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Geheimdienst schildert dramatisches Ukraine-Geschehen: Einige Putin-Truppen flohen in „Panik“

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Von: Andreas Schmid

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Ein in Charkiw zurückgelassener russischer Militärvan.
Ein in Charkiw zurückgelassener russischer Militärvan. Vor wenigen Tagen verließen die Truppen die ostukrainische Stadt. © IMAGO/Vyacheslav Madiyevskyy

Aufgrund der ukrainischen Gegenoffensive zogen mehrere russische Truppen ab. Einige geordnet, andere in „offensichtlicher Panik“, wie der britische Geheimdienst meldet.

Charkiw/London – Ob die ukrainische Gegenoffensive schon ein Wendepunkt im Krieg ist, scheint unklar – der Militärexperte Gustav Gressel hält das im Merkur-Interview für wahrscheinlich. Die ukrainische Armee erzielte jedenfalls in den vergangenen Tagen große Erfolge. Mehrere Gebiete konnten von den russischen Besatzern zurückerobert werden. Städte wie Isjum oder Gebiete rund um den Fluss Oskil nahe Charkiw. „Dort haben sich russische Streitkräfte weitgehend zurückgezogen“, heißt es dazu im aktuellen Lagebericht des britischen Geheimdienstes.

Russische Truppen ziehen aus Ostukraine ab: „Offensichtliche Panik“ bei Soldaten?

Der Rückzug sei unterschiedlich erfolgt, heißt es am Donnerstag aus London. „Einige Einheiten haben sich relativ gut geordnet und unter Kontrolle zurückgezogen, während andere in offensichtlicher Panik geflohen sind.“ Schon zuvor gab es Berichte über abrupte russische Rückzüge in vormals besetzten Gebieten wie Isjum.

Außerdem schreibt das britische Verteidigungsministerium, dass russische Truppen „hochwertiges Equipment“ zurückgelassen hätten, etwa Radarsysteme. „Das verdeutlicht den unorganisierten Rückzug einiger russischer Truppen“ heißt es in dem Bericht. Möglich seien „lokale Zusammenbrüche in der Befehls- und Kontrollstruktur“.

Der Kreml bestätigte den Rückzug einiger seiner Truppen aus der Ostukraine. Offiziell begründete Moskau die Lage mit einer strategischen „Umgruppierung“ der eigenen Einheiten. Ungeachtet der jüngsten Misserfolge will Russland den Ukraine-Krieg auch weiterführen. „Die militärische Spezialoperation wird fortgesetzt“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Montag. London erklärte wiederum, dass die Ukraine die Kontrolle über die befreiten Gebiete „festige“.

Großbritannien im Ukraine-Krieg

Der britische Geheimdienst veröffentlicht seit Kriegsbeginn Informationen zum Kriegsverlauf. In der Regel via Twitter. Damit will die britische Regierung laut eigenen Aussagen sowohl der russischen Darstellung entgegentreten als auch Transparenz im Gegensatz zu Moskau zeigen, Verbündete bei der Stange halten und möglichst Menschen in Russland erreichen, die sonst nur die Kreml-Deutung des Kriegs erreicht. Der gestürzte Briten-Premier Boris Johnson galt als ein enger Verbündeter von Ukraine-Präsident Wolodymyr Selenskyj. Moskau wirft London eine gezielte Desinformationskampagne vor.

Ukraine-Krieg: Berichte über geschwächte Russland-Truppen

Anfang der Woche hatte der britische Geheimdienst bereits von geschwächten russischen Truppen berichtet. Insbesondere in der Anfangsphase des Krieges habe es schwere Verluste gegeben, von denen sich die Truppen nicht erholt hätten, hieß es am Dienstag. Betroffen sei etwa die Erste Gardepanzerarmee. Teile dieser Einheit, die zu den prestigeträchtigsten des russischen Militärs gehöre, hätten sich in der vergangenen Woche aus der Region Charkiw zurückgezogen. Einige Militärexperten fällten ein vernichtendes Urteil über Putins Armee. (as)

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