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Weiteres Butscha-Grauen? Forensiker entdecken in Körpern Getöteter offenbar grausame Munition

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Von: Stephanie Munk

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Winzige Metallpfeile mit verheerender Wirkung: Sogenannte Fléchettes-Munition, hier auf einem Archiv-Bild von 2014.
Winzige Metallpfeile mit verheerender Wirkung: Sogenannte Fléchettes-Munition, hier auf einem Archiv-Bild von 2014. © Dominique Faget/AFP

Schlimme Vorwürfe an die russische Armee im Ukraine-Krieg: In Körpern Verstorbener in Butscha wurde offenbar Fléchette-Munition entdeckt - winzige Pfeile mit brutaler Wirkung.

Kiew - Im Ukraine-Krieg sollen Zivilisten durch winzige Metallpfeile mit tödlicher Wirkung beschossen worden sein. Darüber berichtet die britische Zeitung The Guardian und beruft sich auf ukrainische Gerichtsmediziner.

Die Forensiker hätten Körper aus den Massengräbern von Butscha untersucht - der Stadt, wo der russischen Armee die sinnlose Ermordung von Zivilisten und andere Gräueltaten vorgeworfen wird. Die erschreckende Entdeckung: Kleine, tödliche Metallpfeile in dutzenden Leichen, sogenannte Fléchettes.

„Wir haben mehrere wirklich dünne, nagelähnliche Objekte in den Körpern von Männern und Frauen entdeckt, und auch andere Kollegen in der Region berichten darüber“, zitiert das Blatt den ukrainischen Forensiker Vladyslav Pirovskyj. „Es ist sehr schwer, sie in den Körpern zu finden, sie sind extrem dünn. Die Mehrheit der betroffenen Körper kommt aus der Region von Butscha und Irpin.“

Ukraine-Krieg: Fléchettes-Munition gilt als besonders grausam - Bis zu 8000 Pfeile in einer Granate

Die Pfeile seien in den Köpfen und Oberkörpern der toten Menschen entdeckt worden. Unabhängige Experten, die sich Fotos der gefundenen Metallpfeile angesehen hätten, hätten bestätigt, dass es sich dabei um Fléchette-Munition handle.

Die kleinen Pfeile würden mit Artilleriegranaten abgeschossen. Eine Granate beinhalte bis zu 8000 Pfeile. Per Zeitzünder explodierten die Granate über dem Ziel und setzten die verheerenden Pfeile auf einer Fläche von mehreren hundert Metern frei.

Besonders grausam sei, dass die Pfeile in menschlichen Körpern zerbrechen und so für multiple Verletzungen sorgen. Vor allem im Ersten Weltkrieg sei Fléchette-Munition verbreitet gewesen.

Ukraine-Krieg: Augenzeugen berichten von Fléchettes-Granaten wenige Tage vor Russen-Abzug

Verboten sei die Verwendung von Fléchette-Granaten nicht, auch wenn Menschenrechtsorganisationen seit langem für ein Verbot kämpften. Da es sich um eine sehr unpräzise Waffe handle, die offenbar in einem dicht besiedeltem Gebiet eingesetzt wurde, handele es sich dennoch um ein Verstoß des Völkerrechts, schreibt das britische Blatt.

Laut mehreren Augenzeugen hatte die Armee von Russlands Präsidenten Wladimir Putin die Fléchette-Munition Ende März, wenige Tage vor ihrem Abzug aus den besetzten Gebieten nahe Kiew abgeworfen, berichtet The Guardian. In Butscha wurden nach dem russischen Abzug Dutzende tote Zivilisten gefunden, teils gefesselt und mit Kopfschüssen. (smu)

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