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Ukraine-Krieg: Beleidigungs-Briefmarke wird Sammlerstück – Mittelfinger für die „Moskwa“

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Von: Bedrettin Bölükbasi

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Im Ukraine-Krieg stellt der Abschuss der „Moskwa“ einen schweren Schlag für Russland dar. In der Ukraine feiert man den Erfolg mit einer Briefmarke.

München/Kiew – Im Ukraine-Konflikt konzentriert sich die russische Armee nun auf den Osten der Ukraine. Diese Karte zeigt, wo der Ukraine-Krieg wütet. Während sich die Zusammenstöße zunehmend in den Donbass verlagern, Kiew erneut angegriffen wird und die Aufmerksamkeit hauptsächlich bei bevorstehenden Bodenkämpfen liegt, ist auch das Schwarze Meer ohne Zweifel eine weitere wichtige Front des Ukraine-Krieges.

In den vergangenen Tagen geriet das Schwarze Meer plötzlich stärker in den Fokus. Der Grund: Das Flaggschiff der russischen Schwarzmeer-Flotte, der Kreuzer „Moskwa“, ging unter, nachdem es mutmaßlich von zwei ukrainischen Neptun-Anti-Schiffsraketen getroffen wurde – ein riesiger Erfolg für das ukrainische Militär und ein schwerer Schlag für Moskau. Das ukrainische Volk ist begeistert über den Vorfall und sammelt zu diesem Anlass eine ganz besondere Briefmarke.

Ukraine-Krieg: Russlands „Moskwa“ versinkt nach Neptun-Beschuss – offenbar auch Bayraktar beteiligt

Wie genau es der ukrainischen Armee gelang, die „Moskwa“ abzuschießen und zu versenken, ist weiterhin unklar. Fest steht jedoch nur, dass dabei zwei Neptun-Anti-Schiffsraketen aus ukrainischer Herstellung zum Einsatz gekommen sind. Diese Information wurde auch vom US-Verteidigungsministerium bestätigt. Wie und warum die zahlreichen Abwehrmechanismen des russischen Flaggschiffs wie etwa das S-300 Luftverteidigungssystem den Angriff nicht verhindern konnten, bleibt aber noch unbeantwortet.

Unter anderem ist hier die Rede vom Einsatz der türkischen Bayraktar TB2-Drohne, die von der ukrainischen Armee bereits öfters gegen die russische Armee eingesetzt wurde. Nach der Theorie von ukrainischen Quellen wurde die Luftverteidigung des Kreuzers von der Drohne „abgelenkt“. Dies soll den Abschuss ermöglicht haben. Eine ähnliche Vermutung äußerte der russische Reservekapitän und Militärexperte Wladimir Gundarow gegenüber dem russischen Sender RTVi. Es sei möglich, dass die Bayraktar das Radar der S-300 beschossen und somit die Abwehr des Schiffes „erblindet“ habe. Diese Angaben konnten allerdings noch nicht verifiziert werden.

Von russischer Seite hieß es zunächst, es gebe ein Feuer und die „Moskwa“ sei zwar beschädigt, schwimme aber immer noch. Ein Tag nachdem der Abschuss des Schiffes bekannt wurde, räumte Russland allerdings ein, der Kreuzer sei versunken. Als Grund hierfür wurde ein schwerer Sturm während dem Zurückschleppen des Schiffes zur Küste angegeben. Zuvor hieß es, der Sturm behindere Löscharbeiten an Bord des Schiffes. Inzwischen veröffentlichte Moskau ein neues Video, das die gerettete Crew des Schiffes zeigt.

Ukraine-Krieg: Ukrainer feiern Abschuss der „Moskwa“ – ukrainische Post fertigt spezielle Briefmarke

Die Nachrichten aus dem Schwarzen Meer wurden in der Ukraine mit Begeisterung und Freude begrüßt. In den sozialen Medien feierten ukrainische Nutzer etwa mit Witzen. „Die Moskwa wurde jetzt von einem Kreuzer zu einem U-Boot befördert“, schrieb ein Nutzer. „Die Moskwa ‚befreit‘ jetzt Fische im Schwarzen Meer“, hieß es von einem weiteren Nutzer. So wie es aussieht, wollen Ukrainer einen derartig großen Erfolg ihrer Armee nicht so schnell wieder vergessen und sammeln jetzt eine besondere Briefmarke der ukrainischen Post, die an die Begegnung mit der „Moskwa“ erinnern soll.

Dabei taucht die „Moskwa“ in Verbindung mit dem Ukraine-Krieg keineswegs neu auf. Als die russische Marine zu Beginn des Krieges die als Schlangeninsel bekannte ukrainische Schwarzmeer-Insel Ostriw Smijinyj angriff, forderte ein Schiff die 13 ukrainischen Soldaten auf der Insel auf, sich zu ergeben. Dabei handelte es sich um kein anderes Schiff als die „Moskwa“. Die ukrainischen Truppen antworteten kurz, aber Klartext: „F*** dich!“ Später wurden sie für tot gehalten, allerdings stellte sich heraus, dass sie gefangen genommen wurden. Noch am Glauben an ihren Tod wurden sie vom ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj als „Helden der Ukraine“ ausgezeichnet.

Die kurze, dennoch äußerst prägnante Antwort der ukrainischen Soldaten brannte sich in das Gedächtnis des ukrainischen Volkes ein und ist nun auch auf der Briefmarke zu sehen, die die tapfere Haltung der ukrainischen Soldaten ehren soll. Zu sehen ist ein ukrainischer Soldat, der von der Küste aus zur „Moskwa“ blickt. In einer Hand hält der Soldat ein Gewehr und mit der anderen Hand zeigt er dem Schiff seinen Mittelfinger. Über dem Bild ist zu lesen: „Russisches Kriegsschiff, f*** dich!“

Eine Briefmarke der ukrainischen Post, auf der ein ukrainischer Soldat dem russischen Kreuzer „Moskwa“ den Mittelfinger zeigt, wurde zum Sammlerstück.
Eine Briefmarke der ukrainischen Post, auf der ein ukrainischer Soldat dem russischen Kreuzer „Moskwa“ den Mittelfinger zeigt, wurde zum Sammlerstück. © Screenshot/YouTube

Ukraine-Krieg: Nach „Moskwa“-Abschuss – Nachfrage nach spezieller ukrainischer Briefmarke ist riesig

Die Nachfrage nach der Briefmarke, die schon längst zum Sammlerstück geworden ist, ist riesig. In der Hauptstadt Kiew standen Menschen stundenlang Schlange vor der Post, um Exemplare der auf eine Million Stücke limitierten Edition zu ergattern. Bereits Freitagnachmittag (15. April) war die Briefmarke ausverkauft. Anfang März schrieb die ukrainische Post einen Wettbewerb aus, um das Ereignis der Schlangeninsel zu erinnern. Von über 500 Vorschlägen kamen 20 in die engere Auswahl, schreibt die New York Post. Letztlich wurde die Illustration des Zeichners Boris Groh ausgewählt.

„Als wir die Briefmarke entwarfen, wussten wir nicht, wie diese Episode ausgehen würde, aber wir sind sehr froh darüber“, kommentierte Ihor Smeljansky, Generaldirektor der ukrainischen Post. Auch Selenskyj präsentierte sich auf Instagram mit der Briefmarke. „Wir wollten mehr drucken“, sagte Smeljansky. Aber russische Luftangriffe auf Kiew hätten „den Betrieb der Fabrik gestört und wir konnten nicht die geplante Menge drucken“. Nun sollen schleunigst weitere Marken produziert werden. (bb)

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