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Ukrainische Soldaten in der Region Donezk

Auch andernorts erbitterte Gefechte

Ukraine-Konflikt: Donezk unter Dauerfeuer

Donezk - In der Ostukraine liefern sich Aufständische und Regierungskräfte weiter erbitterte Gefechte. Die Rebellenhochburg Donezk steht derzeit unter Dauerfeuer. Erneut kamen Zivilisten ums Leben.

Ukrainische Regierungstruppen haben die östliche Rebellenhochburg Donezk am Sonntagmorgen unter heftigen Artilleriebeschuss genommen. Eine AFP-Reporterin hörte vom Stadtzentrum aus mehr als 20 Explosionen. Nach Angaben des Bürgermeisteramtes wurde ein Privathaus von einem Geschoss zerstört, auch ein Krankenhaus wurde demnach schwer beschädigt. In der Nähe sei eine Frau verletzt worden.

Anderen Berichten zufolge wurden bei den Gefechten mindestens zwei Zivilisten getötet. Die Armee habe die Großstadt eingekesselt und ziehe den Ring immer enger, teilten die Aufständischen mit.

Separatistenführer Alexander Sacharschenko rief die Führung in Kiew erneut zu einer Feuerpause auf. "Wir sind zu einem Waffenstillstand bereit, um die zunehmende humanitäre Katastrophe abzuwenden", erklärte der Regierungschef der selbsterklärten Volksrepublik Donezk, Alexander Sacharschenko. Sollten die Regierungskräfte aber einmarschieren, würden sie ihr "Stalingrad" erleben. Bei der Weltkriegsschlacht um die russische Stadt Stalingrad waren 1942/43 mindestens 700.000 Menschen getötet worden und die deutsche Wehrmacht hatte eine verheerende Niederlage erlitten.

Ukrainische Armee lehnt Forderung der Separatisten nach Feuerpause ab

Die Armee eine Feuerpause abgelehnt. Die erklärte Bereitschaft der Separatisten zu einer Waffenruhe sei lediglich eine „Aussage ohne Taten“, teilte der nationale Sicherheitsrat in Kiew am Sonntag mit. „Das Hissen der weißen Fahne oder die Abgabe der Waffen: Das sind konkrete Handlungen“, sagte Sprecher Andrej Lyssenko. Aber die Aufständischen in der umkämpften Großstadt Donezk würden keine praktischen Schritte unternehmen.

Auch um die strategisch wichtige Stadt Krasny Lutsch gibt es weiter erbitterte Gefechte zwischen Aufständischen und Regierungskräften. Der Sicherheitsrat in Kiew widersprach Berichten, wonach der Ort bereits in den Händen der Armee sei. „Die Kämpfe dauern unvermindert an“, sagte Sprecher Andrej Lyssenko am Sonntag.

Die prorussischen Kräfte berichteten von Gebietsgewinnen in den Vororten. Krasny Lutsch liegt zwischen den Separatistenhochburgen Donezk und Lugansk. Wer die Stadt beherrscht, kontrolliert auch eine wichtige Straße zur russischen Grenze.

Poroschenko will Hilfskonvoi nach Lugansk erlauben

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko ist nach eigenen Angaben bereit, einen Hilfskonvoi nach Lugansk zu lassen. Bedingung dafür sei jedoch, dass die Mission von einem internationalen Team ohne militärische Begleitung geführt werde, sagte Poroschenko nach Angaben seines Büros in einem Telefonat mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Samstag. Der ukrainische Präsident sagte demnach der Kanzlerin, er sei deswegen bereits im Gespräch mit dem Präsidenten des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Peter Maurer.

Das IKRK bestätigte, dass aus Russland eine Anfrage für die Organisation humanitärer Konvois eingegangen sei. Es habe diese aber nicht beantwortet.

Die Führung in Kiew hatte zuvor berichtet, eine als Hilfskonvoi getarnte russische Militärkolonne an der Grenze gestoppt zu haben. Es bestehe "Grund zur Annahme, dass der Konvoi dazu hätte genutzt werden können, die Spannungen weiter zu verschärfen". Moskau wies die Vorwürfe zurück.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow forderte die USA in einem Telefonat mit US-Außenminister John Kerry auf, das russische Projekt einer "humanitären Mission in Koordinierung mit allen zuständigen internationalen Organisationen" zu unterstützen. Kerry sagte, Russland dürfe nicht "unter dem Deckmantel eines humanitären Konvois oder eines anderen Vorwands der 'Friedenssicherung'" in die Ostukraine einmarschieren.

MH17-Bergungshelfer aus Ukraine ausgeflogen - 65 Opfer identifiziert

Unterdessen wurden nach dem vorläufigen Abbruch der Bergungsarbeiten im Absturzgebiet der malaysischen Passagiermaschine nahezu alle internationalen Experten in die Niederlande gebracht worden. Flugzeuge mit rund 200 Fachleuten aus den Niederlanden, Australien und Malaysia landeten am späten Samstagabend in Eindhoven. Zuvor waren 142 Helfer wegen erneuter Kämpfe zwischen Regierungstruppen und prorussischen Rebellen aus der Ostukraine nach Holland ausgeflogen worden.

Gerichtsmediziner haben bis zum Wochenende 65 der 298 Opfer identifiziert, wie das Justizministerium in Den Haag mitteilte. Die Angehörigen seien informiert worden. Die Bemühungen um Zuordnung von Leichen sowie persönlichen Gegenständen würden wahrscheinlich noch mehrere Monate in Anspruch nehmen. Insgesamt konnten dem damit in einer Kaserne in Hilversum beschäftigten internationalen Team 176 Leichen sowie 527 Leichenteile übergeben werden.

Die Bergungsarbeiten im Gebiet des mutmaßlichen Abschusses der malaysischen Passagiermaschine am 17. Juli sollen nach Angaben des niederländischen Ministerpräsidenten Mark Rutte fortgesetzt, sobald die Sicherheit der Einsatzkräfte gewährleistet ist.

AFP/dpa

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