Corona-Test wird durchgeführt
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Corona-Tests sind in Bayern kostenlos

Trotz hoher Belastung der Labore

Bayern verteidigt kostenlose Corona-Tests

  • Sebastian Horsch
    vonSebastian Horsch
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Die stetig steigende Zahl von Corona-Proben bringt viele Labore an die Grenzen der Belastbarkeit. Bayern will die Tests trotzdem weiter für alle kostenlos anbieten. Der Ärztekammer-Präsident hält das für einen Fehler. 

München – Die Zahlen zeichnen ein deutliches Bild. 1 567 083 Corona-Tests haben 191 vom Robert-Koch-Institut (RKI) befragte Labore in der vergangenen Woche bundesweit durchgeführt. 69 von ihnen meldeten zudem einen Rückstau von insgesamt 98 931 abzuarbeitenden Proben. Denn die Kapazitäten sind oft bis zum Anschlag ausgelastet – mancherorts auch darüber hinaus.

Es sei deshalb „dringend geboten“, den Einsatz der Tests zu priorisieren“, teilt das RKI mit. Und zwar „im Hinblick auf den angestrebten Erkenntnisgewinn“ und „in Abhängigkeit freier Testkapazitäten“. Deutlicher spricht es Michael Müller aus, der Vorsitzende des Verbands der Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM): „Für zusätzliche, großzügige und ungezielte Testkonzepte auf Landesebene verbleibt kein Spielraum mehr.“ Die Mitarbeiter in den Laboren seien am Rande ihrer physischen und psychischen Belastbarkeit und die Materialien knapp. „Es werden immer noch zu viele asymptomatische und damit Personen mit sehr niedriger Priorität getestet“, warnt Müller.

Gemeint ist Bayern. Denn dass sich hier jeder – auch ohne Symptome – auf Kosten des Freistaats testen lassen kann, ist ein Kernelement der bayerischen Teststrategie. Und daran will die Staatsregierung vorerst nicht rütteln – auch wenn sie diese Strategie natürlich ständig an die aktuelle Lage anpasse. Die „Testung für jedermann“ sei „eine wichtige Säule“, sagt ein Sprecher des Gesundheitsministeriums unserer Zeitung. „In den ersten drei Monaten haben in der ambulanten Versorgung knapp 710 000 Corona-Tests nach diesem bayerischen Testprogramm stattgefunden.“

Die Kapazitäten habe die Staatsregierung sehr genau im Blick. Das Ministerium stehe „in einem kontinuierlichen Austausch mit Vertretern der Labore, Herstellern, Ärzteschaft und Universitätsmedizin, um sicherzustellen, dass ausreichend Labor- und Testkapazitäten vorhanden sind und bestehende Testkapazitäten effizient genutzt werden.“ Bislang würden durchschnittlich etwa 42 000 Proben pro Tag abgerufen. Und es sei „übrigens festzustellen, dass die ,Testung für jedermann‘ in der Laborauslastung eine eher nachrangige Rolle spielt“, betont der Ministeriumssprecher.

Doch das sehen nicht alle im Freistaat so. „Die bislang praktizierte Corona-Teststrategie führt leider, wie ich befürchtet habe, zu einer Überlastung der Labore“, sagt Bayerns Ärztekammerpräsident Gerald Quitterer unserer Zeitung. Zudem gebe es teilweise bereits Lieferengpässe bei den benötigten Reagenzien. Quitterer spricht sich deshalb für eine Konzentration auf Patienten mit Symptomen, Risikogruppen, medizinisches Personal, und Patienten aus, die vor einem Krankenhausaufenthalt oder einer Aufnahme ins Pflegeheim stehen. „Zudem sollte baldmöglichst auf gesicherter Grundlage eine Entscheidung über den Einsatz von Schnelltests getroffen werden“, fordert Quitterer.

Das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) teilt auf Anfrage unserer Zeitung mit, die verstärkte Nutzung von Antigen-Schnelltests – „die in ausgewählten Nutzungsszenarien eine gewinnbringende Erleichterung bieten können“ – werde gerade geprüft.

Eine ganz andere Idee, um Labor-Kapazitäten zu sparen, hat Bayerns FDP-Chef Daniel Föst. Er fordert die Staatsregierung auf, die Testpflicht für Grenzpendler aufzuheben. Denn, so Föst: „Das Coronavirus kennt keine Staatsgrenzen.“

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