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Russland schwächt sich selbst - Korruption führt angeblich zur schlechten Versorgung der Truppen

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Von: Linus Prien

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Zurückgelassener russischer Panzer in der Ukraine
Zurückgelassener russischer Panzer © IMAGO/Daniel Carde

Die russischen Truppen sind angeblich sehr schlecht versorgt. Teilweise seien Essensrationen mit Salmonellen verseucht. Grund dafür könnte Korruption in der russischen Armee sein.

Moskau - Seit Beginn des eskalierten Ukraine-Konflikts kamen Berichte über die schlechte Versorgungslage der russischen Armee auf. Angeblich hätten die russischen Truppen nicht genügend Munition, Verpflegung und Treibstoff. Es kursierten viele Bilder von russischen Militärfahrzeugen, die auf Straßen liegengeblieben waren. Laut n-tv lassen sich die Probleme bei der russischen Truppen maßgeblich auf korrupte Strukturen der Armee zurückführen.

Ukraine-Krieg: „Korruption auf operativer Ebene behindert die russische Logistik“

Eigentlich gilt die russische Armee als eine der schlagkräftigsten der Welt. Bilder von liegengebliebenen Panzern oder hungernden Soldaten passen jedoch nicht in dieses Bild. In der amerikanischen Zeitung Politico schrieb Polina Beljafowa von der Tufts Universität für internationale Beziehungen „Korruption auf operativer Ebene behindert die russische Logistik, was dazu führt, dass die Soldaten schlecht versorgt und ausgerüstet sind“. N-tv schrieb, dass russische Soldaten Medienberichten zufolge mit Essensrationen versorgt werden, die bereits mehrere Jahre abgelaufen sind. Im Ergebnis kommt es dann zu Plünderungen von ukrainischen Dörfern und humanitären Hilfspaketen durch russische Soldaten, da sie selber kaum Nahrungsmittel haben.

Laut Forbes Russia stehen 92 Prozent der Unternehmen, die für die Versorgung des russischen Militärs verantwortlich sind, in Verbindung mit dem Oligarchen Jewgeni Prigoschin. Einen Wettbewerb zwischen Unternehmen, wer die Armee beliefern kann, gäbe es nicht. N-tv zufolge sind die Rationen für russische Soldaten „unangemessen klein“ und in Teilen mit Salmonellen und Kolibakterien verseucht. Zudem erhalten die russischen Truppen angeblich in manchen Fällen gar keine Verpflegung. Diese wird laut Berichten vom Recherchenetzwerk Bellingcat im Internet verkauft.

Ukraine-Krieg: Treibstoff als zweite Währung in der russischen Armee

Wie Beljafowa bei Politico schrieb, ist es „plausibel, dass die langjährige Tradition der Korruption bei der Treibstoffversorgung das Tempo des russischen Vormarsches in der Ukraine verringert hat.“ Obwohl Russland reich an Bodenschätzen ist, gilt: „Treibstoff wird beim russischen Militär bereits als zweite Währung bezeichnet.“ Die russische Nachrichtenagentur TASS berichtete 2019 von russischen Soldaten, die auf der Krim 126 Tonnen Kraftstoff stahlen und für 3,6 Millionen Rubel verkauften. Neben logistischen Problemen spricht also einiges dafür, dass die russische Armee sich im Krieg gegen die Ukraine selbst schwächt.

Russlands Armee: Anti-Korruptions-Verteidigungsminister wurde abgesetzt

Nach dem Georgien-Krieg 2008 sollte die russische Armee eigentlich reformiert werden. Der ehemalige Verteidigungsminister Russlands, Anatoli Serdjukow, machte es sich zur Aufgabe, Korruption bei den Beschaffungsprozessen der russischen Armee zu bekämpfen, wie Kamil Galeev vom amerikanischen Woodrow Wilson Center via Twitter erläuterte. In der russischen Oligarchie machte sich Serdjikow jedoch zu viele Feinde: „Die Zahl seiner Gegner wuchs daher derart, dass er 2012 abgesetzt wurde“, führte Galeev aus. Wie n-tv berichtete, kam mit dem Nachfolger Sergej Schoigu ein Verteidigungsminister ins Amt, der nicht gegen Korruption vorging. (lp)

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