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Bayern ist energiepolitisch bankrott: Söder sitzt in der Putin-Falle

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Von: Georg Anastasiadis

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Bayerns Ministerpräsident Markus Söder im Januar 2020 zu Besuch in Moskau bei Wladimir Putin; ein Kommentar von Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder im Januar 2020 zu Besuch in Moskau bei Wladimir Putin; ein Kommentar von Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis. © Maxim Shemetov/dpa/Klaus Haag

Wie seine Vorgänger Stoiber und Seehofer feierte Markus Söder die geostrategische Liaison mit Moskau und verließ sich energiepolitisch zu sehr auf russische Gaslieferungen. Jetzt sitzt Bayern in der Putin-Falle, kommentiert Georg Anastasiadis.

München - Ob das einem Franz Josef Strauß auch passiert wäre? Seit Edmund Stoiber pilgerten die bayerischen Ministerpräsidenten öfter nach Moskau als nach Altötting, ließen sich von Putin umgarnen und revanchierten sich mit Ergebenheitsadressen an den Kremlchef – am peinlichsten Horst Seehofer auf dem Höhepunkt von Moskaus Bombenterror in Syrien. In die Gegenrichtung strömten gewaltige Mengen von russischem Gas. Trunken von Putins Schmeicheleien feierten sich die drei CSU-Chefs für eine geostrategische Liaison, die sie blind machte für die wahren Absichten des Diktators: Im Vertrauen auf Putins Gas stieg das Duo Seehofer/Söder aus den von Strauß reichlich erbauten Atomkraftwerken aus, kippte lässig den Bau von Windrädern und hintertrieb den Bau von Hochspannungsleitungen, die Strom vom windreichen Norden in den Süden hätten transportieren können.

Ukraine-Krieg: Bayern sitzt wie kein anderes deutsches Bundesland in Putins Gasfalle

Jetzt hat Putin seine Maske fallen lassen – und Bayern sitzt wie kein anderes deutsches Bundesland in seiner Gasfalle. Zu den fehlenden Kernkraftwerken, Windrädern und Überlandleitungen gesellt sich der fatale Umstand, dass auch per Schiff herbeigeschafftes Flüssiggas den küstenfernen Freistaat kaum erreicht. Der vernachlässigte Aufbau dezentraler „Freiheitsenergien“ dürfte einige Zeit in Anspruch nehmen. Fürwahr eine energiepolitische Meisterleistung der dauerregierenden CSU! Zum Verhängnis wurde ihr ein fataler Hang zum Populismus. Hässliche Windräder wollten die Bayern-Regenten ihren Bürgern ebenso wenig zumuten wie lästige Strommasten oder gar den furchteinflößenden Anblick eines Atommeilers.

Und jetzt? Söder wollte die Landtagswahl mit der bitteren Klage gewinnen, dass die Berliner Ampel nur Steine übrig habe für den weiß-blauen Freistaat. Jetzt muss der CSU-Chef hoffen, dass die sich sträubenden Grünen ihm gnädigst den Weiterbetrieb der Atommeiler gestatten. Die Wahlkampf-Häme der Opposition, ausgerechnet die in Bayern-Fragen unfehlbare CSU habe die Energiesicherheit des Freistaats verspielt, gibt’s gratis dazu.

Ein Kommentar von Georg Anastasiadis

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