Trotz vereinbarter Waffenruhe

Neue Spannungen in der Ukraine: Fünfjähriger Junge getötet? Armee und Rebellen erheben Vorwürfe

Nach dem Tod eines Fünfjährigen werfen sich die Ukraine und prorussische Rebellen gegenseitig Angriffe vor. Deutschland und Frankreich zeigen sich besorgt.

Kiew - Im ostukrainischen Konfliktgebiet Donbass haben sich die Ukraine* und prorussische Rebellen am Wochenende gegenseitig Angriffe vorgeworfen. Die ukrainische Armee wies am Sonntag die Verantwortung für den Tod eines fünfjährigen Kindes bei der Ortschaft Olexandriwske im Donezker Separatistengebiet zurück. Die Streitkräfte setzten ihre Waffen niemals gegen Zivilisten oder zivile Objekte ein, sagte ein Pressesprecher auf Anfrage der dpa. Am Samstag hatten prorussische Separatisten im Donezker Gebiet den Regierungstruppen den Tod des Kindes angelastet.

Mittels einer Drohne sei ein Sprengsatz abgeworfen worden, der den Jungen getötet und seine über 60 Jahre alte Großmutter schwer verletzt habe. Unabhängige Bestätigungen lagen dafür zunächst nicht vor. Der Ort Olexandriwske befindet sich etwa 14 Kilometer von der Front entfernt. 2015 fanden in dem Gebiet schwere Kämpfe statt. Am Freitag sei außerdem im Luhansker Separatistengebiet ein Kämpfer getötet worden. Auf Regierungsseite wurde Armeeangaben zufolge im Donezker Gebiet bei der Siedlung Schumy ein Soldat durch einen unbekannten Sprengsatz getötet. Davor war über die Verwundung zweier weiterer Soldaten informiert worden.

Ukraine-Konflikt - Deutschland und Frankreich besorgt über Verstöße gegen Waffenruhe

Deutschland und Frankreich, die sich im Normandie-Format mit für eine Lösung des Ukraine-Konflikts bemühen, zeigten sich „besorgt über die steigende Zahl der Waffenstillstandsverletzungen“, nachdem sich die Lage zwischenzeitlich stabilisiert habe. „Wir beobachten die Situation, insbesondere die Bewegungen russischer Truppen, sehr aufmerksam und rufen die Parteien zur Zurückhaltung und sofortigen Deeskalation auf“, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung des Auswärtigen Amtes und des französischen Außenministeriums.

Erhöhte Spannungen in der Ostukraine hatten zuletzt international Besorgnis ausgelöst. Beobachtern der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) zufolge liegt die Zahl an Verstößen gegen die Waffenruhe jedoch weiter deutlich unter den Werten des Vorjahres.

Ostukraine: Seit Beginn 2021 mindestens 21 Soldaten getötet - trotz vereinbarter Waffenruhe

Seit knapp sieben Jahren kontrollieren Aufständische Teile der Gebiete Donezk und Luhansk entlang der russischen Grenze. UN-Schätzungen zufolge wurden seitdem mehr als 13.000 Menschen getötet. Trotz vereinbarter Waffenruhe wurden seit Jahresbeginn auf Regierungsseite mindestens 21 Soldaten getötet. Im gleichen Zeitraum sind Angaben der Separatisten zufolge etwa 23 Menschen getötet worden. Ein 2015 vereinbarter Friedensplan liegt auf Eis.

Das Internationale Rote Kreuz wies unterdessen darauf hin, dass der Donbass zu den am stärksten verminten Gebieten weltweit zähle. Vor allem Kinder stießen beim Spielen immer wieder auf explosive Überreste und würden verletzt oder getötet, hieß es in einer Mitteilung. Auch das ukrainische Außenministerium betonte anlässlich des „International Mine Awareness Day“ am Sonntag die Gefahr durch Minen im Konfliktgebiet. (dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Die Spannungen im Ukraine-Konflikt* schaukeln sich hoch. Eine mutmaßliche Truppenverlegung Russlands sorgt für Aufruhr in Kiew und Washington.

Rubriklistenbild: © Evgeniy Maloletka

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