (54). Die Schwabingerin gilt als strikte Verfechterin einer Gemeinschaftsschule – allerdings gehen hier die Meinungen im Dreierbündnis auseinander. Bei Koalitionsverhandlungen könnte das einer der Knackpunkte sein.

Wirtschaft

Weder bei Grünen noch Freien drängt sich hier jemand auf. Deshalb hat Werner Widuckel (SPD, 54) aus Udes Kompetenzteam die besten Chancen. Der ehemalige Audi-Personalvorstand, bis 2010 im Vorstand des Ingolstädter Konzerns, gilt als kompetent. Der Quereinsteiger kandidiert in Eichstätt.

Hochschule

Einer der profiliertesten Hochschulpolitiker im Landtag ist Michael Piazolo (Freie Wähler). Der Politikprofessor aus München hält dem impulsiven Hubert Aiwanger oft inhaltlich den Rücken frei. Der 53-Jährige initiierte zudem das erfolgreiche Volksbegehren gegen Studiengebühren. Christian Ude hat das Amt zwar Julian Nida-Rümelin in Aussicht gestellt. Doch die SPD wird nicht alle Ministerien besetzen können.

Ländlicher Raum

Das Ressort würden sich die Freien Wähler kaum nehmen lassen, um sich als Schutzmacht der kleinen Leute zu inszenieren. Ihr Multi-Chef Hubert Aiwanger (42) äußerte sich intern widersprüchlich, ob er ins Kabinett will. Innenminister fände er toll (die anderen nicht so). Wahrscheinlich würde der Niederbayer auch zugreifen, wenn das Agrarressort zusätzliche Kompetenzen erhält. Alternativen: neben mehreren Grünen-Politikern die forsche SPD-Frau Maria Noichl aus Rosenheim.

Soziales

Gesundheit, Rente, Pflege sind Kernthemen der Sozialdemokraten. Hier käme der Münchner Hans-Ulrich Pfaffmann in Frage. Da aber auch die Grünen zum Zuge kommen müssen und auch der Regionalproporz zu beachten ist (insgesamt ist das Personalangebot sehr Oberbayern-lastig), könnte Theresa Schopper (52) bessere Chancen haben. Die Grünen-Chefin kandidiert in Schwaben.

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Umwelt

Kernkompetenz der Grünen, die mit dem Freisinger Startbahngegner Christian Magerl einen manchmal schrillen, aber erfahrenen Experten aus ihrer Fraktion aufbieten können. Der promovierte Zoologe (58) kam 1986 in den Landtag, er verstörte die CSU damals mit einem Mitbringsel: eine Kiste verstrahltes Heu. Würden die Ministerien neu geordnet, etwa Umwelt und Energie gebündelt, hätte auch Ludwig Hartmann Ambitionen.

Manövriermasse

Den Chef der Staatskanzlei, nicht zwingend im Ministerrang, wird sich Ude wohl aus der eigenen Partei holen – es geht da um eine besondere Vertrauensposition. Markus Rinderspacher wäre eine Option. Ob es einen Minister für Bundes- und Europafragen gibt, ist ungewiss. Staatssekretär – das traut man einigen, auch jüngeren, zu. Natascha Kohnen (SPD, Forschung), Parteifreundin Isabell Zacharias (Bildung) oder die Freie-Wähler-Generalistin Tanja Schweiger kämen mindestens dafür in Frage. Jederzeit sind auch externe Besetzungen erlaubt. Eine Sonderrolle für Inklusion und für die Olympia-Bewerbung bekäme die blinde Sportlerin Verena Bentele (SPD).

Mike Schier und Christian Deutschländer

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