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Ukraine-Krieg: Bürger bereiten sich unter russischem Beschuss auf Winter vor - „Putin ist so dumm“

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Von: Marcus Giebel

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Schutt und ein zerstörtes Wohnhaus
Bachmut im Krieg: Die Stadt in der Region Donezk musste einige russische Raketen einstecken. © IMAGO / ZUMA Wire

Im Ukraine-Krieg konzentriert sich Russland aktuell offenbar besonders auf die Region um Bachmut. In der Stadt helfen Freiwillige den Bürgern, sich auf einen besonders schlimmen Winter vorzubereiten.

München - Vor allem die einfachen Bürger müssen darunter leiden, dass der Ukraine-Krieg für Wladimir Putin ganz und gar nicht nach Plan verläuft. Der Kreml-Chef lässt seine Truppen seit Monaten die Infrastruktur des angegriffenen Nachbarn zerstören. Bombardements und Beschuss werden für die Ukrainer so beinahe zur Normalität. Gehören zum täglichen Leben wie die nächste Mahlzeit - wenn die denn überhaupt greifbar ist.

Nun aber wird das Ausharren in der vertrauten und liebgewonnenen Heimat zusätzlich erschwert. Denn der Winter steht vor der Tür. Und der kann in der Ukraine monatelang bitterkalt werden. Ohne die Möglichkeit, Wärme zu erzeugen, lässt sich diese Zeit nur unter größten Torturen überstehen.

Ukraine-Krieg: Freiwillige versorgen Bürger in Bachmut mit Holzöfen und Wasser

Um die Betroffenen in den belagerten Städten und Ortschaften mit dem Nötigsten zu versorgen, sind viele Freiwillige unterwegs. Was diese Männer und Frauen unter unzumutbaren Zuständen leisten, wird in einem Video von Radio Free Europe/Radio Liberty deutlich.

In diesem tragen die Helfer kleine Holzöfen in einen Hauseingang. Diese seien neben Trinkwasser besonders gefragt, erklärt Olha Danilova. Sie ist eine Freiwillige, die zur eigenen Sicherheit einen Helm auf dem Kopf trägt. Die Szenen entstanden in der Stadt Bachmut im Gebiet Donezk - also direkt an der Verteidigungslinie der ukrainischen Armee.

Laut Olha bitten manche Menschen auch um Treibstoff, wenn sie über entsprechende Generatoren verfügen. Ihr Kollege Oleh verrät: „Die Menschen sind einfach froh, irgendetwas von uns zu bekommen: Nahrungsmittel, Heizungen, warme Klamotten, Decken.“ Eben alles, was gegen die Kälte hilft.

Video: Putin schickt seine Truppen wie „Einwegsoldaten“ nach Bachmut

Putin und der Ukraine-Krieg: Freiwilliger sagt Scheitern der Russen voraus

Wichtig sei, dass die Bürger an die ukrainische Armee glauben würden. Und daran, dass alles wieder gut werde. Beinahe wehmütig fügt er hinzu: „Bachmut wird nicht noch mehr zerstört, als es schon ist. Es war mal eine saubere und schöne Stadt.“ Auch Oleh selbst ist vom Erfolg der Verteidiger, die ja längst die Gegenoffensive gestartet haben, überzeugt. Auf die Frage, wie er über einen Sturmangriff der offenbar nicht gerade bestens ausgerüsteten Russen denke, grinst er und betont: „Sie werden scheitern.“

Etwas verzweifelt klingt Oleksandr, einer der Bürger, die trotz aller Gefahren und Belastungen in Bachmut ausharren. Er berichtet von zerstörten Fenstern und schimpft auf den Aggressor: „Was können wir tun, wenn Putin so dumm ist? Wie kann man nur Wohngebiete beschießen? Jeder weiß, dass es eine schöne Stadt war. Was ist davon noch übriggeblieben?“ Und noch einmal direkt an die Adresse des russischen Präsidenten: „Verfügt er nicht über genug Land?“

Freiwillige Helfer im Ukraine-Krieg: Mann muss nach Schlaganfall in Klinik gebracht werden

Dann suchen die Freiwilligen einen den Angaben zufolge 59-jährigen Mann auf, der mutmaßlich einen Schlaganfall erlitten hat. Er soll zu Untersuchungen in ein Krankenhaus gebracht werden. Gesundheitlich angeschlagene Bürger müssen ohnehin vor dem Wintereinbruch evakuiert werden.

Der Plan behagt dem Mann jedoch nicht. Als ihm erklärt wird, er könne nach dem Krieg zurückkehren, wirkt er nicht überzeugt. Eine nicht näher benannte Dame, womöglich eine Nachbarin, fasst die schwierigen Umstände so zusammen: „Wir haben gestern versucht, einen Rettungsdienst zu erreichen, aber die Telefone haben nicht funktioniert.“ Ihnen sei empfohlen worden, den Patienten auf eigene Faust zu evakuieren. Letztlich nehmen die freiwilligen Helfer den Mann mit.

Der Blick in die nahe Zukunft wird für die Menschen in Bachmut nicht nur wegen des Winters düster. Sowohl Moskau als auch Kiew berichten über massive russische Truppenkonzentrationen in dem Gebiet. Die Kämpfe dürften hier also zunehmen. Allerdings bezweifelt das US-amerikanische Institut für Kriegsstudien (ISW), dass die Angreifer weiter vorankommen werden.

Es wäre ein weiterer von unzähligen Rückschlägen für Putin. Die er bislang auf seine ganz eigene Art beantwortet hat. (mg)

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