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Um Moral zu zerstören: Ändert Russland die Taktik im Ukraine-Krieg? USA sieht Grund zur Sorge

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Von: Bettina Menzel

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Washington, DC: Der US-Generalstabschef General Mark Milley hielt bei strömendem Regen eine Rede zum Gedenken an die Opfer des 11. Septembers (Archivbild, 11. September 2022). © IMAGO/Po2 Alexander Kubitza/ ZUMA Wire

Wie reagiert Russland auf die jüngsten militärischen Rückschläge? Der britische Geheimdienst und das US-Militär gehen von einer Änderung der Kriegstaktik Moskaus aus.

Washington - Die russische Armee erlitt jüngst militärische Rückschläge. Noch ist offenbar unklar, wie der Kreml darauf reagieren wird, doch die Sorge ist groß. Schon seit Beginn des Ukraine-Kriegs warnten Experten, dass es für den Westen besonders gefährlich werde, wenn es für Wladimir Putin schlecht laufe. Der US-Generalstabschef Mark Milley besuchte am Sonntag eine geheime Militärbasis in Polen, um die Sicherheit der US-Truppen dort zu überprüfen. Sowohl das US-Militär als auch der britische Geheimdienst befürchten eine Änderung der Kriegstaktik Russlands.

Britische Geheimdienste und US-Militär berichten von veränderter Kriegstaktik

Sowohl der britische Geheimdienst als auch das US-Militär gehen davon aus, dass russische Truppen angesichts der Rückschläge nun vermehrt zivile Ziele angreifen, um die Moral der Ukraine zu zerstören. Nach Angaben britischer Geheimdienste vom Sonntag (18. September) hat Russland bereits in den vergangenen sieben Tagen seine Angriffe auf zivile ukrainische Ziele mit Langstreckenraketen deutlich verstärkt. Ein Beispiel sei etwa ein Angriff auf einen Staudamm in der zentralukrainischen Industriestadt Krywyj Rih, der keinen unmittelbaren militärischen Vorteil biete. Es sei wahrscheinlich, dass Moskau angesichts der Rückschläge an der Frontlinie weiter verstärkt auf solche Angriffe setze, „um die Moral des ukrainischen Volkes und seiner Regierung zu unterminieren“, hieß es am Sonntag im täglichen Kurzbericht des britischen Verteidigungsministeriums. Die Ukraine selbst berichtete von zahlreichen russischen Angriffen auf Wohngebiete oder Krankenhäuser etwa in den Gebieten Charkiw und Donezk sowie in der Stadt Mykolajiw, die Angaben ließen sich jedoch nicht unabhängig verifizieren.

Auch das US-Militär geht offenbar davon aus, dass Russland nach den Rückschlägen nun vermehrt zivile Ziele angreifen werde. US-Generalstabschef Milley sprach bei seinem Besuch am Sonntag auf der US-Militärbasis in Polen von einem „Muster in Russlands militärischer Reaktion“, wie das Wall Street Journal berichtete. Schon in der Vergangenheit habe Moskau nach Rückschlägen zivile Ziele ins Visier genommen, wie Verbündete an der Front erkannt hätten. Dabei gehe es darum, „die Moral des ukrainischen Volkes und der ukrainischen Regierung zu untergraben“, so der Generalstabschef, der damit die Ansicht des britischen Geheimdienstes teilte. Es gelte nun, genau zu beobachten wie Russland reagiere.

US-Militär besorgt um Sicherheit der Truppen auf geheimer Militärbasis in Polen

Die geheime Militärbasis der USA in Polen, die Generalstabschef Mark Milley am Sonntag besuchte, dient offenbar als wichtiger Knotenpunkt für die Lieferung von Waffen und anderen Gütern an die Ukraine. Bei dem Besuch des Generals ging es um die Überprüfung der Sicherheit der US-Streitkräfte vor Ort, wie das Wall Street Journal berichtete. Demnach gilt die Basis als potenzielles Ziel eines russischen Angriffs, wobei Milley aber klarstellte, dass sein Besuch kein Indikator dafür sei, dass „etwas passieren könnte oder es ein erhöhtes Bedrohungslevel gegenüber US-Streitkräften gebe.“

Auf dem Gelände des Stützpunkts sind unter anderem zwei Patriot-Luftverteidigungssysteme stationiert, die mit einer Reichweite von 68 Kilometern Raketen, Marschflugkörper und Flugzeuge abwehren können. Außerdem bilden die alliierten Partner auf der Militärbasis offenbar auch ukrainische Truppen aus. Das Nato-Mitglied Polen hat eine etwa 500 Kilometer lange Grenze zur Ukraine und grenzt auch an die russische Exklave Kaliningrad. Die Region ist strategisch wichtig, denn die Suwalki-Lücke bei Kaliningrad gilt als „Achillesferse der Nato“.

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