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Ukraine-Invasion durch Russland schon am Mittwoch? Geheimdienst will Putins Plan enthüllt haben

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Dieses vom Pressedienst des russischen Verteidigungsministeriums veröffentlichte Videostandbild zeigt den Blick aus dem Cockpit eines russischen Su-30SM-Kampfjets, der während gemeinsamer Militärübungen über Belarus fliegt.
Blick aus dem Cockpit eines russischen Su-30SM-Kampfjets, der während gemeinsamer Militärübungen über Belarus fliegt: Was plant Putin? © picture alliance/dpa/Russian Defense Ministry Press Service/AP

Westliche Geheimdienste vermuten, Russland könnte die Ukraine in drei Phasen angreifen. Der Kreml kündigte unterdessen an, einen Teil seiner Truppen von der ukrainischen Grenze abzuziehen.

Kiew - Während Bundeskanzler Olaf Scholz in Moskau noch nach einer diplomatischen Lösung im Ukraine-Konflikt sucht, rechnen westliche Geheimdienste mit einem unmittelbar bevorstehenden Einmarsch russischer Truppen im Nachbarland. Wie die Bild unter Berufung auf eine nicht näher genannte „hochrangige Sicherheitsquelle“ berichtet, könnte Russland die Ukraine an drei Flanken angreifen: „vom Norden der Krim, durch die Separatisten-Gebiete im Osten und von Norden aus“.

Insider aus dem Umfeld der Nato rechneten hingegen mit einer Invasion in drei Phasen, so Bild. Dabei könnte der Angriff allerdings schon nach jeder der drei Phasen beendet sein, sofern Putin die Lage aufgrund westlicher Reaktionen neu bewerte. Wenn er denn überhaupt angreifen will.

Ukraine-Krise: Dreistufiger Angriffsplan?

In einer ersten Phase, so ein Sicherheitsbeamter gegenüber Bild, würde Russland den Süden der Ukraine angreifen, „um sowohl die Versorgung der Krim zu sichern als auch die Ukraine vom Meer und damit vom Nachschub abzuschneiden“. Über Landungsschiffe, die im Frühjahr in die Region verlegt worden waren, sollen „Panzer und Truppen von der Krim aus in das Gebiet rund um Odessa“ befördert werden.

Eine andere Quelle, so Bild, spreche von einer „amphibischen Landeoperation“ östlich von Odessa und einem weiteren Vorstoß bis nach Transnistrien. Gleichzeitig solle es demnach Luftlandeoperationen von Spezialeinheiten in der Region Cherson geben, um die Brücken des Flusses Dnepr zu blockieren und die ukrainischen Truppen vom Nachschub abzuschneiden. Außerdem würden in dieser ersten Phase russische Panzerverbände vom Donbass nach Westen vorstoßen. Damit wäre schließlich der gesamte Süden der Ukraine unter russischer Kontrolle und ein russisch besetzter Korridor bis zur Nato-Grenze in Rumänien geschlagen.

Ukraine-Russland-Konflikt: Mehrere Phasen könnten eintreten

In einer zweiten Phase stünde der Nordosten der Ukraine im Fokus des Angriffs. Noch parallel zur ersten Phase würde Russland mit seiner Luftwaffe und ballistischen Raketen das ukrainische Militär schwächen, um anschließend mit Panzerverbänden die Grenze in den Regionen Lugansk und Charkiw zu überqueren. Ziel sei zunächst ein Vorstoß zu den Großstädten Dnipro und Poltawa. „Die Städte würden sie erst mal umrunden beziehungsweise einkesseln und ihnen Strom, Gas und Nahrungsversorgung abstellen“, zitiert Bild einen nicht namentlich genannten Offizier. „Nach ein paar Wochen können sich die Russen dann als Retter der Zivilisten feiern, in die kapitulierenden Städte eindringen und die ukrainische Bevölkerung vor dem Hunger- oder Kältetod bewahren.“

Phase drei eines möglichen russischen Angriffs hätte Kiew zum Ziel. Die ukrainische Hauptstadt würde von Nordosten her angegriffen, so Bild unter Berufung auf eine Quelle: „Natürlich könnte das auch schon zu Beginn des Krieges passieren, wenn es die Umstände erfordern.“ Gleichzeitig zum Vormarsch auf Kiew würde ein massiver Angriff aus Belarus erfolgen, wo Russland Tausende Soldaten und Panzer stationiert hat. Die geschätzt 30.000 weiteren russischen Soldaten, die sich derzeit für ein Manöver in Belarus befinden, könnten in einer dritten Angriffsphase ebenfalls zum Einsatz kommen und die Ukraine von Norden aus angreifen.

Ukraine-Krise: Angriff laut US-Geheimdiensten bereits am Mittwoch möglich

Ob der russische Staatschef Wladimir Putin diese Pläne allerdings wirklich verfolgt, ist derzeit noch völlig offen. Russland hat Behauptungen, ein Angriff auf die Ukraine stünde unmittelbar bevor, stets zurückgewiesen. US-amerikanische Geheimdienste hingegen hatten in der vergangenen Woche erklärt, Russland könne bereits am Mittwoch (16. Februar) mit einer Invasion seines Nachbarlandes beginnen. Als Reaktion darauf erklärte der ukrainische Präsident Selenskyj den Mittwoch zum Tag der nationalen Einheit. „Zeigen wir der ganzen Welt unsere Einigkeit“, beschwor Selenskyi sein Volk. Die Ukrainer sollten am Mittwoch um zehn Uhr Ortszeit die Nationalhymne singen und die Landesflagge hissen.

Bundeskanzler Scholz wird am Dienstag zu Gesprächen mit Putin im Kreml erwartet. Im Vorfeld der heiklen diplomatischen Mission sagte der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe: „Nur ein klipp und klares Ultimatum an Herrn Putin mit einer Deadline, seine bis zu den Zähnen bewaffneten Horden nicht später als am 16. Februar zurückzubeordern, kann noch den Weltfrieden retten.“ Am Montag hatte Scholz seinen ukrainischen Amtskollegen Selenskyi in Kiew getroffen und der Ukraine dabei finanzielle Unterstützung zugesichert. Auf den Wunsch der Ukraine nach Waffenlieferungen war der SPD-Politiker hingegen nicht eingegangen.

Westlichen Angaben zufolge hat Russland mehr als 100.000 Soldaten in der Nähe zur ukrainischen Grenze stationiert. Am Dienstag erklärte der Kreml, einen Teil dieser Soldaten wieder abziehen zu wollen. Einheiten aus den Militärbezirken im Süden und Westen Russlands hätten ihre „Aufgaben erfüllt“ und würden sich noch im Laufe des Tages auf den Weg zurück in ihre Militärbasen machen, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums nach Angaben von russischen Nachrichtenagenturen am Dienstag. Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu hatte dem russischen Präsidenten Wladimir Putin am Montag mitgeteilt, dass einige der umstrittenen Militärmanöver der russischen Armee im eigenen Land sowie in Belarus ihrem Ende zugingen. (sh/AFP)

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