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Putins „Einfallstor“ zur Ostukraine? Experte erklärt die besondere Bedeutung der Stadt Dnipro

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Von: Jennifer Battaglia

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Ruin of house hit by Russian fire in Dnipro, Ukraine, during the Russian invasion, as Russia invaded Ukraine on February
Die ukrainische Stadt Dnipro hat eine sowohl militärische als auch politische Bedeutung. Hier ein Bild eines Luftangriffs Russland auf die Stadt vom 11. März. © IMAGO/Darvik Maca Vojtech

Russland verstärkt im Ukraine-Konflikt seine Angriffe im Osten des Landes. Welche Bedeutung dabei die Stadt Dnipro spielen könnte, erklärt ein Militärexperte.

München — Im Ukraine-Konflikt scheint sich Russlands Präsident Wladimir Putin jetzt voll und ganz auf die Ostukraine zu konzentrieren. Experten befürchten, dass ein großer Angriff auf die Gebiete in und um die Regionen Donezk und Luhansk unmittelbar bevorsteht. Dafür gibt es konkrete Anhaltspunkte: Erst am 8. April hatten Satellitenbilder einen langen russischen Militärkonvoi östlich von Charkiw aufgezeichnet.

Der Konvoi soll aus mehreren hundert Fahrzeugen bestehen, circa 13 Kilometer lang sein und sich gen Süden bewegen. Welche strategische Bedeutung die etwas weiter westlich von der Route gelegene Stadt Dnipro einnehmen könnte, schildert ein Militärexperte.

Ukraine-Konflikt: Dnipros militärische und politische Bedeutung

Der australische Ex-General Mich Ryan meldete sich am Montag (11. April) auf Twitter zu Wort. Er betonte, Dnipro habe nicht nur eine militärische, sondern auch eine politische Bedeutung. Mit fast einer Million Einwohnern ist die Stadt die viertgrößte der gesamten Ukraine. Sie liegt am Fluss Dnepr, der eine Art natürliche Barriere zum teilweise pro-russischen Osten des Landes darstellt.

Dnipro ist zugleich ein wichtiger Industriestandort und für den Export von Metallprodukten für die Ukraine von großer Bedeutung. In der Stadt werden Maschinen, Autos, Lebensmittel und Chemikalien produziert, wie Ryan in einem von insgesamt 23 Tweets zur Lage im Ukraine-Konflikt schreibt. Dazu ist die Stadt ein regionaler Verkehrsknotenpunkt: Es laufen dort zahlreiche Bahnschienen zusammen, Dnipro hat außerdem einen eigenen, größeren Flughafen.

Dieser soll laut Medienberichten am Montag von russischen Raketenangriffen stark beschädigt worden sein. Laut ntv schrieb der regionale Verwaltungschef Walentyn Resnitschenko auf Telegram: „Es ist nichts übrig geblieben. (...) Der Flughafen selbst und die Infrastruktur in der Nähe wurden zerstört. Und die Raketen fliegen und fliegen.“ Bereits im März hatte Russland den dortigen Flughafen ins Visier genommen. Der abermalige Angriff könnte mit der These Ryans übereinstimmen, dass Dnipro eine besondere Bedeutung im Kampf um den Osten des Landes einnimmt.

Ukraine-Konflikt: Dnipro als Einfallstor zur Ostukraine

Der Militärexperte geht davon aus, dass Russland die „volle territoriale Kontrolle über die Regionen Donezk und Luhansk“ erlangen will. Das „ultimative Ziel“ sei, das gesamte Gebiet östlich der Stadt Dnipro zu ergreifen. Laut ntv und Focus ist Dnipro das Einfallstor zur Ostukraine: Wer Dnipro kontrolliere, der habe auch die Kontrolle über den Zugang zum Osten des Landes.

Die Frage, ob die Russen Dnipro in ihre Gewalt bringen können, wollte Militärexperte Ryan nicht mit Bestimmtheit beantworten. Sollte dies aber der Fall sein, könnte sich, wie Ryan schreibt, „das Momentum des Kriegs“ verändern. Russland werde alles daran setzen wird, einen Sieg an der Ostfront zu erzielen. Nach dem Rückzug der Truppen aus dem Norden — und Ryan spricht hier explizit von einer „Niederlage“ — stünden die Soldaten unter Druck des Kremls und würden deshalb „hart kämpfen“. Der Militärexperte befürchtet, dass es zu noch größeren Verlusten, sowohl aufseiten der Soldaten als auch der Zivilbevölkerung, kommen werden könnte. (jb)

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