1. Startseite
  2. Politik

Ehemalige norwegische Politikerin kämpft in ukrainischer Fremdenlegion gegen Putin - „Sterben reale Möglichkeit“

Erstellt:

Von: Bettina Menzel

Kommentare

ukraine-krieg-norwegen-politikerin-fremdenlegion-russland
Eine ehemalige Politikerin aus Norwegen schloss sich freiwillig der ukrainischen Fremdenlegion an, um gegen Russland zu kämpfen. (Archivbild, russische Soldaten in Cherson). © picture alliance/dpa/AP | Uncredited

Vom ganz normalen Alltag in den Krieg: Warum sich eine norwegische Politikerin und ein kanadischer Tech-Unternehmer freiwillig für die ukrainische Fremdenlegion meldeten.

Kiew - Der Kanadier Igor Volzhanin war im vergangenen Februar im Urlaub in der Ukraine, um Freunde zu besuchen. Geplant hatte er einen Besuch in einer Comedy-Show, danach sollte es weiter in die Schweiz gehen - zum Skifahren. Dann aber eskalierte der Ukraine-Konflikt: Russland griff am 24. Februar 2022 die Ukraine an und Igors Pläne änderten sich. Ohne militärische Vorerfahrung zog er in den Krieg gegen Wladimir Putin. Genau wie die ehemalige Politikerin Sandra Andersen Eira aus Norwegen. Sie entschied sich nur eine Woche nach der russischen Invasion zu kämpfen.

Ukraine-Krieg: Kanadischer Freiwilliger in Fremdenlegion - „Sterben reale Möglichkeit“

Die Ukraine braucht im Kampf gegen das flächenmäßig größte Land der Welt Unterstützung aus dem Ausland - nicht nur in puncto Waffenlieferungen, auch bei der Infanterie. Wenige Tage nach dem russischen Angriff rief der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj daher die ganze Welt auf, seinem Land beim Kampf gegen Russland zu helfen. Der ehemalige Tech-Unternehmer aus Kanada, Igor Volzhanin, folgte diesem Ruf und trat in die ukrainische Fremdenlegion ein. Der 34-Jährige beschloss, sich dem Kampf gegen Putin anzuschließen, weil er fühlte, dass „es das Richtige war“, wie er in einem Interview gegenüber der Toronto Sun sagte. Er sei zwar im kanadischen Ontario aufgewachsen, aber in der Ukraine geboren. Das sei in gewisser Weise seine Heimat und er wolle sie verteidigen, so der Unternehmer. Doch zu sterben sei hier eine „reale Möglichkeit.“

Schätzungen zufolge sollen sich bereits 20.000 Menschen aus über 50 Ländern angeschlossen haben, darunter auch zahlreiche Deutsche. Viele Legionäre ändern nach einiger Zeit ihre Meinung und verlassen die Truppe wieder. Und nicht jeder, der sich bewirbt, darf auch für die Ukraine kämpfen, es gibt eine Art Einstellungstest. Die Interviewer fragen etwa „Bist du wirklich bereit zu sterben?“ zitiert die Washington Post einen Insider. Wer vermehrt Fragen zur Bezahlung und zu einem Bonus für bestätigte Abschüsse stelle, sei aus den falschen Gründen da, so ein Recruiter. Volzhanin jedenfalls hat den Test bestanden und ist nun selbst für die Aufnahme neuer Kämpfer zuständig. Heute würde er aufgrund seiner fehlenden militärischen Erfahrung nicht mehr aufgenommen werden, meint er.

Ukraine-Krieg: Ehemalige Parlamentsabgeordnete aus Norwegen zieht freiwillig in den Krieg

In ihrer Instagram-Biografie teilt die Norwegerin Sandra Andersen Eira die Rede des US-Admirals William McRaven. „Wenn du die Welt verändern willst, fange an dein Bett zu machen“, heißt es darin. „Wenn du dein Bett jeden Morgen machst, hast du schon die erste Aufgabe des Tages erledigt [...]“ Das würde dazu ermutigen, eine weitere Aufgabe zu erledigen. Wer die kleinen Dinge des Lebens nicht richtig machen könne, könne auch die großen Dinge nicht richtig machen, so der Admiral in seiner berühmt gewordenen Rede.

Sandra Andersen Eira scheint die ganz großen Dinge richtig machen zu wollen, denn sie entschied sich wie Igor kurz nach der russischen Invasion freiwillig für die ukrainische Fremdenlegion zu kämpfen. Die 35-Jährige saß zuvor vier Jahre lang im Parlament der indigenen Samen in Norwegen. Sie stammt aus einer Fischerfamilie und war selbst als Fischerin im arktischen Ozean unterwegs. Die Dokumentation „Sea Sisters“ begleitet Eira bei ihrer Arbeit in dieser Männerdomäne. Fischer zu sein, gilt als der gefährlichste Beruf in Norwegen. Wenn sie Angst vor dem Sterben gehabt hätte, hätte sie nie auf See gearbeitet, gibt Eira zu bedenken. Doch der Krieg sei trotzdem noch einmal etwas ganz anderes.

Als sie sich entschied, für die Ukraine zu kämpfen, erzählte sie zuhause fast niemandem davon - nicht einmal ihren Eltern. Nur ihre Schwester, ihr Bruder und ein paar enge Freunde in den USA hätten von ihren Plänen gewusst, wie sie dem norwegischen Nachrichtenmagazin abc nyheter mitteilte. Trotzdem sei niemand von ihrer Entscheidung überrascht gewesen. „Und jeder, der mich kennt, versteht, warum ich hier bin“, so Eira. Es gehe ihr um die moralische Verpflichtung und den Wunsch zu helfen. „Es ist noch nicht lange her, dass unsere Großeltern in einer ähnlichen Situation waren und Hilfe brauchten. Jetzt sind wir an der Reihe“, so die 35-Jährige gegenüber abc nyheter.

Auch für die stellvertretende ukrainische Verteidigungsministerin Hanna Maliar geht es um mehr als einen Konflikt zwischen zwei Nationen: „Unser Krieg ist nicht nur ein Krieg zwischen zwei Ländern oder zwei Völkern“, sagte sie kürzlich. „Es ist ein Zivilisationskrieg gegen die mittelalterliche Barbarei. [...] Der Krieg und der Kampf sind nicht nur für die Ukraine.“

Auch interessant

Kommentare