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Ukraine-Krieg: Russland droht Bankrott - wie schnell kann es gehen und was wären die Folgen?

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Von: Christoph Gschoßmann

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Russischer Rubel
Rubel-Banknoten: Wie lange dauert es noch, bis Russland zahlungsunfähig ist? © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Ukraine-Krieg: Die Sanktionen isolieren Russland. Es droht eine Staatspleite. Wann könnte es soweit sein und was wären die Folgen für Europa?

Moskau - Die westlichen Sanktionen sollen Russland und Wladimir Putin nach dessen Invasion und der Eskalation im Ukraine-Konflikt schwächen und isolieren. Das zeigt offenbar Wirkung: Moskau kann erste Auslandsanleihen nicht zahlen. Ein Bankrott droht – doch wann könnte es soweit sein, und welche Auswirkungen drohen?

Die ersten Anzeichen scheinen da: Russland hat seit Beginn des Ukraine-Kriegs Verzugszinsen auf eine Dollar-Anleihe nicht gezahlt. Der Staat steht am Rand eines Zahlungsausfalls. Dies ist Russland mehr als ein Jahrhundert lang nicht mehr passiert – bei der Russischen Revolution 1918. Auch wenn das Land seitdem oft in finanzielle Nöte gekommen ist, zum Bankrott ist es seitdem nicht gekommen. Diesmal aber könnte es durchaus passieren, wie ntv berichtet. Der Kreml sei in arger Finanznot.

Dabei ist ungewöhnlich, warum Russland seine Schulden nicht bezahlt. Eigentlich verfügt das Land über hohe Devisenbestände und nimmt durch Exporte von Gas und Öl Milliarden ein. 40 Milliarden US-Dollar an Auslandsanleihen stehen dennoch aus, zwei Milliarden sind bis zum Jahresende fällig. Geld wäre da. Doch das Land ist durch die Sanktionen weitgehend vom internationalen Zahlungsverkehr abgeschnitten. Ein Teil der Währungsreserven ist zudem eingefroren. Die USA strichen am 24. Mai eine Sanktions-Ausnahmeregelung, die Russland eine Begleichung seiner Auslandsschulden mit Dollar erlaubte.

Ukraine-Krieg: Russland sucht Alternativen, um die Schulden zu bezahlen

Russland sucht Alternativen, um die Schulden zu bezahlen. Eine Möglichkeit wäre, mit Rubel zu bezahlen, um die westliche Infrastruktur zu umgehen. Finanzminister Anton Siluanow schlug vor, das den europäischen Gaskunden auferlegte Rubel-Konvertierungszahlungssystem zu kopieren. Bei diesem Modell eröffnen die Gläubiger Konten bei einer russischen Bank und zahlen in anderen Währungen als dem US-Dollar. Das Problem: US-Investoren könnten sich nicht beteiligen.

Wie schnell könnte es also zum Zahlungsausfall kommen? Offiziell könnte es schon Ende Juni soweit sein. Eigenen Angaben zufolge habe Russland Zinszahlungen am 27. Mai angewiesen - hierbei geht es um 71,25 Millionen US-Dollar und 26,5 Millionen Euro. 30 Tage besteht die Nachfrist. Am 2. Mail hatte Russland dies kurz vor Ende der damaligen Nachfrist noch geschafft, wenn auch 1,9 Millionen Dollar fehlten. Vom Investoren-Komitee CDDC wurde Russland daraufhin als säumiger Zahler eingestuft.

Ukraine-Krieg: Staatsbankrott Russlands - Gläubiger könnten vor Gericht ziehen

Wenn es wirklich zum Bankrott kommt, könnten Gläubiger vor Gericht ziehen. Die Folge könnten Beschlagnahmungen von Auslandsvermögen Russlands sein. Ausgefallene Schulden müssten restrukturiert werden. Die Kreditkosten Russlands würden langfristig steigen, ein Bankrott würde dem Staat über Jahre hinaus schaden.

Russlands Ex-Präsident Dmitri Medwedew, der sich immer wieder in den Krieg einmischt, hatte Europa bereits Ende April davor gewarnt, bei einer Zahlungsunfähigkeit seines Landes selbst in große wirtschaftliche Schwierigkeiten zu geraten. „Die Zahlungsunfähigkeit Russlands könnte zur Zahlungsunfähigkeit Europas werden“, schrieb der Vizechef des russischen Sicherheitsrats im Nachrichtenkanal Telegram. Zugleich warf er EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vor, sein Land in den Bankrott treiben zu wollen. Das sei die „geheime Absicht der Masochisten aus Brüssel“. (cg mit dpa)

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