1. Startseite
  2. Politik

Nach Gräueltaten von Butscha: Offenbar weitere Kriegsverbrechen nahe Kiew aufgedeckt

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Katharina Haase

Kommentare

Ein Ukrainischer Soldat steht auf dem Wrack eines russischen Panzers in der Stadt Irpin. Im Hintergrund ist ein völlig zerstörter Haus zu sehen.
Ukrainischer Soldat steht auf einem zerstörten russischen Panzer in Irpin. Auch hier sollen Kriegsverbrechen durch russische Soldaten begangen worden sein. Dies wird noch überprüft. © Daniel Ceng Shou-Yi/imago

In der Ukraine soll es nicht nur in Butscha zu Morden an der Zivilbevölkerung gekommen sein. Eine Recherche von rbb24 deckt nun weitere Gräueltaten auf.

Berlin - Nach den Gräueltaten von russischen Soldaten an der ukrainischen Zivilbevölkerung in Butscha herrscht Entsetzen in Europa. Nun wurde bekannt, dass es offenbar auch in nordöstlichen Vororten von Kiew Kriegsverbrechen gegeben haben soll. Das geht aus Augenzeugenberichten hervor, die rbb24-Recherche vorliegen. Demnach habe es in den Ortschaften Bohdaniwka und Schewtschenkowe willkürliche Hinrichtungen von Zivilisten gegeben.

In der rbb24-Recherche zum Ukraine-Konflikt berichtet unter anderem eine Frau von dem Mord an ihrem Mann. Bereits am 9. März seien sie in ihrer Datsche in Bohdaniwka in die Gewalt russischer Soldaten geraten. Als ihr Mann der Aufforderung nach einer Zigarette durch die Soldaten nicht nachkommen konnte, habe man ihn erschossen. Der Frau (46) und ihrer zehnjährigen Tochter gelang später die Flucht.

Ukraine-Konflikt: Recherche enthüllt weitere Kriegsverbrechen nahe Kiew

Weiter heißt es, dass in Schewtschenkowe ein Mann von russischen Soldaten erschossen worden sei, nachdem diese eine Camouflage-Jacke in seinem Auto entdeckt hätten. Anschließend habe man die Frau des Toten mehrfach vergewaltigt ehe auch ihr die Flucht gelang. Auch die britische Zeitung Times berichtete ausführlich über diesen Fall. Die ukrainische Generalstaatsanwältin soll demnach bereits mit Ermittlungen in diesem Fall betraut sein. rbb24-Recherche liegen außerdem Aussagen über willkürliche Hinrichtungen in Irpin westlich von Kiew vor. Diese Aussagen müssen allerdings noch von unabhängiger Seite überprüft werden.

Experten wie der Göttinger Völkerrechtler Kai Ambos, der auch Richter am Kosovo-Tribunal in Den Haag ist, ordnen solche Taten klar als Kriegsverbrechen ein: „In Fällen, wo Zivilisten Opfer von Gewalt sind, sei es direkte Tötung, grausame Behandlung oder sexuelle Gewalt, haben wir ganz klar eine Verletzung des ehernen Grundsatzes des Schutzes der Zivilbevölkerung.“, so Ambos.

Nach Bekanntwerden weiterer Morde an Zivilisten: Klare Einstufung als Kriegsverbrechen

Die mutmaßlichen Kriegsverbrechen in der Ukraine werden inzwischen international untersucht. Nicht nur die Vereinten Nationen gehen den Berichten nach, auch Nichtregierungsorganisationen wie Amnesty International und Human Rights Watch sammeln Indizien und Beweise. In Deutschland befassen sich Bundeskriminalamt, Bundesnachrichtendienst und die Bundesanwaltschaft mit den Vorwürfen.

Alle weiteren Nachrichten aus der Ukraine lesen Sie auch immer aktuell in unserem Politik-Newsletter. (kah/dpa)

Auch interessant

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,
wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.
Die Redaktion