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Ukraine-Konflikt: Habeck äußert sich fassungslos über Putins „Idiotie“ und gibt zu: „Wir lassen die Ukrainer allein“

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Die Talkrunde bei „maybrit illner Ukraine Spezial“ (ZDF).
Die Talkrunde bei „maybrit illner Ukraine Spezial“ (ZDF). © Svea Pietschmann/ZDF

Welche Mittel hat der Westen, Putin im Ukraine-Krieg zu stoppen? Maybrit Illner fragt nach den Möglichkeiten im Umgang mit der massiven russischen Aggression. 

Berlin - Der Ukraine-Konflikt* ist nun doch eskaliert. Als reine „Idiotie“ bezeichnet Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) Wladimir Putins Invasion in der Ukraine. „Rational“, befindet Habeck bei „Maybrit Illner“*, sei „dieser Krieg nicht zu erklären“. Ganz anders sieht das im ZDF-Talk der ehemalige Brigadegeneral Erich Vad. Er warnt davor, Putin zu unterschätzen: „Nicht idiotisch, sondern sehr eiskalt machtpolitisch“, sei dieser.

Auch der Einmarsch sei geradezu „drehbuchartig gescriptet“ gewesen, meint Vad. Dass Putin die Krim und der Donbass so wichtig sind*, habe mit der strategischen Bedeutung der Regionen zu tun, es brauche die militärische Kontrolle, um die „Großmacht Russland zu erhalten“. Diese Karte zeigt die bereits eroberten Gebiete im Ukraine-Krieg.

Der Militär warnt: Der Westen müsse „aufpassen“, dass der russische Präsident „keinen Appetit bekommt“ und angesichts der militärischen Erfolge in „Irrationalität“ abgleite. Vad sieht nur einen Weg: „Das schaffen wir nicht mit wirtschaftlichen Sanktionen“, so der Ex-General, „das schaffen wir nur mit Hardcore-Militärmacht“. „Alles andere“, so der Militär-Experte, nehme Putin „uns nicht ab“.

Eigentlich wollte Maybrit Illner diese Woche pausieren. Doch aufgrund der dramatischen Lage in der Ukraine* plante das ZDF das gesamte Abendprogramm um und setzte zwei Sonder-Talksendungen mit unterschiedlicher Gästeauswahl an.

Ukraine-Krieg: Talk bei „Maybrit Illner“ - diese Gäste diskutierten mit:

Im ersten Teil dabei: 

Im zweiten Teil dabei: 

Die in der Ukraine* geborene Marina Weisband schildert die dramatische Lage vor Ort, ein Teil ihrer Familie verstecke sich derzeit vor möglichen Bombenanschlägen. Weisband ist sich sicher, hinter dem Einmarsch stehe das Ziel einer „Rumpf-Ukraine mit einer Marionettenregierung“ zu schaffen und die Demokratie zu beenden. Weisband: „Putin* hat vor nichts mehr Angst, als dass sein eigenes Volk sich mit der Demokratie ansteckt und seine, Putins, eigene Kleptokratie beendet.“ Dabei liegen die Hintergründe der Ukraine-Krise* bereits drei Jahrzehnte zurück.

Habeck gesteht ein, er verstehe, dass sich die Ukrainer „alleingelassen fühlen“. „Das tun wir. Wir lassen sie allein.“ Dennoch hält er am Kurs der westlichen. Länder fest: keine militärischen Interventionen, Gegenwehr mit wirtschaftlichen Mitteln. Illner ist skeptisch, fragt Habeck: „Können Wirtschaftssanktionen die Truppen in der Ukraine stoppen?“ Der antwortet ehrlich: „Nein, das denke ich nicht.“ Im besten Fall würden sie „weiteres Unheil verhindern“.

Die Sanktionen würden Russland mittelfristig von der technologischen Entwicklung abschneiden, außerdem werde die russische Mittelschicht geschwächt. Doch bis das zu spüren sei, dauere es Monate. Habeck hatte sich bereits am Mittwoch bei ARD-Talkerin Sandra Maischberger emotional zur Ukraine-Krise geäußert. Ex-Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) erklärt: „Wir werden einen langen Atem brauchen.“ Der amtierende SPD-Chef Lars Klingbeil prognostizierte zuvor, dass die Sanktionen auch Deutschland „hart treffen“ werden.

Habecks Plan, mit einer europäischen Energiewende die Abhängigkeit von Russland zu stoppen und damit auch das Putin-Problem zu lösen, klingt noch nicht ausgereift: „Mit Kriegstreibern kann man ja keine Geschäfte machen“. Es gehe „jetzt darum“, so Habeck, dass „alle verstanden haben“, dass Energiepolitik „in Zeiten wie diesen“ auch immer „geopolitische Einflüsse“ habe, lässt aber offen, wann das jemals anders gewesen ist.

Ukraine-Krieg: Ex-General fordert eine Neuaufstellung des Militärs in Europa und militärische Stärke

Ob die alte Idee der Annäherung „Wandel durch Handel“ gescheitert sei, fragt Illner. Habeck befindet: „Ja“ - und bleibt bei seiner Einschätzung, der Umgang mit Putin sei „naiv“ gewesen. Ex-General Vad, der inzwischen als Unternehmensberater arbeitet, findet die Idee im Kern weiterhin richtig und betont, Russland habe in anderen Zeiten als „großer Energielieferant Europas“ den Kontinent enorm nach vorn gebracht.

Illner wagt den Blick in die Zukunft. Die Hälfte allen Öls und ein Drittel allen Gases in Deutschland komme aus Russland, warnt sie. Die Energieversorgung sei vorerst „gesichert“, verspricht Habeck.

Vad betont noch einmal, dass es in Europa wieder „militärische Stärke“ brauche. Der Ex-General: „Wenn man keine schlagkräftigen Streitkräfte hat, wird man in der Außenpolitik schnell an seine Grenzen stoßen.“ Einer der Gründe, warum Deutschland keine Waffen an die Ukraine geliefert habe, sei, dass die „Depots leer sind“ und man selbst nicht genug Waffen für die Einsätze habe.

„Europa müsse sich verteidigungs- und sicherheitspolitisch neu aufstellen“, fordert Vad. „Wir müssen mehr Geld für die Bundeswehr ausgeben“, befindet auch Klingbeil, sagt aber auch: „Die Nato ist so gestärkt wie lange nicht mehr“. Vad ist da skeptisch. Putin nehme die Nato nur ernst, wenn die USA mit am Tisch sitzen.

Fazit des „Maybrit Illner“-Talks

Der Angriff Putins auf die Ukraine hat über Nacht politische Fehler Deutschlands offenbart. Vor allem der Blick auf Bundeswehr und Rüstungsausgaben scheint sich jetzt zu verändern. Alle News zum Ukraine-Konflikt finden Sie in unserem Live-Ticker. (Verena Schulemann)

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