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Ukraine-Konflikt: Droht Putin langfristig ein Partisanenkrieg? Was hinter dem Szenario steckt

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Von: Max Partelly

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Ukraine-Konflikt - Kiew
Eine bewaffnete Zivilschützerin hält ein Kalaschnikow-Sturmgewehr in der Hand, während sie auf einer leeren Straße patrouilliert. Nach Angaben der örtlichen Gebietsverwaltung liefern sich russische und ukrainische Truppen Straßenkämpfe in Charkiw. © picture alliance/dpa/AP | Efrem Lukatsky

Der Ukraine-Krieg wirft große Fragen auf. Auch mittelfristig: Ist ein Partisanen-Krieg zu befürchten? Was das Wort bedeutet:

München - Der Ukraine-Konflikt* bereitet Sorgen - und viele Fragen: Wird Wladimir Putin die Ukraine besetzen lassen? Wie wird die ukrainische Bevölkerung reagieren? Experten sind sich in ihren Ausblicken uneins. Das Wort Partisanen-Krieg fällt aber immer wieder, wenn es darum geht, worauf sich Putin eventuell einstellen muss, wenn die Ukraine vollkommen in russischen Händen liegt.

US-Generalleutnant a. D. Mark Hertling glaubt beispielsweise daran, dass die russischen Streitkräfte in der Ukraine durch „einen ‚Aufstand‘ oder einen ‚Guerillakrieg‘“ auf lange Sicht zermürbt werden könnten. Auch Herfried Münkler, Professor für Theorie der Politik an der Humboldt-Universität zu Berlin, hält im Interview mit der Zeit für wahrscheinlich, dass sich Putin in der Ukraine mit einem Partisanenkrieg beziehungsweise einen Guerilla-Krieg konfrontiert sehen wird. Doch was genau bedeuten diese Begriffe?

Von einem Partisanen-Krieg ist die Rede, wenn ein Gebiet von einer Macht kontrolliert wird und diese von Bewohnern dieses Gebiets angegriffen wird. Es geht den „Partisanen“ darum, die Kontrolle über die eigene Heimat wiederzuerlangen, einen Angreifer abzuwehren oder einen Besatzer zu vertreiben, ohne dabei die eigene Landesgrenze zu übertreten. Dabei kann die angegriffene Macht eine politische, staatliche oder auch zivile Macht sein. Im Falle der Ukraine, die von Russland besetzt werden könnte, ist es ein anderer Staat, gegen den sich die Bürger zur Wehr setzen.

Partisanen-Krieg, Bürgerkrieg und Guerilla-Krieg: Was ist was?

Ein Partisanen-Krieg kann zwar auch ein Bürgerkrieg sein, jedoch kann er auch im Zuge eines internationalen Konflikts entstehen. Während in einem Bürgerkrieg Bevölkerungsgruppen eines Landes miteinander kämpfen, was dann ein Partisanen-Krieg sein kann, wird dessen Definition genauso erfüllt, wenn eine innerstaatliche Institution, wie die Polizei, ein Gebiet besetzt und diese Besatzung bekämpft wird. Hier ist dann allerdings nicht von Bürgerkrieg die Rede, da nicht Bürger gegen Bürger kämpfen. Selbiges gilt im Widerstandskampf einer lokalen Bevölkerung gegen den Besatzer aus einem anderen Land.

Ein weiterer Begriff, der immer wieder im Zusammenhang mit Partisanen-Kriegen verwendet wird ist der des Guerilla-Kriegs. Aus dem Spanischen „Guerra“ - zu deutsch: Krieg - wird der „Guerilla“, der kleine Krieg. 

Auch in dieser Form der kriegerischen Auseinandersetzung kämpfen die Bewohner eines Landes gegen politische, außerstaatliche oder bürgerliche Mächte. Allerdings beinhaltet der Begriff in der Regel sogenannte Guerilla-Taktiken, welche sich aus den unterschiedlichen Machtverhältnissen ergeben.

Von einem Guerrilla-Krieg wird meist gesprochen, wenn kleinere Widerstandsgruppen gegen eine größere Macht vorgehen, ohne eine direkte und im größeren Umfang militärische Konfrontation einzugehen. Diese Guerilla-Taktiken können zwar auch in Konflikten zwischen mehr oder weniger ebenbürtigen Militärmächten angewendet werden - wenn auch die Nutzung der Taktiken die Auseinandersetzung nicht automatisch zu einem Guerilla-Krieg oder einem Partisanen-Krieg machen.

Militär und Partisanen - wo liegt die Grenze?

In der Regel wird von Partisanen gesprochen, wenn sich die kämpfenden Gruppen aus der lokalen Bevölkerung bilden. Der Begriff bezieht sich auf diejenigen, die in der unmittelbaren Umgebung ihres Wohnorts kämpfen, leichter bewaffnet und abgegrenzt vom staatlichen Militär organisiert sind.

Ein weiterer Punkt, der den Partisanen-Krieg definiert, ist das Vorgehen. Partisanen operieren allgemein gefasst aus der Bevölkerung heraus und sind deshalb schwerer zu fassen. Die Taktiken, die sich hieraus ergeben, weisen Parallelen zum Guerilla-Krieg auf, weshalb im militärischen Zusammenhang manchmal synonym vom Partisanen und vom Guerilla-Kämpfer gesprochen wird.

Partisanen im Kriegsrecht - eine weitere Problematik

Organisieren und bewaffnen sich Zivilisten im Kriegsfall und stellen sich mit Waffengewalt gegen Angreifer oder Besatzer, kann es zu kritischen Fragen kommen, die das Kriegsrecht betreffen. Im Partisanen-Krieg ist nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich, wer als Soldat tätig ist und wer ein Zivilist ist. Im Militär ist eine Kennzeichnung Pflicht, ein improvisierter bewaffneter Kämpfer hat diese Kennzeichnung unter Umständen nicht.

Aus diesem Konflikt heraus forderte beispielsweise die Haager Landkriegsordnung von 1907, dass eine Person, die sich in einem militärischen Konflikt bewaffnet und uniformiert, ein sichtbares Abzeichen sowie auch Waffen offen tragen soll. Diese Landkriegsordnung wurde in den Genfer Konventionen von 1949 weitergeführt und damit Partisanen in einigen Fällen den Soldaten gleichgestellt.

Dies bedeutet auch, dass Soldaten, die von Partisanen angegriffen werden, das Recht auf Selbstverteidigung nutzen können - jedenfalls wenn die Partisanen gegen das im Kriegsrecht definierte Angriffsverbot verstoßen. (mda)

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