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Kaliningrad-Krise: Das ist die russische Exklave im Nato-Gebiet - sie gilt als Achillesferse der Nato

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Von: Bettina Menzel

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Ein Blick auf die schwimmende Speicher- und Wiederverdampfungsanlage Marshal Vasilevskiy vor Kaliningrad im Juni 2022. © IMAGO/Vitaly Nevar / ITAR-TASS

Die Suwalki-Lücke bei Kaliningrad gilt als Achillesferse der Nato. Die wachsenden Spannungen in der russischen Exklave stehen auch beim kommenden Nato-Gipfel auf der Tagesordnung.

Kaliningrad - Im Ukraine-Krieg rückt die russische Exklave Kaliningrad zwischen Polen und Litauen in den Fokus. Unter Militärexperten gilt das Gebiet als eine der größten Schwachstellen der Nato - Russland provozierte dort mit Militärmanövern und hält atomwaffenfähige Raketen vor.

Exklave Kaliningrad im Ukraine-Krieg: Seit 1991 ist russische Stadt auf Landimporte der EU angewiesen

Seit der Unabhängigkeit Litauens im Jahr 1991 hat die russische Stadt Kaliningrad keine direkte Landverbindung mehr nach Russland. Die Exklave zwischen Polen und Litauen ist daher auf Landimporte durch EU-Staaten angewiesen. In der aktuellen Kaliningrad-Krise wirft Russland der litauischen Regierung eine Blockade vor und droht mit „Vergeltungsmaßnahmen“. Litauen beruft sich bei seiner Beschränkung der Bahnverbindungen nach Kaliningrad für bestimmte Güter auf die Sanktionen der EU wegen des Ukraine-Krieges.

Kaliningrad, das bis 1946 als Königsberg zu Deutschland gehörte, liegt mitten in Nato-Gebiet. Damit sind die aktuellen Spannungen dort besonders heikel. Die Angst in baltischen Staaten wächst, denn sie grenzen direkt an Russland oder seinen Verbündeten Belarus. Rund 45 Jahre lang waren Lettland, Estland und Litauen Teil der Sowjetunion und erklärten 1990 einseitig ihre Unabhängigkeit. Erst eineinhalb Jahre später gab im Jahr 1991 die sowjetische Führung nach und erkannte den unabhängigen Status an, so die Bundeszentrale für politische Bildung.

Seit 2004 sind die baltischen Staaten Mitglied der Nato. „Die Aufnahme Litauens in die NATO ist ein Signal an Russland, dass Litauen nie und nimmer wieder von Russland übernommen werden wird“, sagte der damalige litauische Präsident Valdas Adamkus laut New York Times. Heute gibt es Nato-Stützpunkte in Polen, Estland, Lettland und Litauen, die nach der Krim-Annexion Russlands im Jahr 2014 nochmals verstärkt wurden. Moskau wertete dies als militärische Drohgebärde. Der russische Präsident Wladimir Putin hält die Nato-Osterweiterung generell für eine Gefahr.

Ukraine-Krieg: Warum die Grenze zwischen Polen und Litauen eine der größten Schwachstellen der Nato ist

Blick über die beleuchtete Uferpromenade am Fluss Pregel im russischen Kaliningrad
Blick über die beleuchtete Uferpromenade am Fluss Pregel im russischen Kaliningrad, das bis 1946 Königsberg hieß (Archivbild, 2015). © picture alliance/dpa | Marcus Brandt

Zwischen der Landesgrenze von Litauen und Polen verläuft die sogenannte Suwałki-Lücke. Dieser Korridor ist etwa 100 Kilometer lang und verbindet die beiden Staaten. Wichtige Stromtrassen, Straßen, Bahnlinien und eine Gaspipeline verlaufen dort. Der Suwałki-Korridor gilt allerdings als eine der größten Schwachstellen der Nato. Denn es besteht die Sorge, dass Russland diese Linie besetzen könnte. Damit wären Estland, Lettland und Litauen vom Landweg in das restliche Nato-Gebiet abgeschnitten. Würde Russland einen Angriff auf die Nato planen, gilt die Suwałki-Lücke aus Sicht von Experten daher als strategisch beste Möglichkeit.

Hinzu kommt, dass Russland in Kaliningrad die russische Ostseeflotte stationiert hat und seit 2018 Raketen vom Typ Iskander-M dort vorhält, wie etwa die Süddeutsche Zeitung berichtet. Dieser Raketentyp kann sowohl mit herkömmlichen als auch mit Atomsprengköpfen bestückt werden. Anfang Mai führte Russland in der Ostsee-Exklave Kaliningrad ein größeres Militärmanöver durch und simulierte dabei auch den Abschuss der Iskander-Raketen. Auch das Eindringen in den Nato-Luftraum setzt Russland als Drohgebärde ein. Allein 2022 flogen russische Flieger in Estland, Litauen, vor der schwedischen Insel Gotland und vor der deutschen Insel Rügen unerlaubt in den Luftraum.

Ukraine-Krieg: Nato-Länder wollen auf kommendem Gipfel über Verstärkung der Ostflanke sprechen

Seehafen von Kaliningrad: Das russische Verkehrsministerium gab bekannt, Russland verfüge über ausreichende Kapazitäten, um das Kaliningrader Gebiet auf dem Seeweg mit den erforderlichen Ressourcen und Gütern zu versorgen.
Seehafen von Kaliningrad: Das russische Verkehrsministerium gab bekannt, Russland verfüge über ausreichende Kapazitäten, um das Kaliningrader Gebiet auf dem Seeweg mit den erforderlichen Ressourcen und Gütern zu versorgen. © IMAGO/Vitaly Nevar /ITAR-TASS

In der Kaliningrad-Krise ist das letzte Wort wohl nicht gesprochen. Russland jedenfalls gab an, über ausreichende Kapazitäten zu verfügen, um das Kaliningrader Gebiet auf dem Seeweg mit den erforderlichen Ressourcen und Gütern zu versorgen. Die drei baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen dringen indes seit Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine auf eine deutlich größere Unterstützung durch die Nato-Bündnispartner. 

In Litauen ist die Bundeswehr mit mehr als 1000 Soldaten (Stand: Juni) derzeit Führungsnation in einem Nato-Gefechtsverband zur Sicherung der Ostflanke. Beim Nato-Gipfel ab dem 29. Juni steht unter anderem die Stärkung der Allianz an der Ostflanke auf der Tagesordnung.

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