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Ukraine-Krieg: China verweigert offenbar Ersatzteile für russische Flugzeuge

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Von: Christiane Kühl

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Aeroflot-Passagierflugzeuge stehen am 01.03.2022 auf dem Flughafen Scheremetjewo außerhalb von Moskau. Der Luftraum über allen EU-Staaten ist für russische Flugzeuge komplett gesperrt.
Aeroflot-Passagierflugzeuge auf dem Flughafen Scheremetjewo außerhalb von Moskau: China verweigert russischen Airlines ab sofort Ersatzteile. © Pavel Golovkin/dpa

China verweigert angesichts der westlichen Sanktionen im Ukraine-Krieg offenbar die Lieferung von Ersatzteilen für russische Flugzeuge.

Moskau/Peking/München – China hat sich laut der russischen Flugsicherheitsbehörde Rosawiazia geweigert, russische Fluggesellschaften mit Ersatzteilen für Flugzeuge zu versorgen. Das berichtete am Donnerstag die Tagesschau online unter Berufung auf die russische Nachrichtenagentur Interfax. Demnach wird Moskau nun versuchen, Ersatzteile aus anderen Ländern wie Indien oder der Türkei zu beschaffen.

Es dürfte sich dabei vor allem um so genannte Graumärkte handeln. Russlands Airlines besitzen vor allem westliche Flugzeuge von Airbus oder Boeing, die wegen des Einmarsches in der Ukraine alle Geschäfte gestoppt haben - einschließlich Wartung und Ersatzteile.

Die Meldung ist nun ein Signal, dass China sich offenbar an die im Ukraine-Krieg gegen Russland verhängten internationalen Sanktionen halten will – obwohl Peking diese heftig kritisiert. Die Biden-Regierung berichtete laut South China Morning Post am Mittwoch, dass China sich bisher weitgehend an die von den USA und anderen Nationen gegen Russland verhängten Wirtschaftssanktionen gehalten habe. Auch für Chinas Airlines fliegen viele Maschinen von Airbus und Boeing.

China im Ukraine-Krieg: Drahtseilakt zwischen allen Parteien

Seit Ausbruch des Krieges vollführt China einen irrwitzigen Drahtseilakt zwischen einer Unterstützung Russlands und einer internationalen Neutralität. Dazu gehört es eben auch, Sanktionen zu verurteilen und gleichzeitig zu befolgen. Die Kritik aus Peking richtet sich dabei stets an die Adresse der USA und weniger gegen die EU – die ja ebenfalls Sanktionen erlassen hat. Die Geschäftsbeziehungen mit Europa sind für China letztlich weit wichtiger als jene mit Russland, aller strategischen Partnerschaft zum Trotz.

Chinesische Banken haben deswegen mit als erste die Sanktionen umgesetzt, um nicht selbst zum Ziel zu werden. So setzte etwa die von China gegründete Asian Infrastructure Investment Bank (AIIB) alle Aktivitäten in Bezug auf Russland und Belarus aus. Auch hat China aufgrund der durch die Sanktionen wackligen Finanzierung seine Importe russischer Kohle gedrosselt. Bislang sind die meisten der entsprechenden Kaufverträge in Dollar ausgestellt. Sie unterliegen damit dem Swift-Ausschluss vieler russischer Banken.

Ob sich Teile der Lieferungen mit der chinesischen Währung Yuan abwickeln lassen, um den US-Dollar und damit die Sanktionen zu umgehen, ist unklar – und auch, ob Peking das überhaupt will. Denn es würde sich damit in eine wachsende Abhängigkeit zu Russland begeben. Der Lieferstopp der Flugzeuge zeigt einmal mehr, dass China sich offenbar weiter alle Optionen offen hält. (ck)

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