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Draghis Entmachtung als „Geschenk für Putins Russland“ - Gaslieferung für Italien prompt erhöht

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Von: Patrick Freiwah

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Russlands Präsident Wladimir Putin freut sich trotz Sanktionen des Westens über sprudelnde Einnahmen im Energiesektor
Russlands Präsident Wladimir Putin freut sich trotz Sanktionen des Westens über sprudelnde Einnahmen im Energiesektor. © Davor Puklavec/PIXSELL/Imago

Italiens Regierungschef Mario Draghi tritt ab, kurze Zeit später wird die Gaslieferung aus Russland erhöht. Der Kurs des Landes im Hinblick auf den Ukraine-Krieg könnte sich massiv ändern.

Rom - Wie abhängig der Westen von den russischen Gaslieferungen war beziehungsweise teilweise immer noch ist, zeigt sich im Jahr 2022 auf deutliche Weise. Die Sanktionsmaßnahmen der Nato-Länder aufgrund des Ukraine-Konflikts haben zu einem regelrechten Wirtschaftskrieg gegen das Land von Wladimir Putin geführt.

Vordergründig sind die Länder der Europäischen Union sowie der Nato eine Einheit, längst gibt es hier und da jedoch Risse, die auf bröckelnden Zusammenhang schließen lassen. In Italien sind innerhalb kurzer Zeit zwei bemerkenswerte Vorgänge passiert, die laut eines Politikexperten in einem direkten Zusammenhang stehen könnten - und dem Land aufgrund der Regierungskrise einen Kurswechsel zu bescheren drohen.

Italien: Mario Draghi tritt zurück - Wenig später gibt es mehr Gas aus Russland

So drängt sich die Frage auf, welchen Zusammenhang die Vorgänge im Ukraine-Krieg mit dem Rücktritt von Mario Draghi als Italiens Regierungschef zu tun haben. Nach dem Paukenschlag auf der Appenin-Halbinsel steuert das Land auf neue Parlamentswahlen zu. Es droht aus Sicht der westlichen Verbündeten ein Szenario, welches die bislang eiserne Haltung gegenüber Russland (weiter) ins Wanken bringt.

Laut Politikwissenschaftler Tobias Fella handelt es sich bei Draghi um einen Mann, der ein hartes Vorgehen gegen den Kreml und Wladimir Putin befürwortete, zugleich die Energieabhängigkeit der Italiener von Russland reduzierte: „Draghi stand für einen Pro-EU und Pro-Nato-Kurs seines Landes. Er sei „transatlantisch ausgerichtet“ und Befürworter einer Stärkung der Nato-Ostflanke“, so der Experte gegenüber GMX.de. Ihm zufolge machte der zurückgetretene Regierungschef (74) zudem früh auf das Thema Ernährungskrise durch den Krieg in der Ukraine aufmerksam.

Italien bezieht mehr Gas von Russland - Folgt Regierung mit pro-russischer Haltung?

Nur kurze Zeit später kommt eine weitere Überraschung hinzu: Per Ostsee-Pipeline Nord Stream 1 erhält Italien höhere Gaslieferungen aus Russland: Das Land, das unter Draghi eigentlich höhere Gasvorkommen aus Algerien importieren wollte, bezog zuletzt 36 Millionen Kubikmeter Gas aus Russland, statt 21 Millionen Kubikmeter zuvor. Das bestätigte der italienische Energiekonzern Eni vergangene Woche. Das Brisante: Für Algerien ist Russland selbst der wichtigste Erdgas-Lieferant. Nicht unwahrscheinlich also, dass Italien lieber wieder selbst Energie aus dem größten Land der Erde bezieht, als es für teureres Geld über Umwege zu erhalten. Einen ähnlichen Hintergrund gibt es übrigens bei Deutschlands Abkommen mit Indien.

Die nächste Regierung in Italien wird aller Voraussicht nach rechtskonservativer sein, der Sturz von Draghi ist dem Vernehmen nach von russlandfreundlichen Parteien vorangetrieben worden. Politiker Gennaro Migliore (Partei Italia Viva) wird folgendermaßen zitiert: „In Russland werden jetzt Champagnerflaschen entkorkt und der Wodka geöffnet.“ Wie Fella ausführt, bahne sich in dem südeuropäischen Land eine neue Regierung an, die den politischen Kurs gegenüber Russland massiv ändern könnte: „Ein Mitte-Rechts-Bündnis aus Berlusconis Forza Italia, Salvinis Lega und Melonis Fratelli d‘Italia (FDI) ist möglich.“

In Russland werden jetzt Champagnerflaschen entkorkt und der Wodka geöffnet.

Gennaro Migliore (Partei Italia Viva) über die Erhöhung des Gasaufkommens für Italien

Russland-Politik der EU auf dem Prüfstand - Italien könnte abweichen

Es handele sich um Politiker bzw. Politikerinnen, die Putin als Verteidiger „europäischer Werte“ sehen und die „christliche Identität“ des russischen Präsidenten hervorheben. Der als Rechtspopulist bekannte Matteo Salvini hege Bewunderung für Putin (69), der frühere Regierungschef Silvio Berlusconi gilt ähnlich wie Gerhard Schröder als mit Putin befreundet. Auch die „Post-Faschistin“ Giorgia Meloni will die Draghi-Nachfolge antreten.

Ist es also realistisch, dass Russland als Dank für den Rückzug von Draghi die Gaslieferung nach Italien erhöht hat? Ebenfalls gegenüber GMX.de nimmt mit Roman Maruhn ein weiterer Politikwissenschaftler Stellung, der Italien-Experte erklärt: „Nachdem Gazprom sicher nicht vom Kreml und damit Putin zu trennen ist, kann es da auf alle Fälle einen Zusammenhang geben.“

Ukraine-Konflikt: Sanktionen gegen Russland auf einem harten Prüfstand

Wie wackelig die Standfestigkeit der Sanktionen sein kann, zeigte kürzlich auch der Wirbel um die in Kanada reparierte Turbine für Nord Stream 1: Zunächst wollte das Land die für den Betrieb angeblich notwendige Komponenten nicht nach Europa liefern, aufgrund der Dringlichkeit wurden die Bestimmungen jedoch aufgeweicht und schließlich landete das Bauteil letzten Endes doch noch in Russland. Daraufhin kritisierte Ukraine-Präsident Wolodymyr Selenskyj sein kanadisches Pendant Justin Trudeau. (PF)

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