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Journalistin riskierte mit Ukraine-Protest in Russland Kopf und Kragen - nun hat sie einen deutschen Arbeitgeber

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Von: Linus Prien

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Eine Protestaktion im russischen Staatsfernsehen hat die Journalistin Marina Owsjannikowa weltweit bekannt gemacht. Jetzt hat sie einen neuen Arbeitgeber in Deutschland.

Berlin - Mit einem Protestplakat im russischen Fernsehen gegen den Krieg in der Ukraine machte sie international bekannt. Künftig arbeitet die Journalistin Marina Owsjannikowa als freischaffende Korrespondentin für die deutsche Medienmarke Welt, wie der Medienkonzern Axel Springer am Montag in Berlin mitteilte. Die 43-Jährige werde unter anderem aus der Ukraine und Russland berichten und sowohl für die Zeitung Welt schreiben als auch regelmäßig im gleichnamigen TV-Sender zugeschaltet sein.

Ukraine-Krieg: Owsjannikowa bekam eine Geldstrafe für ihre Protestaktion

Im März hatte die Redakteurin des Ersten Kanals des russischen Staatsfernsehens, „Perwy kanal“, in den Hauptnachrichten ein Protestplakat gegen Russlands Angriff auf die Ukraine in die Kamera gehalten. Auf dem Plakat stand: „Stoppt den Krieg. Glaubt der Propaganda nicht. Hier werdet ihr belogen“. Die Aktion löste weltweit eine Welle der Anerkennung aus. Der Kreml in Moskau verurteilte die Aktion. Die Journalistin wurde anschließend zu einer Geldstrafe verurteilt.

„Der Protest ist seit vielen Jahren in mir gereift. Ich war mit der Politik des Senders ‚Perwy kanal‘ nicht einverstanden, ebenso mit einigen anderen Dingen, die in unserem Land passierten und noch passieren“, erklärte Owsjannikowa zuletzt der Organisation „Gesichter der Demokratie“. Aus persönlichen Gründen habe sie allerdings nicht kündigen können. „Das änderte sich jedoch schlagartig mit Beginn des Krieges. Mir war klar, dass ich keinen Tag länger für ‚Perwy kanal‘ arbeiten kann.“

Während die zweifache Mutter international von vielen als Heldin gefeiert wird, ist sie in ihrer Heimat auch Anfeindungen ausgesetzt. Auch eine zweite Strafe droht. Vorgeworfen werden Owsjannikowa unter anderem „öffentliche Handlungen zur Diskreditierung des Einsatzes der Streitkräfte der Russischen Föderation“.

Ukraine-Krieg: Das russische Staatsfernsehen als Kreml-Kanal

Auf die Frage, ob man mit dem Engagement der russischen Journalistin als Haus auch ein politisches Zeichen an Putin richten wolle, antwortete Welt-Chefredakteur Ulf Poschardt: „Wir machen Journalismus, nicht Politik. Guter, mutiger, unbestechlicher Journalismus ist eine Bedrohung für jeden Autokraten und Diktator. Er ist auch eine Bedrohung für jene, die in offenen Gesellschaften wie der unseren den Meinungskorridor verengen.“

Während des gesamten Ukraine-Konflikts hat das russische Staatsfernsehen keine unerhebliche Rolle gespielt. Die Protestaktion von Marina Owsjannikowa stellte eine absolute Ausnahme dar. Ansonsten fungierte das Staatsfernsehen als Kanal für den russischen Präsidenten Wladimir Putin, um seine Propaganda zu verbreiten.

Regelmäßig waren russische Hardliner wie Wladimir Solowjow zu sehen, die die Kreml-Propaganda verbreiteten. Die Propaganda und das Fernsehen als Medium sind unentbehrlich für Putin und Beliebtheitswerte in Russland. (dpa/lp)

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