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Krieg statt Flucht: Einige Ostukrainer kehren offenbar gezwungenermaßen zurück – mit teils tödlichen Folgen

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Von: Linus Prien

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Zerstörung in Kramatorsk
Zerstörung in Kramatorsk © IMAGO/Alex Chan Tsz Yuk

Im Osten der Ukraine tobt der Krieg. Viele Ukrainer kehren jedoch in ihre Heimat zurück. Die meisten können sich die Flucht nicht leisten. Andere bleiben aus familiären Gründen.

Pokrowsk - Trotz des Ukraine-Kriegs kehren offenbar einige zwischenzeitlich geflohene Ostukrainer in ihre Heimat zurück. Das zeigt aktuell unter anderem ein britischer Medienbericht: Der Daily Star berichtete vom erschütternden Schicksal einer jungen Ukrainerin. Die 35 Jahre alte Anna Protsenko sei zwei Tage nach ihrer Rückkehr ins Kriegsgebiet getötet worden, schreibt die Boulevardzeitung.

Die Frau starb dem Bericht zufolge durch einen Raketeneinschlag. Dabei habe Protsenko ursprünglich dem Rat der Behörden gefolgt: Sie floh aus der Ostukraine. Ein neues Leben nach der Flucht aufzubauen sei für sie, wie für viele andere, jedoch zu schwer und zu teuer gewesen. Zehntausende Ukrainer seien mittlerweile in die Region um Donezk zurückgekehrt. Protsenko versuchte zwei Monate lang ein neues Leben, weit weg von ihrer Heimat, aufzubauen. Schließlich habe sie aber eine Stelle in der kleinen Mittelstadt Pokrowsk in der Oblast Donezk angenommen.

Ukraine-Krieg: „Wir können nirgendwo anders hin, als zurück nach Donezk“

Eine Nachbarin und Freundin der verstorbenen Ukrainerin erzählte dem Daily Star: „Wir haben keine Chance. Wir werden nirgendwo anders eingestellt. Wir müssen aber weiter Miete zahlen. Wir können nirgendwo anders hin, als zurück nach Donezk.“ Die Verwaltung in Pokrowsk geht davon aus, dass circa 70 Prozent der Geflüchteten zurückkehren werden.

Im näher an der Front gelegenen Kramatorsk war die Bevölkerung zwischenzeitlich von 220.000 auf 50.000 Menschen geschrumpft. Mittlerweile ist sie jedoch wieder auf 68.000 angestiegen. Während die Behörden so viele Zivilisten wie möglich von der Front evakuieren möchten, fühlen sich manche Ukrainer aus der Donezk-Region im Westen der Ukraine unwohl.

UN-Bericht: Zwei Drittel der ukrainischen Flüchtlinge wollen vorerst nicht zurückkehren

Einem Bericht der Vereinten Nationen zufolge planen circa zwei Drittel der geflüchteten Ukrainer vorerst in ihren gegenwärtigen Aufenthaltsländern zu bleiben. Der Krieg erschwere es vielen Ukrainern, ihre Rückkehr zu planen. 15 Prozent der befragten Flüchtlinge plant laut dem Bericht innerhalb der nächsten zwei Monate in die Ukraine zurückzukehren. Mit Hinblick auf die Rückkehrer spielt jedoch die Herkunftsregion eine große Rolle. Dem UN-Bericht zufolge wollen deutlich mehr Ukrainer aus der Region um Kiew und aus dem Westen des Landes zurückkehren. Nichtsdestotrotz überqueren auch Ukrainer die Grenze ihres Landes, um zurück in den Osten, in der Nähe der Front, zu kommen.

Ukraine-Krieg: Donezk leidet schon seit Jahren unter dem Krieg

Der Konflikt wütet in der Region Donezk schon seit 2014. Laut dem Daily Star leidet die Wirtschaft der Region schon seit Jahren. In Kramatorsk sind demnach viele Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Eine Flucht ist aus finanziellen Gründen in manchen Fällen gar nicht vorstellbar. Zwar gibt es Freiwillige, die sich in der Region engagieren. Dieses Engagement kann die Herausforderungen im Osten der Ukraine jedoch offenkundig nicht beseitigen.

So haben die meisten Menschen aus der Region nicht genügend Geld, um sich ein neues Leben aufzubauen. Es gibt jedoch auch viele andere, individuelle Gründe, aus denen Ostukrainer nicht ihre Heimat verlassen. Mykola Riasko etwa war der britischen Reportage zufolge gemeinsam mit seiner 82-jährigen Mutter geflohen. Als sie in Dnipro ankamen, hätten sie sich trennen müssen, um eine Unterkunft zu bekommen. Daraufhin kehrten sie zurück. (lp)

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