Wladimir Putin (r), Präsident von Russland, schüttelt Recep Tayyip Erdogan, Präsient der Türkei, bei ihrem Treffen in der Bocharov Ruchei Residenz die Hand. (Archiv Bild von Oktober 2019)
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Recep Tayyip Erdogan und Waldimir Putin reichen sich, bei einem Treffen im Oktober 2019, die Hand.

Neue Allianzen am Schwarzen Meer

Ukraine-Konflikt: Sind Putin und Erdogan nun Rivalen?

  • vonDana Popp
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Die Situation in der Ostukraine verschärft sich. Russische Truppen haben sich an der Grenze positioniert. Die Türkei sichert Kiew nun Unterstützung zu - auch militärisch.

Istanbul - In der Ukraine-Krise ergeben sich neue Allianzen: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und sein ukrainisches Pendant Wolodymyr Selenskyj haben sich am vergangenen Samstag in Istanbul getroffen. Thema des Treffens waren unter anderem die großen Truppenverlegungen von Russland an die ukrainische Grenze. Dabei sprach der türkische Präsident bereits von einer „strategischen Partnerschaft“ mit der Ukraine.

Erdogan sagte zudem, dass die Entwicklungen an der Grenze zur Ukraine „besorgniserregend“ seien und sicherte der Ukraine Unterstützung zu. Zudem gefiel ihm auch Selenskyjs Vorhaben, die Ukraine in die Nato zu führen. Ausgerechnet die Türkei stellte sich damit auf die Seite der Ukraine - und zwar so deutlich, wie nie zuvor. Lange Zeit war die Türkei Russlands Partner, jedoch driften die Interessen der beiden Länder zunehmend auseinander und Kiew setzt auf eine militärische Zusammenarbeit mit Ankara. Dies scheint Wladimir Putin alles andere als zu gefallen, berichtet Welt.

Russland lässt alle Charterflüge in die Türkei aussetzen - Ist der Grund wirklich die Corona-Pandemie?

Russlands Vize-Premierministerin Tatjana Golikowa ließ am Montag alle Charterflüge in die Türkei aussetzen. Die Ministerin ist mit der Covid-Bekämpfung betraut und nannte als Grund, die besorgniserregende epidemiologische Lage in der Türkei. Die vielen russischen Tourist:innen, die in das Urlaubsland fliegen wollten, müssen in Russland bleiben. Von einer politischen Entscheidung sprach Golikowa nicht. Jedoch wirkt es so, als wäre die Entscheidung nicht komplett auf die Corona-Pandemie zurückzuführen. Es könnte sich auch um eine gezielte Botschaft an den türkischen Präsidenten Erdogan handeln. Die Tourismus-Branche der Türkei wird durch die ausbleibenden Urlauber:innen große Verluste verzeichnen. Erst vor einigen Tagen hatte Putin mit Erdogan über Hygienekonzepte in der Türkei gesprochen, berichtet Welt.

Die Ukraine braucht wohl jeden nur möglichen Verbündeten - Gründe der Türkei komplexer

Für die Ukraine scheint eine Zusammenarbeit mit der Türkei nützlich: Russland ist eine Großmacht und im Konflikt mit Putin scheint jeden Verbündete willkommen. Doch was ist der Nutzen für die Türkei? Ankaras Gründe sind weitaus komplexer, denn Erdogan geht es um die Machtbalance im Schwarzen Meer.

Die russische Annexion der Krim sei nicht nur für die Ukraine, sondern auch für die Türkei eine Frage der eigenen Sicherheit, analysierte die Welt. Die Küstenlinie Russlands hat sich nach 2014 quasi mehr als verdoppelt und ist jetzt 1200 Kilometer lang. Die Türkei liegt auf der anderen Seite des Schwarzen Meeres. 2019 sagte Erdogan bei einer Sicherheitskonferenz in Istanbul, das Schwarze Meer sei schon fast zu einem „russischen See“ geworden, und appellierte gleichzeitig an die Nato, dort Präsenz zu zeigen. Dass Erdogan der ukrainischen Seite nun die türkische Unterstützung versichert, ist auch ein Zeichen für Russland.

Die USA haben türkischen Angaben zufolge allerdings die Entsendung zweier Kriegsschiffe ins Schwarze Meer abgesagt. Die für den 14. und 15. April angekündigte Passage durch die türkische Bosporus-Meerenge sei zurückgezogen worden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Mittwochabend und Berufung auf diplomatische Kanäle. Die Schiffe sollten der ursprünglichen Ankündigung von vergangener Woche zufolge bis 4. Mai im Schwarzen Meer bleiben. Ob die Passage zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden soll, war zunächst nicht bekannt. Ob die ursprünglichen Pläne in Verbindung mit der neuerlichen Verschärfung des Konflikts in der Ostukraine gestanden hatten, war nicht bekannt geworden. (dp)

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